22. Mai 2013, 6:50 Uhr
Kurz und gut
Manchmal muss ich schon sehr früh auf den Flughafen fahren, beispielsweise um die Maschine um 5.55 Uhr von Rom nach Frankfurt zu erreichen. Sicherheitshalber fahre ich dann kurz nach vier Uhr von unserem Kloster los. Ich kenne schon alle Damen an den Check-in-Schaltern. Es ist immer ein Hallo, wenn ich ankomme, wir winken uns zu.
Einmal klagte ich aber einer Dame, dass ich schon so früh aus den Federn musste, schon um halb vier. „Ja,“ entgegnete sie, „ich wohne in den Castelli Romani, östlich von Rom, ich muss immer schon um 2 Uhr aufstehen und um halb drei Uhr losfahren.“ Da wurde ich ganz klein und bescheiden.
Wie oft meinen wir, es treffe nur uns, wir allein seien leidgeplagte Menschen. Wenn wir mit einander reden und auf einander hören, merken wir, dass jeder auf seine Weise sein Päckchen zu tragen hat. Wir brauchen einander nicht zu beneiden und vor allem uns selbst nicht zu bemitleiden. Ich habe mich auch oft in Deutschland gewundert, wieviele Menschen nachts oder frühmorgens auf den Autobahnen dienstlich unterwegs sind.
Aber es tut dann doch gut, auf einander zuzugehen, mit einander zu reden. Dann erfahren wir, wie es andern Menschen geht und werden selbst bescheidener und anspruchsloser. Warum sollte es uns auch besser gehen als anderen Menschen? Wenn wir mit einander reden, werden wir zu Menschen unter Menschen. Wir sind nicht allein. Geteiltes Leid ist halbes Leid, geteilte Freude zählt doppelt.
Als ich den Schalter mit meiner Bordkarte verließ, verabschiedete ich mich dankend, nicht nur für die Bordkarte, sondern weil ich mich beschenkt fühlte, mich selber wieder anders sah.
Haben Sie einfach den Mut, heute wieder auf Menschen zuzugehen, Ihnen von dem zu berichten, was Sie gerade bedrängt, etwas Sorgenvolles oder etwas Frohes. Horchen Sie dann auf die andern und Sie werden bescheiden - und froh.
Autor: Abtprimas Notker Wolf, Rom
Kalender
Info: Kurz und gut
![Altar in der Ostkrypta im Bremer Dom [Quelle: Radio Bremen, André Gensler] Altar in der Ostkrypta im Bremer Dom [Quelle: Radio Bremen, André Gensler]](/nordwestradio/serien/kurz_und_gut/info218_v-mediateaser.jpg)
Verkündigungssendung
Sendezeit:
Mo. – Fr., 6:50 Uhr
Alle Audios
Service
Zwischen Mythos und Moderne
Das 1990 gegründete Ensemble möchte altbekannte Hörgewohnheiten verändern und sie auch konservativerem Publikum nahe bringen. Dabei hilft die Verflechtung mit anderen Künsten wie Tanz, Schauspiel, Film oder Malkunst. Wir präsentieren einen Mitschnitt vom Januar in der St. Ansgari-Kirche in Oldenburg. Mehr...
5. Juni, 20:05 Uhr | Nordwestradio
Lesebuch: Anna Seghers
In den aktuellen Folgen des Lesebuchs hören Sie den Roman "Aufstand der Fischer von Sankt Barbara" von Anna Seghers. Mehr...
Erfahren, woher wir kommen
Das Nordwestradio setzt seine erfolgreiche Veranstaltungs- und Sendereihe "Erfahren, woher wir kommen" fort. Jürgen Stenzel liest "Gargantua und Pantagruel" von François Rabelais. Hanjo Kesting kommentiert das Werk. Mehr...
29. Mai 2013, 19:00 Uhr | Stadtbibliothek Bremen, Wall-Saal
radiobremen.de nun auch mobil
Seit Februar 2013 ist der Radio-Bremen-Web-Auftritt unter der Adresse "m.radiobremen.de" auch mobil abrufbar. Das gilt natürlich auch für die Homepage des Nordwestradio. Mehr...
Suche
Nordwestradio durchsuchen:
Info & Service
Neues Digitalradio-Angebot
Radio Bremen hat ein neues Digitalradio-Angebot gestartet. Damit können Sie das Nordwestradio in rauschfreier Qualität empfangen. Mehr...
Jetzt auf radiobremen.de
Robin Dutt in der Stadt: Werder Bremen präsentiert seinen neuen Trainer
Betriebsversammlung bei ENO: Mitarbeiter wollen bessere Arbeitsbedingungen
Streit um Beratungsstelle: SPD-Fraktionschef will Rat-und-Tat-Zentrum halten
Bremer Delegation in der Türkei: Böhrnsen findet es wichtig, "sich mal sehen zu lassen"