10. Dezember 2012, 7:50 Uhr
Der Kommentar
Radio-Bremen-Chefredakteur Martin Reckweg kommentiert.
Von Krönung des Kandidaten war im Vorfeld die Rede. Mit Verlaub, zuviel der Symbolik. Ein Kandidat, der auf fast allen Umfrage-Ebenen schlechtere Werte als die Kanzlerin hat? Einer, der in der eigenen Partei kleine Brötchen backen musste ? Nein, von Krönung kann bei Peer Steinbrück keine Rede sein. Auf dem politischen Thron, da sitzt längst eine andere - die Kanzlerin.
Vortragshonorare in Millionenhöhe haben Peer Steinbrück vom Kern seiner Partei entfernt. Sie lasteten wie Wackersteine auf ihm, so hat er es selbst ausgedrückt. Diese Wackersteine ist er auch nach seiner Rede von Hannover nicht los geworden, aber die Last ist offensichtlich erheblich leichter geworden.
Steinbrück musste in Hannover die Kehrtwende schaffen. Von einem, der jahrelang den eigenen Zuverdienst über die politische Kärrnerarbeit gestellt hat, der sich über die mühevolle Arbeit in der parlamentarischen Ebene längst erhaben wähnte. Der das ICH über das WIR gestellt hat.
Steinbrück hat die Erwartungen seiner Partei bedient. Er will die Häutung schaffen, vom reinen Finanzexperten, vom Verfechter der Agenda 2010 hin zum Kämpfer füer die Interessen der Benachteiligten, zum Kämpfer gegen Armut und für Gerechtigkeit. Das stand bisher nicht im Mittelpunkt der poitischen Agenda Peer Steinbrücks. Jetzt will er von ihm vernachlässigte Gruppen in den Blick nehmen: Förderung von Frauen durch Quote in Unternehmen, deshalb ein Staatsminsiterium für Frauen und Gleichstellung; deshalb ein nationaler Aktionsplan für mehr Wohnungen, deshalb das wiederholte Bekenntnis zu den sozialen Werten der Partei. Wenn er diesen Kraftakt durchhält, der ihm im Grunde gegen die eigene Natur geht, dann hat er eine Chance, als Kanzlerkandidat von der gesamten SPD akzeptiert zu werden.
Ein neuer Peer Steinbrück hat sich da in Hannover gezeigt, einer, der sich in den Dienst der gesamten Partei stellen will. Er hat sein Verhältnis zur SPD in einen größeren Zusammenhang gestellt, er hat seine Position im Wertegerüst der Partei deutlich gemacht.
Dabei hat er sich festgelegt: für Rotgrün - als Vize in einer Großen Koalition steht er nicht zur Verfügung. Nochmals Juniorpartner von Angela Merkel - dieser Aussicht hat er eine klare Absage erteilt.
Also keine Krönung, aber Peer Steinbrück hat den 93%-Segen seiner Partei bekommen - die Voraussetzung, dass die SPD vor allem der linke Flügel mit ihm als Kanzlerkandidat ihren Frieden macht. Die Partei hat ihm wieder zurück in den Sattel geholfen, da sitzt er nun, eher bescheiden denn stolz. Auf dem Weg vom ICH zum WIR. Es ist die wichtigste Botschaft des Parteitags von Hannover.
Das ist viel, gewiss. Aber der Wahlerfolg gegen die Gegnerin auf dem politischen Thron ist das noch lange nicht.
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