25. Juni 2012, 8:50 Uhr
Schauplatz Nordwest
Der Name "Heerstraße" ist eine Bremer Besonderheit. Einige Straßen heißen schon seit dem Mittelalter so, wie alte Urkunden im Bremer Staatsarchiv belegen. Andere, wie die "Schwachhauser Chaussee", wurden während des 1. Weltkriegs in "Heerstraße" umbenannt. Nordwestradio-Reporterin Mirjam Steger berichtet.
Reportage:
Bremer Heerstraßen, [3:39]
Bremer Heerstraßen
Sebaldsbrücker Heerstraße. Waller Heerstraße. Schwachhauser Heerstraße. Alte Heerstraße. Lilienthaler Heerstraße. Hastedter Heerstraße. Gröpelinger Heerstraße. Hemelinger Heerstraße. Kattenturmer Heerstraße. Diese Straßennamen wirken heute befremdlich und sind tatsächlich eine Bremensie. In anderen deutschen Großstädten gibt es sie in der Massivheit und der Bedeutung nicht noch einmal.
Gemeint sind die großen Ausfallstraßen. Die Überlandstraßen. Die Chausseen in älterer Zeit, die Bremen sternförmig mit dem Umland verbunden haben. Das sagt der Leiter des Staatsarchivs Bremen, Konrad Elmshäuser. An die 20 Heerstraßen gibt es heute in Bremen. Sie hießen allerdings nicht immer so.
Während des Ersten Weltkrieges, im Jahr 1916, bekamen die meisten von ihnen diesen Namen. Vorher hießen sie Chausseen. Beispielsweise die Schwachhauser Chaussee. Die Straßenumbenennungen sind in den Senatsprotokollen jener Zeit zu finden, die im Staatsarchiv lagern. In dem dicken, vergilbten Buch ist der Antrag von einem gewissen M. Michaelsen protokolliert. Datum: 10. August 1915. Er wollte die damalige Schwachhauser Chaussee in Hindenburgstraße umbenennen lassen. Das hat der Senat am 10. September aber abgelehnt:
"Hinsichtlich der Frage, ob der gedachte Name in Schwachhauser Heerstraße abzuändern sei und dementsprechend eine einheitliche Regelung für das ganze bremische Gebiet getroffen werden soll, erklärte Herr Referent nach Besprechung, dass er demnächst hierüber weiter berichten werde. Der Senat ist einverstanden."
Drei Monate später wurde in Bremen tatsächlich entschieden, die Chausseen in Heerstraßen umzuwandeln. Das sagt das Senatsprotokoll vom 18. Januar 1916:
"Herr Senator Lürmann für das Baupolizeiamt nahm Bezug auf die Verhandlungen im Senat vom 10.September 1915, Protokollnummer 2112, und beantragte im Benehmen mit dem Herrn Landherren, der auch den Kreisausschuss befragt habe, die Bezeichnung "Chaussee" überall in "Heerstrasse" umzuwandeln. Es kämen 20 Chausseen in Frage, die auch in rechtlicher Hinsicht Heerstraßen seien. Beschluss: nach Antrag."
Die Chausseen stammten aus der Zeit der französischen Besatzung von 1792 bis 1815. Sie waren lange, gerade Straßenverbindungen und hatten auch militärischen Charakter. In einigen Handbüchern und Lexika ist zu lesen, dass die Bremer Straßenumbenennungen 1916 mit der ablehnenden Haltung der Deutschen gegenüber den Franzosen zusammen hingen. Das kann der Leiter des Staatsarchivs nicht bestätigen.
"Dafür gibt es keinen Beleg", sagt Konrad Elmshäuser. "Und ich glaube auch nicht, dass das ursächlich war". Es mag mitgeschwungen haben, dass man es als zeitgemäß empfunden habe, ein französisches Fremdwort aus dem Straßenatlas zu tilgen und durch einen einheimischen Begriff zu ersetzen, Der eigentliche Beweggrund für diese Vereinheitlichung war aber wohl eher eine schlichte Maßnahme der Verwaltungsvereinfachung, ist er überzeugt.
Konrad Elmshäuser weiß, dass einige Heerstraßen in Bremen bereits seit dem frühen Mittelalter so hießen. In der ersten schriftlichen Niederlegung des Stadtrechts taucht der Begriff "Heeresstrate" bereits auf. In zwei Abschnitten des Stadtrechts von 1304 heißt es frei übersetzt, dass entlang der Heerstraße innerhalb der Stadt kein Schweinkoben und niemandes "heimliche Kammer", also Toilette stehen solle. Das heißt, die Hauptstraßen sollten von allem frei bleiben, das stinkt und dazu führt, dass jemand ausrutscht.
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