30. Januar 2013, 7:50 Uhr
Der Kommentar
Die Stress-Studie ist das jüngste Beispiel: Immer neue Studien zu allen möglichen Themen dienen als Quelle für mehr oder minder wissenschaftliche Behauptungen. Dringend vonnöten ist noch eine einzige Studie, meint Rainer Burchardt: die ultimative Studie über den Wert von Studien.
Da soll doch erst einmal einer das Gegenteil beweisen. Ja, Ja – inzwischen hilft als Totschlagargument immer noch der Verweis auf eine möglichst wissenschaftliche Studie, die ja wohl eindeutig belege dass…Nein, hier soll nicht das Plagiieren bei Doktorarbeiten angeprangert werden, ob wohl das ja auch schon schlimm genug ist.
Noch schlimmer aber ist das Aus-dem-Hut-Zaubern irgendeiner noch so dubiosen Studie als Quelle für eine Behauptung – Wissenschaftler sprechen gern von einer These – die nun irgendwie belegt werden müsse. Dagegen ist zumeist kein Kraut gewachsen, nicht einmal der zuletzt so sehr in Mode gekommene Faktencheck.
Bei Studien – respektive deren Ergebnissen – geht es nämlich gar nicht so sehr um Fakten, schon gar nicht um nachprüfbare, sondern vielmehr um massenhafte Befindlichkeiten von so genannten Panels, also einer Gruppe von Befragten in möglichst repräsentativer Zahl und Auswahl.
Also, jüngstes Beispiel: die Stress-Studie, die nun angeblich eine wirklich menschheitsbedrohende Zunahme dieses Faktors ermittelt haben will. Ob im Haushalt oder im Betrieb – Stress ist allgegenwärtig. Ja, es wird nicht einmal vor der Klassifizierung positiv oder negativ halt gemacht: Stress ist eben Stress – ob im Büro oder Bett, denn, richtig: die neueste Studie sagt ja….und so weiter.
Nun, seien wir nicht ungerecht und einseitig: Die Pisa-Studie, die es nun wirklich gibt und die zudem wissenschaftlich begründet ist, hat ja der von Kanzlerin Merkel propagierten Bildungsrepublik Deutschland ein denkbar schlechtes Zeugnis ausgestellt und uns alle wegen der drohenden Gefahr der flächendeckenden Volksverdummung aufgeschreckt.
Nur darf wohl auch einmal prinzipiell nachgefragt werden, ob uns die Studienwerker mit ihren Elaboraten nicht wirklich verdummen wollen. Ob Fall-, Feld- oder Freilandstudien, Labor- oder Milieustudien, Cross-Over- oder Kontrollstudien, Kurzzeit- oder Langzeitstudien – wir armen kleinen Menschlein sind längst aus dem Stadium subjektiver Wesen zu wesentlichen Objekten mehr oder weniger dubioser Erhebungen mutiert.
Und dieses offenbar grenzenlose Spiel geht immer weiter, wird verfeinert und, ohne dass wir es merken, je nach Zielrichtung manipuliert. Nicht zu Unrecht hießen diese oft genug pseudowissenschaftlichen Pamphlete Gutachten. Doch weil dieser Titel wohl zu verräterisch war und die erwünschten Ergebnisse der Auftraggeber zutage förderten, spricht man jetzt lieber von Berichten oder eben Studie.
Bericht – vorgeblich objektiver kann es ja gar nicht gehen, bis offenbar wurde, dass jüngst der Armutsbericht einige unbequeme Wahrheiten enthielt, die von der Regierung durch Schwärzen mal eliminiert wurden. Das kann man auch Zensur nennen. Francis Bacon wusste schon vor 400 Jahren, zuviel Zeit auf Studien zu verwenden, bedeute Faulheit. Und dennoch: Ich wünsche mir die ultimative Studie über den Wert von Studien. Und dann muss aber Schluss sein!
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