8. Januar 2013, 7:45 Uhr
Schauplatz Nordwest
Mehr als sieben Millionen Menschen sind im 19. und 20. Jahrhundert von Bremerhaven aus per Schiff nach Amerika ausgewandert – mit dem One-Way-Ticket in ein neues Leben. Daran erinnert neben der bekannten Skulptur einer Auswandererfamilie an der Seebäderkaje in Bremerhaven noch ein zweites Denkmal. Doch nur die wenigsten erkennen es als solches.
Der Kabakov-Würfel steht direkt vor der ehemaligen Auswanderer-Herberge, die jetzt zur Hochschule gehört.
Zwischen den Gebäuden der Hochschule Bremerhaven, direkt an der Straße namens "Karlsburg", steht ein roter, kastenförmiger Klinkerbau ohne Fenster. Fünfeinhalb Meter hoch, sechs Meter breit und sieben Meter tief. Funktion: Unklar. Zumindest den meisten Passanten. "Trafo-Haus", "Krematorium", oder "Gefängnis" lauten ihre Tipps in einer kurzen Umfrage. Besonders schön finden es die meisten von ihnen auf jeden Fall nicht.
Dabei ist dieser Würfel ganz bewusst an diese Stelle gebaut worden, vor das ehemalige Auswandererhaus, das heute ein Teil der Hochschule Bremerhaven ist. Im Rahmen eines Wettbewerbs "Kunst am Bau" gewann 1998 dieses Objekt des russischen Künstlers Ilya Kabakov.
Im 19. Jahrhundert diente das Haus hinter dem Kabakov-Würfel als Herberge für bis zu 2.000 Auswanderer. Sie kamen von weit her und mussten oft wochenlang auf ihre Überfahrt nach Amerika warten. Daran soll der Würfel erinnern, sagt Kai Kähler vom Kunstverein Bremerhaven. An den beleuchteten, weißen Wänden im Inneren sieht man eine Gruppe von Leuten, gezeichnet an Deck eines Schiffes. Die meisten sind zusammen gekauert – offenbar herrscht raues Wetter – sie liegen am Boden, in Decken gehüllt.
"The Last Step", "Der letzte Schritt", heißt das Kunstwerk. Der Boden ist mit rundem Kopfsteinpflaster ausgestaltet. Nichts für Stöckelschuhe, sagen Passanten, die neugierig in den Würfel gekommen sind. Tatsächlich soll der unebene Boden einerseits die Unsicherheit einer Auswanderung, andererseits die schwankende See bei einer Atlantiküberquerung nachempfindbar machen.
Kähler kommt öfter mit Gruppen hierher. Aber auch Einzelpersonen können sich den Schlüssel im Kunstmuseum schräg gegenüber holen. Nur weiß das fast niemand. Da müsste der Eigentümer, das Land Bremen, in Absprache mit dem Künstler mal eine sinnvolle Beschilderung anbringen, regt Kai Kähler an. Er ist froh, dass es dieses Denkmal in Bremerhaven gibt, gerade weil "es sich nicht so aufdrängt", sagt er.
Das stimmt nicht ganz: Studenten mussten teure Matten kaufen, um den unebenen Weg bei Partys abzudecken, damit niemand stürzt. Es sollen auch schon Autos gegen den Würfel gefahren sein. Immerhin kann Kai Kähler vom benachbarten Kunstverein mit einem Vorurteil aufräumen: Steuergeld ist für das Werk nicht geflossen. "Damals hat sich ein Unternehmer gefunden, der das ganze Material gespendet hat, weil der so fasziniert von der Sache war", sagt Kähler.
Der Kabakov-Würfel in Bremerhaven, [3:48]
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