14. Mai 2013, 7:45 Uhr
Schauplatz Nordwest
Er liegt beschaulich und einsam hinter dem Weserdeich nördlich von Bremerhaven. Der alte, denkmalgeschützte "Ochsenturm" in Imsum lockt jedes Jahr zahlreiche Besucher an. Und die stellen schon beim Gang zum Bauwerk fest, dass sie sich an einem ganz besonderen Denkmal mit einer langen Geschichte befinden. Seinen Namen verdankt er einer kuriosen Geschichte.
Wer die Pforte zum Kirchhof unter den Bäumen öffnet, dem begegnet erholsame Ruhe. Der Blick des Besuchers wandert über Gräber hin zum Turm. Manch einer, der den Ochsenturm aus der Ferne gesehen hat und nun näher kommt, ist überrascht, auf einem Friedhof zu stehen. Die Grabsteine oder auch Grabplatten stammen zum Teil aus dem 16. Jahrhundert. Sie zeugen nicht nur von wohlhabenden Marschbauern, die hier begraben wurden, sondern vor allem von einer langen Vergangenheit des Ochsenturms.
1218 wurde er als Turm einer Kirche gebaut, wie Besucher erfahren. Die Bewohner der drei Dörfer Imsum – früher Dingen, Weddewarden und Lepstedt – konnten sich nicht über den Standort einigen, nachdem sie einstimmig beschlossen hatten, gemeinsam eine Kirche zu bauen, erzählt ein Reiseleiter. Ein Wurster soll auf die sonderbare Idee gekommen sein, Ochsen die Entscheidung zu überlassen. Er schlug vor, zwei gleichstarke Tiere zusammenzubinden und sie zwischen den Orten laufen zu lassen. Dort, wo die beiden Tiere sich zuerst niederlegen, sollte die Kirche errichtet werden.
So beschreibt es die Sage, die auch Imsums Ortsheimatpfleger Dirk Berger gerne erzählt. "Das stimmt natürlich – was anderes darf ich als Ortsheimatpfleger auch nicht sagen", schmunzelt er. Wahr oder nicht – fest steht, dass Lepstedt, das außerhalb des heutigen Weserdeichs lag, bei der legendären Weihnachtsflut 1717 im Meer versank. Die Kirche aber blieb, bis 1875 der Blitz einschlug, sagt der Imsumer Kirchenvorsteher Hans-Herbert Hämmerling.
Danach habe man dann in Weddewarden eine Kirche gebaut und die alte entwidmet, so Hämmerling. 1895 wurde das Kirchschiff abgerissen, das Taufbecken und die Glocken – allesamt noch aus dem Mittelalter – wurden nach Weddewarden ins neue Gotteshaus gebracht. Der Glockenturm blieb jedoch stehen. Aus gutem Grund, denn der Ochsenturm ist auch auf den Seekarten eingezeichnet.
"Wenn man von See kommt, dann gehörte der Ochsenturm zu den fest eingetragenen Landmarken bei der Ansteuerung von Bremerhaven", sagt ein kundiger Besucher.
Diesen Zweck erfüllt der Ochsenturm heute nicht mehr, Stattdessen ist er nun Ausflugsziel und der Gang auf die Plattform ein Muss für die Besucher. Hier runter zu gucken, sei herrlich, sagen Besucher. Denn wer sich die Holztreppe im Innern des Ochsenturmes hinauftraut, wird mit einem wunderbaren Blick belohnt. Bei guter Sicht kann man kilometerweit entfernte Schiffe erkennen und ins Watt hinaus schauen. Viele, die hier auf dem Imsumer Ochsenturm waren, fühlen sich immer wieder zu ihm hingezogen, auch über den Tod hinaus. "Es kommen viele Leute, auch von außerhalb, die wollen sich hier bestatten lassen", sagt Kirchenvorstand Hämmerling.
Der Imsumer Ochsenturm, [3:39]
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