5. März 2013, 7:20 Uhr
Schauplatz Nordwest
Unter einem Baum mit einer Glocke darin unterschrieb am 9. September 1757 der französische Herzog von Richelieu einen Vertrag, der ihn und seine Truppen kurzfristig zu Siegern im Siebenjährigen Krieg erklärte. Doch das Blatt wendete sich und die "Zevener Pingel-Eiche" wurde zum Ort der Entscheidung dafür, dass heute in Amerika englisch gesprochen wird.
Unter einem Baum soll die Konvention von Kloster Zeven unterschrieben worden sein
Im Jahr 1757 tobte in Mitteleuropa, Portugal, Nordamerika, Indien, der Karibik sowie auf den Weltmeeren der Siebenjährige Krieg. Preußen, Habsburg und Russland schlugen sich um die Macht in Mitteleuropa. Frankreich und Großbritannien dachten weiter: Sie wollten die Herrschaft in Nordamerika und Indien.
Die große Schlacht, die Zeven letztlich in die Geschichtsbücher brachte, begann in Hastenbeck bei Minden. 100.000 Männer standen sich dort gegenüber. Franzosen auf der einen Seite, auf der anderen waren es die Truppen des Herzogs von Cumberland, Sohn des englischen Königs Georg II. Die Schlacht nahm ein jähes Ende: Sowohl die Franzosen, als auch die hannoversch-englischen Truppen gaben sich nahezu gleichzeitig geschlagen und zogen sich zurück.
Ein Irrtum, den die Franzosen als Erste bemerkten. Die Franzosen trieben ihren Gegner über die Weser in Richtung Stade vor sich her. "Und dann haben die Waffenstillstands-Verhandlungen stattgefunden, als zufällig die hannoverschen Truppen bei Bremervörde lagerten und die Franzosen bei Zeven", erzählt Kulturamtsleiterin Luise del Testa. Sie steht an einem mageren, jungen Eichenbaum, in der Schulstraße in Zeven.
Er heißt Pingel-Baum, weil früher eine Klingel in dem Baum, einer alten Gerichtslinde, hing, sagt del Testa. "Die gibt es aber nicht mehr, die ist durch Blitzschlag zerstört worden, und das ist sozusagen der Ersatzbaum", so die Kulturamtsleiterin aus Zeven. Kaum ein Mensch, der hier seinen Weg in die Fußgängerzone findet, nimmt Notiz von diesem Ort, der die große Geschichte Zevens widerspiegeln soll.
Im September 1757 soll sich der Herzog von Richelieu unter diesen Baum gesetzt haben und die Konvention von Kloster Zeven unterzeichnet haben. Folgenschwer, wie sich später herausstellen sollte. Denn eigentlich stand der Franzose Richelieu bis dahin auf der Siegerseite. Die englisch-hannoverschen Truppen mussten sich bis hinter die Elbe zurückziehen.
Doch dem eitlen Franzosen Richelieu war die Konvention von Kloster Zeven nicht genug. Er wollte die endgültige Entwaffnung der feindlichen Armee, die Kapitulation. Und so überspannte er den Bogen. Cumberland wurde abberufen und sein Nachfolger, Ferdinand von Braunschweig, konnte die Truppen neu sortieren, so Luisa del Testa. Von Braunschweig habe dann einfach mehr Kriegsglück oder mehr Kriegsverstand gehabt und so die Franzosen besiegt, erzählt die Zevenerin.
Das französische Ziel, das Kurfürstentum Hannover zu schlagen und auszubeuten, war damit fehlgeschlagen. Richelieus Militär war sogar so geschwächt, dass in der übergeordneten Auseinandersetzung mit England kein Blumentopf mehr zu gewinnen war. Die Herrschaft über Nordamerika und Indien ging damit an England. "Der englische Premier hat dann 1761 gesagt, 'America has been conquered in Germany'", erzählt del Testa. "Amerika wurde in Deutschland erobert", das heißt der Vertrag von Kloster Zeven wurde zwar nie ratifiziert, und dennoch hat er die Welt nachhaltig geprägt. Amerika spricht englisch – durch die Schlappe der Franzosen am Zevener Pingel-Baum.
Unterm Zevener Pingelbaum, [3:37]
Konvention von Kloster Zeven und der Siebenjährige Krieg
Zur Hauptseite von Schauplatz Nordwest:
Schauplatz Nordwest
Geschichte und Geschichten aus der Region
Alle Schauplätze im Nordwesten auf der Karte:
Schauplatz Nordwest
Der Nordwesten ist voller Geschichte und Geschichten. Wir erklären, was hier geschah, was in Namen erhalten ist und woran sich viele "irgendwie" erinnern – wenn auch am Ende doch nicht mehr ganz genau... Ob ein außergewöhnliches Ereignis, ein Jahrestag oder eine lokale Besonderheit: Wir schauen in die Region und berichten darüber. Zu hören sind die Reportagen im Nordwestradio Journal. Mehr...
Zwischen Mythos und Moderne
Das 1990 gegründete Ensemble möchte altbekannte Hörgewohnheiten verändern und sie auch konservativerem Publikum nahe bringen. Dabei hilft die Verflechtung mit anderen Künsten wie Tanz, Schauspiel, Film oder Malkunst. Wir präsentieren einen Mitschnitt vom Januar in der St. Ansgari-Kirche in Oldenburg. Mehr...
5. Juni, 20:05 Uhr | Nordwestradio
Lesebuch: Anna Seghers
In den aktuellen Folgen des Lesebuchs hören Sie den Roman "Aufstand der Fischer von Sankt Barbara" von Anna Seghers. Mehr...
radiobremen.de nun auch mobil
Seit Februar 2013 ist der Radio-Bremen-Web-Auftritt unter der Adresse "m.radiobremen.de" auch mobil abrufbar. Das gilt natürlich auch für die Homepage des Nordwestradio. Mehr...
Info & Service
Plattdeutsches bei Radio Bremen
Mögen Sie Plattdeutsch? Oder wollen Sie es lernen? In unserem Plattdeutsch-Spezial bieten wir Ihnen einen Anfängerkurs mit den wichtigsten Regeln und vielen Übungen. Mehr...
Neues Digitalradio-Angebot
Radio Bremen hat ein neues Digitalradio-Angebot gestartet. Damit können Sie das Nordwestradio in rauschfreier Qualität empfangen. Mehr...
Jetzt auf radiobremen.de
Werder Bremen: Neuer Trainer Dutt wird heute vorgestellt
Bessere Arbeitsbedingungen: ENO-Mitarbeiter treffen sich zu Betriebsversammlung
Streit um Beratungsstelle: SPD-Fraktionschef will Rat und Tat-Zentrum erhalten
Böhrnsens Türkei-Reise: "Wichtig, sich mal sehen zu lassen"