23. April 2013, 7:50 Uhr
Der Kommentar
Nach der 0:3-Heimpleite gegen den VfL Wolfsburg ist Werder-Trainer Thomas Schaaf verstärkt unter Druck geraten. Ein bis dato unvorstellbares Szenario wurde in den Medien diskutiert: Das Ende der "Ära Schaaf" in Bremen. Ist er noch der richtige Mann für den Job? "Unbedingt" und "Auf keinen Fall", meinen unsere Redakteure Gabriele Intemann und Hans-Heinrich Obuch.
Soll er gehen oder bleiben? Thomas Schaaf steht in der Kritik.
Contra - von Gabriele Intemann
Der vergangene Samstag, das war die Offenbarung. So schlecht habe ich Werder seit der Nach-Rehhagel-Zeit nicht gesehen. Keine Spielkultur, keine Leidenschaft, keine Mannschaft – einfach nur trostlos. Seitdem ist klar: Mit diesem Trainer geht es nicht weiter.
Dabei habe ich lange zu den Verteidigern von Thomas Schaaf gehört – wegen seiner Verdienste. Und weil immer wieder positive Ansätze zu erkennen waren. Jetzt sind auch die verschwunden.
Es ist richtig: Vielleicht ist der Trainer nicht das größte Problem, das Werder hat. Da ist der Vorstand, dem es an Fußballwissen mangelt. Da ist die zuletzt verfehlte Einkaufspolitik von Klaus Allofs und da ist die Nachwuchsarbeit, die seit einigen Jahren brach liegt. Richtig ist aber auch: Thomas Schaaf ist nicht Teil der Lösung in dieser größten Werder-Krise seit 14 Jahren.
Der Trainer erreicht die Mannschaft nicht mehr. Kann sie weder motivieren, noch richtig einstellen. Es fehlt an Struktur. Es gibt keinen Führungsspieler, der auf dem Platz Mannschaft und Spiel ordnet, wenn es nicht so läuft. Und es fehlt am System: Seitdem die Mittelfeld-Raute nicht mehr aktuell ist, laviert Schaaf taktisch herum. Am vergangenen Samstag mal wieder mit zwei Sechsern. Die Abwehr: ein einziger Torso. Gegen Wolfsburg musste Innenverteidiger Sokratis auf der Außenbahn ran. Der erfolgreichste Stürmer, Nils Petersen, saß erst einmal auf der Bank. Solche Personalrochaden sind weder kreativ noch genial: Sie offenbaren die ganze Hilflosigkeit des Trainers.
"Wenn ich das Problem sein sollte, dann trete ich gerne zur Seite" – hat Schaaf nach dem Spiel gegen Wolfsburg gesagt. Damit hat er der Vereinsführung die Tür aufgemacht für einen Neuanfang. Sie sollte die Chance nutzen, spätestens zur neuen Saison.
Kommentar: Thomas Schaaf muss gehen, [1:35]
Hände weg von Thomas Schaaf! Der Mann muss Werder-Trainer bleiben. Warum? Weil das Gerede von neuen Besen, die gut kehren und vom Motivationsschub eines Trainerwechsels sich letztlich nur durch blanken Populismus und verbale Hemdsärmeligkeit auszeichnet.
Dass neue Trainer automatisch für Erfolg sorgen, ist statistisch nicht belegt. Dem Trainer den Laufpass zu geben, heißt, auf eine ernsthafte Analyse der Krise, eine Reflexion der Misere, eine Bestandsaufnahme der Fehler zu verzichten. Heißt: Aktionismus. Und der hilft dem SV Werder nicht weiter.
Die Entwicklung der Mannschaft in den letzten Monaten an einem Mann festzumachen und dann auch noch am Trainer, wäre von den Werder-Granden verantwortungslos. Sie sollten über ihre eigenen Fehler nachdenken und eine Mannschaft für die Zukunft entwickeln – gemeinsam mit dem aktuellen Werder-Trainer. Thomas Schaaf mag zur Zeit hilflos aussehen, mag mit manchen Aufstellungen verwundern.
Man darf ihn kritisieren, darf einzelne seiner Entscheidungen in Zweifel ziehen. Aber man muss und kann ihm weiter vertrauen. Ihn zu entlassen, würde Unruhe statt Ruhe in den Verein tragen, würde der Mannschaft nicht helfen. Nicht jetzt im Abstiegskampf, nicht beim Aufbau einer neuen Elf für die neue Saison. Hände weg von Thomas Schaaf!
Info: Der Kommentar
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