27. Juli 2012, 6:15 Uhr
Schauplatz Nordwest
Jeder ist heute jederzeit und überall erreichbar – die Mobilfunktechnik macht´s möglich. Das gilt auch für die Schiffe auf See rund um den Erdball. Hier sorgt ein Netz aus Satelliten für lückenlose Kommunikation. Das wäre ohne das Zutun eines deutschen Physikers vor etwas mehr als einhundert Jahren nicht möglich gewesen: Jonathan Zenneck entwickelte auf der Grundlage der von Heinrich Hertz entdeckten elektromagnetischen Wellen den deutschen Seefunk.
Die Marmor-Gedenksäule des Naturwissenschaftlers Jonathan Zenneck am Strand von Cuxhaven.
Auf dem Deich in Cuxhaven wurde ihm deshalb ein Denkmal gesetzt, das sich Nordwestradio-Reporter Axel Neuber einmal näher angesehen hat.
Reportage:
Das Jonathan-Zenneck-Denkmal in Cuxhaven, [3:53]
Ein Beitrag aus der Reihe "Schauplatz Nordwest"
Wer auf dem Deich an der Kugelbake in Cuxhaven spazieren geht, der läuft vielleicht einfach vorbei an dem roten Obelisken. Obwohl der Gedenkstein an Jonathan Zenneck etwa zwei Meter hoch und mit einer übergroßen Gravur versehen ist, wird er von Passanten doch häufiger übersehen.
Zenneck gilt als der deutsche Seefunk-Pionier. Unter der Regie des späteren Physik-Nobelpreisträgers Professor Ferdinand Braun versuchte Zenneck als sein Assistent im Jahr 1900 in Cuxhaven das, was dem italienischen Funkpionier Guglielmo Marconi drei Jahre vorher als erstem gelungen war: eine kabellose Telegraphieverbindung aufzubauen. Vom Anleger "Alte Liebe" aus führte Jonathan Zenneck die ersten Funkversuche durch.
Seine Versuchsanordnung war ziemlich schlicht. "Hier am Leuchtturm in Cuxhaven hat eine Holzbude gestanden und da war der erste Versuchssender aufgebaut", erklärt Sönke Mahrt, Funkexperte vom Wasser- und Schiffahrtsamt in Cuxhaven. Zennecks erste Versuche wurden unternommen mit einer Drahtantenne, die mitten auf den Wiesen aufgebaut worden war. Der Funkpionier schickte damals Morsetöne an den Empfänger – zunächst an der Kugelbake, dann, nach den ersten erfolgreichen Tests, hinaus auf die Feuerschiffe, die in der Elbmündung lagen.
Am 24. September 1900 schließlich gelingt der bis dato größte Erfolg: die Funkverbindung nach Helgoland. Braun übermittelt vom Roten Felsen an Zenneck über eine Strecke von 62 Kilometern folgenden Funkspruch.
"Zum heutigen Feste, der Wünsche beste, trinkt nicht so viel bei Dölle, sonst werdet ihr völle"
Der Grundstein für den deutschen Seefunk war gelegt. Schiffe wurden nun mit Funkstationen ausgerüstet, an Land wurden wurden militärische und zivile Küstenfunkstellen eingerichtet. Letztere wurde vor allem genutzt, um Schiffe in den Häfen anzumelden. So konnten die nötigen Vorbereitungen für die Ankunft pünktlich getroffen werden.
Der Funkverkehr auf See lief viele Jahrzehnte über den Grenzwellenbereich Kurzwelle. "Norddeich Radio" oder "Elbe-Weser-Radio" waren zum Beispiel zwei Küstenfunkstellen, die auf diesem Wege Kontakt zu den deutschen Schiffen hielten. Dann, kurz vor der Jahrtausendwende, kam das Aus für den weitläufigen Seefunkverkehr. Mit der Einführung des Funktelefons wurde er nicht mehr gebraucht.
Der Funkverkehr per Kurzwelle spielt heute nur noch im weltumspannenden Seenot- und Sicherheitsfunksystem eine wichtige Rolle. Der eigentliche Seefunk beschränkt sich hauptsächlich auf kurze Distanzen von Schiff zu Schiff und auf den küstennahen Bereich. Die Ultrakurzwelle deckt mit 30 Seemeilen ungefähr die Distanz ab, in der Jonathan Zenneck vor 112 Jahren seine ersten Seefunkversuche unternahm.
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