21. Mai 2013, 12:45 Uhr
Schauplatz Nordwest
Sie sollen Menschen krank gemacht und die Ernte verdorben haben, weil sie angeblich einen Pakt mit dem Teufel eingegangen sind. Viele Frauen, besonders Rothaarige, wurden im Mittelalter als Hexen verfolgt. Auch in Norddeutschland hat die Inquisition viele Frauen das Leben gekostet. Ein paar Spuren davon sind immer noch zu sehen. In Osnabrück zum Beispiel gibt es den Hexengang.
Nur wenig Licht fällt in den Hexengang.
Rechts der spätromanische Dom, auf der linken Seite das altehrwürdige Gymnasium Carolinum und dazwischen: der Osnabrücker Hexengang. Der Boden ist mit roten Backsteinen gepflastert, die teilweise meterhohen Wände sind aus Sandstein gemauert. Nur für ein paar Stunden am Mittag und am Nachmittag fällt Sonnenlicht in die rund 20 Meter lange, schmale Gasse. Sonst ist es dunkel – und kalt.
In der Nacht allein durch den Hexengang zu gehen – das ist für viele Osnabrückerinnen noch immer unvorstellbar. Denn nicht nur die Beschaffenheit des Hexenganges ist nicht gerade einladend, auch sein Name wirkt abschreckend. Dabei wurde der Hexengang anfangs "Klapperhagen" genannt, erzählt Renate Frankenberg, Stadtführerin in Osnabrück.
Wer damals eine ansteckende Krankheit hatte, musste trotzdem an den kirchlichen Segnungen teilnehmen, konnte aber nicht in die Kirche gehen, so Frankenberg. Stattdessen umkreiste der Kranke die Kirche mit einer Klapper in der Hand, um alle Gesunden drauf aufmerksam zu machen, dass er ansteckend ist, erzählt sie.
Den Namen Hexengang erhielt der kleine Weg zwischen Dom und Carolinum erst im 19. Jahrhundert, als sich die Osnabrücker intensiv mit ihrer Stadtgeschichte beschäftigten.
Rund 280 Frauen wurden im Laufe der Hexenverfolgung in Osnabrück getötet – von der Mitte des 16. Jahrhunderts bis in die Dreißiger Jahre des 17. Jahrhunderts hinein. Um zu beweisen, dass es sich bei den Frauen um Hexen handelte, wurden sie gefesselt in den kleinen Fluss Hase geworfen. Wer daraufhin an der Wasseroberfläche schwamm, wurde schuldig gesprochen.
Der Weg an den Fluss könnte vom Rathaus über die Domsfreiheit durch den heutigen Hexengang geführt haben, so die Vermutung Mitte des 19. Jahrhunderts. Doch Frankenberg bezweifelt dies heute. "Es gibt um geistliche Orte – im Mittelalter ganz allgemein – einen Bezirk, in dem städtische oder die Gerichtsbarkeit des Landesherren nicht wirksam werden darf. Das heißt also, wenn die Damen in Osnabrück sich vor dem Stadtrat als sogenannte Hexen verantworten mussten, dann konnten sie nicht über die Domsfreiheit und die Kleine Domsfreiheit geführt werden", so die Stadtführerin.
Der Bischof hätte sich sonst auf sein Hoheitsrecht auf seinem Gebiet berufen. Denn die Hexenverfolgung hatte nicht das katholische Bistum zu verantworten, sondern der jeweilige evangelische Bürgermeister von Osnabrück, erklärt Renate Frankenberg.
Auch wenn die Zeit der Verfolgung längst Vergangenheit ist – ein bisschen unheimlich wird der Hexengang den Osnabrückern wohl trotzdem immer bleiben. Dabei ist die Sorge unbegründet: Von überdurchschnittlich vielen Überfällen an der Stelle ist nichts bekannt.
Der Osnabrücker Hexengang, [3:14]
Zur Hauptseite von Schauplatz Nordwest:
Schauplatz Nordwest
Geschichte und Geschichten aus der Region
Alle Schauplätze im Nordwesten auf der Karte:
Schauplatz Nordwest
Der Nordwesten ist voller Geschichte und Geschichten. Wir erklären, was hier geschah, was in Namen erhalten ist und woran sich viele "irgendwie" erinnern – wenn auch am Ende doch nicht mehr ganz genau... Ob ein außergewöhnliches Ereignis, ein Jahrestag oder eine lokale Besonderheit: Wir schauen in die Region und berichten darüber. Zu hören sind die Reportagen im Nordwestradio Journal. Mehr...
Weitere Schauplätze
Robert Cray Band
Robert Cray hatte schon das hohe Alter von Dreißig erreicht als er Anfang der achtziger Jahre mit seiner Blues-Band bekannter wurde. Seitdem hat er fast jedes Jahr eine neue CD herausgebracht. Für einige davon hat er bereits fünf Grammys gewonnen und wurde 2010 in die "Blues Hall of Fame" aufgenommen. Mehr...
4. Juni, 22:05 Uhr | Nordwestradio
Lesebuch: Anna Seghers
In den aktuellen Folgen des Lesebuchs hören Sie den Roman "Aufstand der Fischer von Sankt Barbara" von Anna Seghers. Mehr...
Erfahren, woher wir kommen
Das Nordwestradio setzt seine erfolgreiche Veranstaltungs- und Sendereihe "Erfahren, woher wir kommen" fort. Jürgen Stenzel liest "Gargantua und Pantagruel" von François Rabelais. Hanjo Kesting kommentiert das Werk. Mehr...
29. Mai 2013, 19:00 Uhr | Stadtbibliothek Bremen, Wall-Saal
radiobremen.de nun auch mobil
Seit Februar 2013 ist der Radio-Bremen-Web-Auftritt unter der Adresse "m.radiobremen.de" auch mobil abrufbar. Das gilt natürlich auch für die Homepage des Nordwestradio. Mehr...
Suche
Nordwestradio durchsuchen:
Info & Service
Neues Digitalradio-Angebot
Radio Bremen hat ein neues Digitalradio-Angebot gestartet. Damit können Sie das Nordwestradio in rauschfreier Qualität empfangen. Mehr...
Jetzt auf radiobremen.de
Titanic sticht wieder in See: Australischer Milliardär will Megadampfer nachbauen
Krise der Gesundheit Nord: SPD fordert Finanzkonzept für städtische Kliniken
Werder Bremen: Sportdirektor plant mit Arnautovic und Elia
Neuer Trainer vorgestellt: Robin Dutt: "Werder ist Euphorie pur!"