12. März 2013, 7:40 Uhr
Schauplatz Nordwest
Unsere niederländischen Nachbarn hatten sich in der Vergangenheit immer mal wieder Gedanken gemacht, wie sie ihr kleines Land vergrößern können. Nach dem Zweiten Weltkrieg etwa kursierten Pläne, weite Teile Deutschlands niederländisch werden zu lassen. Ein Streifen von Wilhelmshaven bis nach Köln und Düren sollte annektiert werden.
Die Niederländer wollten ihr Gebiet einmal bis nach Wilhelmshaven ausdehnen
Nach den niederländischen Annexionsplänen sollte die Weser die neue Grenze zwischen Deutschland und den Niederlanden markieren. Die Pläne seien im niederländischen Parlament besprochen worden und seien sehr umstritten gewesen, sagt Hans Beelen von der Universität Oldenburg. "Aber letztendlich hat man das mehrheitlich durchgesetzt, dass große Teile von Deutschland, ich sag mal ganz Ostfriesland, Köln und Aachen an die Niederlande kommen sollten". Die Niederlande seien mit ihren Plänen auch international aufgetreten und hätten versucht, diese Vorschläge in der Konferenz der alliierten Mächte durchzusetzen, so Beelen.
Was dann mit den Menschen geschehen sollte, die in diesem Grenzgebiet lebten, war ebenfalls in den Annexionsplänen festgehalten, so der Niederlande-Wissenschaftler Beelen. Ehemalige Parteimitglieder der Nationalsozialistischen Partei sollten ausgewiesen werden. Aber es sei nicht geplant gewesen, den Menschen zwangsweise die niederländische Sprache zu vermitteln. Vielmehr hätten andere Sprachen den Vorrang bekommen. Die Niederlande hätten sich dann zu einem dreisprachigen Land entwickelt, wo dann Niederländisch, Friesisch und auch Niederdeutsch nebeneinander als drei Amtssprachen existiert hätten, glaubt Beelen.
Doch die niederländischen Annexionspläne stießen bei den Deutschen auf wenig Gegenliebe. Im ostfriesischen Bunde nahe der niederländischen Grenze gingen die Leute sogar auf die Straße, erinnert sich Egbert Koolman, der im nahegelegenen Weener aufgewachsen ist und dessen Familie niederländische Wurzeln hat. Auch wenn viele befürchteten, dass es den Deutschen durch die Annexion schlechter gehen werde, sahen die Koolmans das eher gelassen. "Da sagte meine Mutter ganz ruhig: 'Na so schlimm kann das nicht werden, das sind ja unsere Verwandten'", schmunzelt Koolman.
Doch die meisten der betroffenen Deutschen hatten damals wohl nicht so enge Verbindungen zu den Niederlanden. Das mussten die westlichen Besatzungsmächte und letztlich auch die Niederländer einsehen, sagt Hans Beelen. Man einigte sich auf Ausgleichszahlungen und ganz kleine Grenzkorrekturen bei Nieuweschans und zwei kleinen Dörfern am Niederrhein, die bis in die 60er Jahre unter niederländischer Verwaltung standen. Letzendlich wurden auch diese wieder zurückgegeben, "weil man gesehen hat, dass das nicht der richtige Weg ist", so Beelen.
So wurde aus den niederländischen Annexionsplänen nichts, und somit wird heute kein Niederländisch in Westniedersachsen gesprochen und es stehen auch keine niederländischen Namen auf den Ortsschildern zwischen Wilhelmshaven, Oldenburg, Osnabrück und Köln.
Niederländische Grenze bis an die Weser?, [3:32]
Holländische Annexionspläne nach dem Zweiten Weltkrieg
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