15. Januar 2013, 8:50 Uhr
Schauplatz Nordwest
In der Gemarkung Debstedt wird eines der interessantesten Bodendenkmäler der ganzen Region vermutet. Auf der heute trocken gelegten Wiese soll um 850 nach Christus von den Wikingern eine Wachtburg, ein Turm, mit dem die Gegend überwacht werden konnte, gebaut worden sein. Zu sehen ist davon heute leider nur noch wenig. Man kann ein derartiges Gebäude an der Stelle nur vermuten.
Hier soll sie gestanden haben: Die Rosenburg, vom alten Burggraben umgeben
Ein Mann, der von der Existenz dieser Burg überzeugt ist, ist der Heimatforscher Artur Burmeister. Seit vielen Jahrzehnten hockt er in Archiven und recherchiert die Geschichte seiner Heimat. Dabei ist er auf einige Indizien gestoßen, die für die Existenz der Rosenburg in Debstedt sprechen. Er vermutet die Wachtburg auf einer Wiese. Diese ist heute mit Wasser durchzogen und kleine Erdhügel erschweren das Gehen. Der Ort steht unter Denkmalschutz und ist naturbelassen.
In der Mitte der mit Gras und Bäumen bewachsenen Hügellandschaft befindet sich eine quadratische Fläche von knapp acht mal acht Metern, auf der der Turm vermutet wird. "Hier vorne sehen Sie schon die ersten Wälle", erläutert Burmeister. "Die musste man überwinden, und nach den Wällen kommt dann ein Wassergraben". Die Burganlage diente ausschließlich als Wach- und Grenzturm. Artur Burmeister vermutet, dass sie Ende des achten Jahrhunderts gebaut wurde.
Damals wurde die Region rund um die Nordsee immer wieder von Wikingern heimgesucht. Anfangs konnte Karl der Große sich gegen die Eindringlinge aus Skandinavien wehren. Doch die Wikinger eroberten nach und nach den Küstenraum. Mit Turmhügelburgen wie der Rosenburg versuchten sie, ihr Territorium zu sichern. Artur Burmeister erzählt, dass es alte Schriften gibt, in denen stehe, dass Karl der Große bei seinem Einmarsch 797 eine befestigte Anlage zu überwinden hatte. "Und das könnte durchaus diese Rosenburg gewesen sein", so Burmeister.
An dem Wachtturm kam man nur nach intensiver Kontrolle vorbei, da diese Burg an eine strategisch äußerst günstig gelegene Stelle in der Landschaft gebaut wurde, erklärt Artur Burmeister. Wurden Feinde gesichtet oder versuchten nicht zahlende Reisende den Wachturm zu passieren, wurden die Schotten sprichwörtlich dicht gemacht. Dazu bedienten sich die Wachtposten eines einfachen Tricks: Anscheinend nutzen sie Wasser aus dem benachbarten Reservoir Hymensee, um all die Wiesen rund um die Burg zu fluten. Damit war der Weg zur Küste unpassierbar.
Bis etwa 1050 wurde die Rosenburg, so Burmeister, von den Wikingern genutzt. Danach übernahm ein altes Adelsgeschlecht die Herrschaft über die Anlage, glaubt der Heimatkundler. Das bestätigt auch ein Archivfund. Sicher ist jedenfalls, dass an dieser Stelle vor vielen Hunderten von Jahren ein Gebäude gebaut wurde, das eine ungewöhnliche Form hatte. Es war viereckig und nicht rund, wie es für Burgen üblich war. Möglicherweise war ein römisches Kastell Vorbild für diesen Bau. Artur Burmeister vermutet jedoch, dass die Rosenburg auf einen monumentalen quadratischen Grabhügel der Kelten gebaut wurde.
Die Geschichten um diesen alten Wachtposten sind sagenumwogen und voller Geheimnisse. Und genau das macht die Rosenburg so interessant, schwärmt ihr größter "Liebhaber" Artur Burmeister.
Die Rosenburg der Wikinger bei Debstedt, [3:20]
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