10. August 2012, 7:50 Uhr
Der Kommentar
Rund 10.000 Werder-Fans haben sich seit Mittwoch im Internetportal Facebook zusammen getan, um gegen den mutmaßlichen neuen Sponsor ihres Vereins zu protestieren. Der umstrittene Geflügelproduzent "Wiesenhof" könnte in Zukunft die Trikots von Werder zieren. Ein Kommentar von Radio-Bremen-Chefredakteur Martin Reckweg.
Wird Wiesenhof der neue Trikotsponsor?
Der Sündenfall geschah im März 1973. Eine graue Bundesliga-Maus namens Eintracht Braunschweig brauchte dringend Geld. Da kam das Angebot mit dem Jägermeister-Hirsch auf dem Trikot gerade recht. Seitdem haben die Fußball-Hemden ihre Unschuld verloren. Höhepunkt: Der vermeintliche Skandal, den der FC Homburg mit seiner Werbung für Kondome auslöste.
Werder Bremen hat seine Werbebrust bisher nicht gerade mit Ruhm bekleckert: Da prangten wahrlich nicht die ganz großen Namen drauf, Werder gab seinen guten Namen für Fischkonserven, Unterwäsche, Billigklamotten und Discountbanken her.
Das alles stieß selten auf Begeisterung, nie aber auf solch Spott, Zorn und Entrüstung wie in diesem Fall, wo Wiesenhof aus dem Landkreis Vechta auf die Werder-Brust will. Natürlich ist hier auch eine Menge Heuchelei im Spiel. In der Masse der Entrüsteten mögen gewiss auch etliche sein, die Wiesenhof-Produkte konsumieren. Und unter den Sponsor-Vorgängern waren beileibe nicht nur Unschuldslämmer.
Das tut hier aber nichts zur Sache. Wiesenhof, selbsternannter Geflügelproduzent Nummer Eins, gilt nicht nur Tierschützern als Feindsymbol, wegen erwiesener Hygienemängel und mangelnden Tierschutzes. Wer für dieses Unternehmen Werbung auf den Trikots macht, der muss sich bewusst sein: Mit diesem Sponsor gibt Werder Bremen ein klares Bekenntnis zur Massentierhaltung ab.
Dem Management mag´s egal sein, Hauptsache die Kasse stimmt. Die Vermarktungsfirma "Infront" hat ihren Job gemacht und einen Sponsor besorgt. So einfach kann man es sich machen – als Ergebnis bekommt man dann zweierlei: zum einen kurzfristig einen Proteststurm im Netz; zum anderen, sollte es zu dieser Verbindung kommen, einen nachhaltigen Schaden für das Image dieses Vereins.
Gewiss, der Fußball-Verein Werder Bremen ist auch und vor allem ein Wirtschaftsunternehmen, das profitabel arbeiten muss. Wer Özils und Eliyas haben will, der kann dann offensichtlich bei den Kiks und Wiesenhofs nicht so genau hingucken.
Darüberhinaus ist Werder aber eine starke Marke, über viele Jahre gewachsen und gepflegt, aufgeladen mit einem großen Maß an Emotion und Identifikation. Partner wollen von diesem tief und fest verankerten Kern der Marke profitieren.
Genau das bezweckt Wiesenhof mit dieser Partnerschaft: die eigene ramponierte Marke aufbessern. Und genau deshalb passen die Marken Werder Bremen und Wiesenhof nicht zusammen. Hier findet der aus Marketinggründen wünschenswerte Imagetransfer in beide Richtungen statt: das positive Image für Wiesenhof, das negative Element wandert zu Werder, klebt fest auf der grünen Brust.
Ökonomisch also eine richtige Entscheidung, imagemäßig ein Desaster. Und auch fraglich, ob die Rechnung wirtschaftlich aufgeht. Neben dem Sponsorertrag rechnet Werder mit Einkünften durch Trikotverkauf – die Hühnerbrust-Hemden können zum Ladenhüter werden.
Der Kommentar zum Anhören:
Werder und der "Wiesenhof", [2:53]
Werder Bremen mit Wiesenhof auf der Brust
Proteste gegen Trikotsponsor halten an
Info: Der Kommentar
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