4. Dezember 2012, 7:50 Uhr
Der Kommentar
Die Ursache des Keimskandals am Klinikum Bremen-Mitte mit drei toten Frühchen wurde nicht gefunden. Der Abschlussbericht des Untersuchungsausschusses der Bremischen Bürgerschaft kritisiert unter anderem die Hygiene und den Personaleinsatz in der Klinik. "Dafür hätte man nicht monatelang im Ausschuss sitzen müssen", kommentiert Radio-Bremen-Politikredakteur René Möller:
Auf der Station für Frühgeborene im Klinikum Bremen-Mitte starben 2011 drei Babys.
"Vieles ist bekannt und inzwischen erledigt" – mit diesen Worten reagiert die neue Leitung der städtischen Klinikgesellschaft (GeNo) auf den Bericht des Untersuchungsausschusses Krankenhauskeime. Auf 400 Seiten hatten die Ausschussmitglieder ihre Arbeit von fast einem Jahr dokumentiert und den Bericht gestern vorgestellt. Kern des Berichts:
Alles aus Spargründen! Auch die ehemalige Gesundheitssenatorin Ingelore Rosenkötter sagte das so vor dem Ausschuss. Der Spardruck war politisch gewollt. Eine Erkenntnis, für die nicht Politiker aller Parteien monatelang im Untersuchungsausschuss sitzen mussten. Denn dass da was nicht stimmt, war Beobachtern und Patienten auch schon vorher klar.
Denn der städtische Klinikverbund ist ein geldverschlingendes schwarzes Loch. Immer weniger Kommunen leisten sich noch eigene Kliniken. Dazu ist auch keine Kommune in Deutschland verpflichtet. Hamburg zum Beispiel macht es vor. Dort wurden alle städtischen Krankenhäuser vor zehn Jahren privatisiert. Und dort läuft es auch. Besser, als vorher.
Bremen dagegen – allen voran Finanzsenatorin Linnert – hält an dem "teuren Hobby", eigene Kliniken zu führen – fest. Auf Kosten der Steuerzahler. Denn das Klinikum Mitte wird voraussichtlich zum Jahresende wieder ein Minus von fast 30 Millionen Euro einfahren. In einem privaten Unternehmen wäre ein solches Betriebsergebnis das Aus.
Außerdem ist das nächste Keimproblem schon da. Vor Wochen sind schon wieder multiresistente Keime im Klinikum Mitte aufgetaucht. Auch hier ist die Quelle nicht klar. Und schon wieder scheint die Informationspolitik nach dem gleichen Muster abzulaufen, wie damals beim Keimskandal auf der Frühchenstation: Vertuschen, Zeit schinden und Verantwortung hin und her schieben. Das scheinen die Grundsätze zu sein, nach denen die Bremer Landesregierung mit dem Thema umgeht. Die CDU hatte einen Bericht verlangt, woher die neuen Keime kommen und was die Klinikleitung getan hat und tun will. Doch dieser Bericht kommt nicht. Die Gesundheitsbehörde hat auf das Ansinnen der CDU einfach nicht reagiert.
Das wird sich auch mit dem neuen Gesundheitssenator Hermann Schulte-Sasse nicht ändern. Dieser Schulte-Sasse war jahrelang Staatsrat in der Bremer Gesundheitsbehörde und maßgeblich daran beteiligt, dass der Spardruck in den städtischen Kliniken immer weiter stieg. Jetzt soll ausgerechnet er das neue Gesicht der Bremer Landesregierung werden und ähnlich wie die neue Geschäftsführerin der GeNo sagen: Alles ist gut!
Nichts ist gut, solange Bremens Rot-Grüne Regierung sich nicht endlich vom Traum der zu 100 Prozent städtisch geführten Kliniken verabschiedet.
Der Kommentar zum Anhören:
Kommentar zum Bericht des Untersuchungsausschusses Keime, [2:42]
Bremer Keimskandal bleibt unaufgeklärt
Dossier: Keime in Bremer Klinik
Abschlussbericht UA Krankenhauskeime
Info: Der Kommentar
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