19. März 2013, 7:45 Uhr
Schauplatz Nordwest
Bei einer Nationalhymne wäre es eigentlich naheliegend, dass der Komponist aus dem eigenen Land stammt – im Falle von Dänemark verhält sich das allerdings anders. Die Melodie zur königlichen Nationalhymne "Kong Christian" brachte ein Komponist zu Papier, der 1786 in Deutschland geboren wurde: Friedrich Kuhlau aus Uelzen.
Friedrich Kuhlau, porträtiert von Christian Horneman im Jahre 1828
Noch heute stehen viele Menschen auf, wenn diese Musik erklingt: Dänemarks königliche Nationalhymne "Kong Christian". Den Namen des Komponisten Friedrich Kuhlau kennen allerdings nur wenige. Er bearbeitete das alte dänische Lied und gab ihm die Gestalt der Hymne.
Geboren wurde Kuhlau in Uelzen als Sohn eines armen Militärmusikers. Ein Unfall brachte seine besondere Begabung zutage: Beim Eislaufen hatte sich der Neunjährige das rechte Auge ausgestochen. Um ihm die quälenden Wochen im Bett zu erleichtern, stellten ihm die Eltern ein Clavichord ans Bett, auf dem der Junge überraschend gekonnt spielte.
Die Eltern kratzen ihr Geld zusammen, um ihm ein Musikstudium in Hamburg zu finanzieren. Doch als Napoleons Truppen anrückten, floh Kuhlau aus Angst, eingezogen zu werden, nach Dänemark – ein mittelloser Musiker und Komponist. Im Januar 1811 gab er sein Debüt in Kopenhagen. Ein Zeitzeuge schrieb damals:
"Der Vorhang hob sich, und es erschien ein schlanker junger Mann, dessen knochige Gestalt etwas eckig in den schwarzen Kleidern erschien; er hatte starkes krauses Haar und ein langes rotwangiges Gesicht, das durch das Fehlen eines Auges verunziert wurde (…) Dann setzte er sich ans Klavier (…): Da verschwand das Gepräge von Unbeholfenheit; (…) als Meister bewies er sich."
Die Konzerte brachten wenig Geld. Doch Friedrich Kuhlau konnte sich mit dem Komponieren kleiner Kammer-Sonaten und mit Klavierunterricht über Wasser halten. Seine Leidenschaft allerdings galt der Oper. Einige seiner Werke wurden gespielt, doch die großen Erfolge blieben aus.
Das Blatt wendete sich erst, als sich herumsprach, dass er ein ausgezeichneter Bearbeiter von Volksmelodien war. Sogar das Königshaus hörte davon und gab ihm 1828 den Auftrag, zu einer königlichen Hochzeit ein neues Singspiel zu schreiben: "Elverhoj / Der Elfenhügel", basierend auf dänischen Sagen und Volksweisen. Am Ende der Ouvertüre erklingt dann die Königshymne.
Ein Feuer vernichtete im Jahre 1831 Kuhlaus Haus, fast alle seiner bis dahin unveröffentlichten Werke verbrannten. Kuhlaus Lunge war von dem Brand so angegriffen, dass er wenige Monate später starb. "Der Elfenhügel" wurde seither über tausend Mal in Kopenhagen gespielt. Und auch Uelzen erinnert sich an den Sohn der Stadt: mit dem alle zwei Jahre stattfindenden "Flötenwettbewerb Friedrich Kuhlau".
Friedrich Kuhlau, Komponist der dänischen Nationalhymne, [3:43]
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