6. Mai 2013, 6:50 Uhr
Kurz und gut
Liebe Hörerinnen und Hörer,
Radio Bremen hat mich gebeten, Ihnen diese Woche am Morgen ein paar Gedanken für den Tag mit auf den Weg zu geben.
Als Abtprimas bin der oberste Repräsentant aller Benediktiner und Benediktinerinnen. Ich soll aber für die Einheit des Ordens und die Zusammenarbeit unter den Klöstern sorgen und bin außerdem zuständig für unsere Hochschule und unser Kolleg in Rom.
Ich habe kein Gehalt, werde aber von meinen Brüdern versorgt, und das machen mir manche zum Vorwurf. Ich hätte ein bequemes Leben. Da frage ich dann gern boshaft zurück: Warum sind dann Sie nicht auch ins Kloster gegangen? Es war keine Flucht vor dem harten Alltag, weshalb ich den Weg dorthin gesucht habe. Ich war auch einmal ein junger Mensch, und junge Menschen suchen Vorbilder, Idole: Fussballer, Sportler, Bungeespringer, Rockmusiker. Ich wollte Jesus nachfolgen und so leben wie er. Das mag verrückt klingen. Aber mich hat das Leben eines längst verstorbenen Südsee-Missionars angeregt. Natürlich habe ich es mir lange überlegt, und ich musste weiter reifen auf meinem Weg. Aber ich habe es nicht bereut. Ich bin froh und glücklich geworden, und vor allem frei.
Bequem ist auch mein Leben nicht. Ich muss mich um den Unterhalt unserer Studenten kümmern, die Entwicklung unserer Hochschule, ich muss unser schöne Kloster auf dem Aventin total sanieren. Durch die Dächer regnet es, durch die Fenster pfeift der Wind. Meine Büchertantiemen und meine Vortragshonorare fließen dort in dieses Projekt. Das reicht natürlich bei weitem nicht; ich muss ständig betteln, oft ohne Erfolg; das ist das nicht immer so rosig. Auch mir können die Sorgen den Schlaf rauben.
Aber ich will nicht klagen. Ich weiß, das Leben ist nun mal nicht bequem; auch reiche Leute sind nicht ohne Sorgen; sie wollen gesellschaftlich anerkannt werden, am meisten hapert es mit den persönlichen Beziehungen. Auf der Suche nach Glück folgt eine ehe auf die andere. Ein Blick in die Boulevard-Blätter genügt. Es reichen auch die Erzählungen von Freunden und Menschen, die sich in Briefen in ihren Sorgen an mich wenden. Wir müssen uns alle anstrengen. Ein Problem dann aber wieder geschafft zu haben, bereitet Freude. Dasitzen und warten, bis mir etwas in den Schoß fällt, empfände ich sogar langweilig.
Ich wünsche Ihnen den Mut, heute Dinge wieder anzupacken, und mit Gottes Segen viel Erfolg und die entsprechende Freude.
Autor: Abtprimas Dr. Notker Wolf, Rom
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Info: Kurz und gut
![Altar in der Ostkrypta im Bremer Dom [Quelle: Radio Bremen, André Gensler] Altar in der Ostkrypta im Bremer Dom [Quelle: Radio Bremen, André Gensler]](/nordwestradio/serien/kurz_und_gut/info218_v-mediateaser.jpg)
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