25. Mai 2012, 6:50 Uhr
Kurz und gut
Am Anfang schuf Gott Himmel und Erde. Und die Erde war wüst und leer, und es war finster auf der Tiefe; und der Geist Gottes schwebte auf dem Wasser. So beginnt die Schöpfungsgeschichte der Bibel. Mit ihr fängt die Bibel an: Genesis, das 1. Buch Mose, Kapitel 1, Vers 1. Aber begann so auch wirklich die Geschichte der Erde?
Es scheint wieder mehr Menschen zu geben, die genau das nicht nur glauben, sondern es auch offensiv vertreten. Sie behaupten, dass Gott die Erde vor rund 5800 Jahren geschaffen hat, in sieben Tagen - erst das Licht, dann das Wasser und das Land, dann die Himmelskörper, die Fische, die Tiere und am Ende die Menschen. So beschreibt es ja die Bibel in diesem allerersten Text.
Seit einigen Jahren kann man öfter mal in der Zeitung lesen, dass dieses Schöpfungsmodell gleichberechtigt neben der Evolutionstheorie an den Schulen gelehrt werden soll. Seit Jahren schon kämpfen die so genannten Kreationisten in den USA dafür, und im beginnenden Präsidentschaftswahlkampf scheint das mehr und mehr eine Rolle zu spielen. Manche sprechen auch von "Intelligent Design" und werfen ihren Anschauungen gar den Mantel einer wissenschaftlichen Theorie über. Es ist aber noch relativ neu, dass das auch bei uns in Deutschland zum Thema wird.
Um es klar zu sagen: Der Schöpfungsmythos im biblischen Buch Genesis ist eine großartige Erzählung, Literatur vom Feinsten. Aber er ist eben genau das: eine Erzählung, Literatur - ein Mythos. Übrigens ist das sogar ein relativ junges Stück Literatur, viel später als die Gesetzestexte und die Prophetenbücher entstanden, auch wenn man es irgendwann an den Anfang der Bibel gesetzt hat. Und weil der Text Literatur ist, hat er in einem naturwissenschaftlichen Unterricht nichts zu suchen.
Die Vermischung von Religion und Wissenschaft wäre fatal, sie würde Trennungen wieder rückgängig machen, auf denen letztendlich die Freiheit und der Frieden einer aufgeklärten, neuzeitlichen Gesellschaft beruhen. Die Schöpfungsgeschichte, so zeitlos schön und lehrreich sie auch ist, für bare Münze zu nehmen, würde bedeuten, das Rad der Geschichte zurückzudrehen. Es wäre dann auch kein weiter Weg mehr zu drakonischen körperlichen Strafen und anderen archaischen Praktiken, denn davon steht auch allerlei wortwörtlich in der Bibel.
Autor: Olaf Droste, Pastor
Kurz und gut
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![Altar in der Ostkrypta im Bremer Dom [Quelle: Radio Bremen, Foto: André Gensler] Altar in der Ostkrypta im Bremer Dom [Quelle: Radio Bremen, Foto: André Gensler]](/nordwestradio/serien/kurz_und_gut/info218_v-mediateaser.jpg)
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