1. September 2012, 11:00 Uhr
Sommergäste
Seine Wirkung lässt sich schwer beschreiben: Wenn Burghart Klaußner einer Figur Leben verleiht, geschieht das völlig unaufdringlich. Als Pastor im Michael Hanekes Drama "Das weiße Band" erzieht er seine Kinder mit einer Mischung aus Frömmigkeit und kühlem Psychoterror, so dass es einen frösteln lässt, ohne zu wissen, ob ihn Boshaftigkeit oder innere Überzeugung antreiben. Ein echter Klaußner – preisgekrönt natürlich! Am 1. September war er unser Sommergast im Nordwestradio.
Burghart Klaußner bewundert eine Ansichtskarte der Gastwirtschaft seiner Eltern.
Der 62-Jährige gebürtige Berliner gehört seit bald 30 Jahren zu den gefragten deutschen Charakterdarstellern. Er brillierte an den Schauspielhäusern in Bochum, Zürich, Hamburg und auch in Bremen.
In Film und Fernsehen fasste der selbst erklärte Spätzünder aber erst später Fuß – auch weil der zweifache Vater wählerisch ist in der Wahl seiner Rollen. "Ich will einfach keinen Mist machen", begründet Klaußner seine Zurückhaltung.
Für Radio Bremen spielte er bereits 1984 in dem Mehrteiler "Das Rätsel der Sandbank". Ein noch größeres Publikum erreichte er als trotteliger Vorgesetzter in der Krimi-Kultserie "Adelheid und ihre Mörder" an der Seite von Evelyn Hamann – eine seiner eher seltenen komischen Rollen.
Der Schauspieler mit dem oft melancholisch verhangenen Blick wird meist als etablierter, gut situierter Bürger besetzt. Da fällt es nicht eben leicht, sich jenen Burghart Klaußner vorzustellen, der als junger Schauspieler wegen seines aufbrausenden Temperaments und seiner linken Gesinnung in den 70er Jahren als Quertreiber verrufen war. Einer, der aus der DDR geschmuggelte Texte von Theaterlegende Heiner Müller kurzerhand als konterrevolutionär geißelte und den der große Regisseur George Tabori als "Mr. Always-No" bezeichnete.
Es ist ein wenig Ironie seiner Karriere, dass der 62-Jährige, der so gegen die Autorität der Vätergeneration rebelliert hat, ausgerechnet mit Väterrollen besonders erfolgreich war. In Hans Weingartners Wohlstandskomödie "Die fetten Jahre sind vorbei" spielt er als Alt-68er und mittlerweile gesetzter Geschäftsmann mit den Neu-Revoluzzern Daniel Brühl und Julia Jentsch Katz und Maus.
An seinem eigenen Vater, der den Sohn mit wilhelminischer Strenge erzog, hat sich Klaußner auch abgearbeitet. Nicht so sehr allerdings mit der Wahl seines künstlerischen Berufs. "Er wollte nämlich am liebsten Jurist oder Schauspieler werden", erinnert sich Klaußner an die Träume des Gastwirts, die erst dessen Söhne wahr gemacht haben. Burghart Klaußners Halbruder ist nämlich Rechtsanwalt geworden.
Video: Sommergast Burghart Klaußner
Einstellungen, Infos und Kommentare
Und auch in anderer Hinsicht ist der Schauspieler der Familientradition verbunden geblieben: Über Generationen betrieben die Klaußners die Gaststätte "Zum Klaußner", die in den 50er Jahren in Berlin ein Treffpunkt der besseren Gesellschaft war und in der Romy Schneider, Willy Brandt oder Theodor Heuß ein- und ausgingen.
Zwar hat Klaußner die Aussicht auf eine Gastwirtschaft nicht gelockt – aber sein Musikprogramm mit dem der vielseitige Schauspieler vor drei Jahren auf Tournee ging hat er nach der Familiengaststätte benannt: "Zum Klaußner. Die musikalische Reisegaststätte der bedenkenlosen Art".
Ein Bildergalerie mit Burghart Klaußner im Weserhaus:
Ein Vorbericht zum Anhören:
Sommergast 2012 Burghart Klaußner, [3:59]
Das ganze Gespräch zum Anhören:
Sommergast Burghart Klaußner, [48:01]
Ein Nachbericht zum Anhören:
Sommergast 2012 Burghart Klaußner, [3:35]
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Veranstaltungszeit/Sendezeit
Veranstaltungszeit:
Sa., 11 – 13 Uhr
Sendezeit:
11:05 – 12 Uhr
Wiederholung:
Di., 15:05 – 16 Uhr
Info: Horst-Janssen-Museum
![Das Horst-Janssen-Museum in Oldenburg [Quelle: Radio Bremen] Das Horst-Janssen-Museum in Oldenburg [Quelle: Radio Bremen]](/kultur/nachrichten/janssenmuseumoldenburg100_v-mediateaser.jpg)
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