15. Mai 2013, 6:50 Uhr
Kurz und gut
"Wochenend' und Sonnenschein – mehr brauch ich nicht zum glücklich sein." Eine Zeile aus einem alten Schlager der Comedian Harmonists.
Mehr braucht es nicht. So ist das mit dem Glück. Da reiht sich im Buchladen Ratgeber an Ratgeber. Alle versprechen sie Glück, Zufriedenheit und Erfolg. In der Werbung wimmelt es nur so vor Glücklichen, die irgendetwas gekauft haben und nun aus dem Strahlen gar nicht mehr raus kommen. Banken wollen uns allen nur dabei helfen, unser Glück zu machen.
Und dann stellt das Glück sich ganz nebenbei von selbst ein. Wenn am Morgen ein Sonnenstrahl ins Zimmer fällt und draußen ein leichter Wind um deine Nase weht. Wenn jemand aus dem Fenster winkt und dir einen kurzen Gruß zuruft.
Es sind die Momente, in denen du das Leben spürst. Es ist wie ein Erwachen mitten am Tage. Solche Augenblicke haben ihren Sinn in sich selbst. Ein kostbares Glück, dass du nicht bestellen und schon gar nicht festhalten kannst.
Meine Tochter arbeitet zur Zeit in Frankreich in einer Einrichtung für mehrfach Behinderte. Von einem jungen Mann erzählt sie hin und wieder. Er heißt Jerôme. Morgens hat er meistens gute Laune. Manchmal kommt er rein und sagt: "Ich bin zufrieden!" "Warum bist du heute so zufrieden?" erkundigt sich meine Tochter. Die Antwort kommt ohne Zögern: "La vie est belle!" – "Das Leben ist schön!"
Da ist es, das Glück. Ungerufen, einfach so da, denn das Leben, es ist schön.
Dabei gehört Jerôme mit seiner mehrfachen Behinderung auf den ersten Blick nicht zu den großen Anwärtern auf Glück. Er ist nicht gesund, er ist nicht selbstständig, er kann nicht arbeiten. Manchmal muss er ins Krankenhaus. Wenn er wieder kommt, muss er Tabletten nehmen. Dann macht er sich Sorgen und ist traurig.
Und dennoch: La vie est belle! Jerôme hat ein intensives Empfinden für Glück. Gerade weil er das andere auch kennt. Das ist seine ganz besondere Begabung. Er kann das Leben fühlen. Darin ist er richtig gut.
Autorin: Inge Kuschnerus, Pastorin
Kalender
Info: Kurz und gut
![Altar in der Ostkrypta im Bremer Dom [Quelle: Radio Bremen, André Gensler] Altar in der Ostkrypta im Bremer Dom [Quelle: Radio Bremen, André Gensler]](/nordwestradio/serien/kurz_und_gut/info218_v-mediateaser.jpg)
Verkündigungssendung
Sendezeit:
Mo. – Fr., 6:50 Uhr
Alle Audios
Service
Zwischen Mythos und Moderne
Das 1990 gegründete Ensemble möchte altbekannte Hörgewohnheiten verändern und sie auch konservativerem Publikum nahe bringen. Dabei hilft die Verflechtung mit anderen Künsten wie Tanz, Schauspiel, Film oder Malkunst. Wir präsentieren einen Mitschnitt vom Januar in der St. Ansgari-Kirche in Oldenburg. Mehr...
5. Juni, 20:05 Uhr | Nordwestradio
Lesebuch: Anna Seghers
In den aktuellen Folgen des Lesebuchs hören Sie den Roman "Aufstand der Fischer von Sankt Barbara" von Anna Seghers. Mehr...
Erfahren, woher wir kommen
Das Nordwestradio setzt seine erfolgreiche Veranstaltungs- und Sendereihe "Erfahren, woher wir kommen" fort. Jürgen Stenzel liest "Gargantua und Pantagruel" von François Rabelais. Hanjo Kesting kommentiert das Werk. Mehr...
29. Mai 2013, 19:00 Uhr | Stadtbibliothek Bremen, Wall-Saal
radiobremen.de nun auch mobil
Seit Februar 2013 ist der Radio-Bremen-Web-Auftritt unter der Adresse "m.radiobremen.de" auch mobil abrufbar. Das gilt natürlich auch für die Homepage des Nordwestradio. Mehr...
Suche
Nordwestradio durchsuchen:
Info & Service
Neues Digitalradio-Angebot
Radio Bremen hat ein neues Digitalradio-Angebot gestartet. Damit können Sie das Nordwestradio in rauschfreier Qualität empfangen. Mehr...
Jetzt auf radiobremen.de
Robin Dutt in der Stadt: Werder Bremen präsentiert seinen neuen Trainer
Betriebsversammlung bei ENO: Mitarbeiter wollen bessere Arbeitsbedingungen
Streit um Beratungsstelle: SPD-Fraktionschef will Rat-und-Tat-Zentrum halten
Bremer Delegation in der Türkei: Böhrnsen findet es wichtig, "sich mal sehen zu lassen"