29. September 2012, 11:00 Uhr
Sommergäste
Spätestens seit der Ost-West-Komödie "Good bye, Lenin!", prämiert bei der Berlinale, ist Katrin Sass deutschlandweit berühmt. Darin spielte sie hinreißend eine Mutter, die den Mauerfall verschläft. Einen Film lang liegt sie im Bett, und Kinder und Freunde gaukeln ihr mit "falschen" Spreewaldgurken eine glückliche DDR vor, die in Wahrheit längst zerfällt - eine Komödie, in der Katrin Sass aber auch vom Tragischen und vom Verlust erzählt. Diese Ambivalenz, das Brüchige von Lebensläufen, ist das Terrain der empfindsamen und zugleich bodenständig-humorigen Künstlerin.
Von der Telefonistin zum Defa-Star
Schon als Mädchen zuhause in Schwerin träumt Katrin Sass vom Theater und bewundert ihre Mutter, die Mundart-Schauspielerin, die bis in die Nächte Premieren feiert, während der Vater kocht und die Familie mit den drei Kindern zusammenhält. Katrin muss nach der 10. Klasse erstmal "Facharbeiter für Fernsprechverkehr" lernen, also Telefonistin, und hat nichts anderes im Sinn, als ganz schnell aus der Fernmelde-Uniform herauszukommen. Das gelingt ihr: An der Schauspielschule Rostock entdeckt man schnell ihr Talent. 1979 glänzt sie als Verkäuferin Anja im Film "Bis dass der Tod euch scheidet", und das ist der Anfang ihrer Erfolgsgeschichte bei Film, Fernsehen und Theater der DDR.
Video: Sommergast Katrin Sass
Einstellungen, Infos und Kommentare
Berlinale-Bär für die DDR-Schauspielerin
Sie steht in Frankfurt/Oder auf der Bühne, bis Intendant Peter Sodann sie nach Halle abwirbt, für die Rolle der Katrin in Brechts "Mutter Courage". 1982 darf sie sogar in den Westen, zur Berlinale, um dort den silbernen Bären für ihre Rolle als alleinerziehende Arbeiterin Nina im Defa-Film "Bürgschaft für ein Jahr" entgegenzunehmen. Sie tritt Ende der 1980er Jahre am Theater Leipzig auf, während draußen bei der Nikolaikirche die Montagsdemonstranten das Ende der DDR vorbereiten – ohne Katrin Sass, die, wie sie später sagt, leider nicht den Mut fand, sich einzureihen.
Gesamtdeutsches Comeback
Nach der Wende gibt sie fünf Jahre lang die Polizeiruf 110-Kommissarin Tanja Voigt, sensibel bis schroff, lakonisch bis lässig. Es folgt eine Zeit persönlicher Krisen, ausgelöst durch eine über Jahre gewachsene Alkoholabhängigkeit, die sie nach dem Sieg über die Sucht schonungslos offenlegt. Das Comeback gelingt, erst 2001 mit dem Kinofilm "Heidi M", der ihr den Deutschen Filmpreis als beste Hauptdarstellerin beschert - und dann mit dem spektakulären Erfolg "Good bye Lenin".
Eine Bildergalerie:
Erfolge mit TV-Serie "Weißensee"
Seitdem ist sie regelmäßig auf Leinwand und Bildschirm vertreten. 2010 spielt sie im Kinofilm "Das letzte Schweigen" eine Mutter, die den ungeklärten Mord an ihrer Tochter nicht verwinden kann, also wieder die Katrin Sass-Spezialität: komplizierte, gebrochene Frauenfiguren. Zuletzt feierte sie Erfolge mit "Weißensee", einer hoch gelobten TV-Serie über die DDR, deren nächste Staffeln 2013 anlaufen.
Gesamtdeutscher Filmstar
Katrin Sass kam aus der DDR, wo sie jeder kannte, ins geeinte Deutschland, und fast unmerklich ist die heute 55-Jährige mit dem Talent fürs sparsame Rollenspiel und der eindrücklichen Stimme zum gesamtdeutschen Filmstar geworden. Ein bisschen Distanz hat sie sich bewahrt, vor allem gegenüber Glamour und Starkult. Sie liebt die Arbeit am Set, aber dann zieht es sie an ihren stillen See nicht weit von ihrer Wohnung am Stadtrand von Berlin.
Ein Vorbericht zum Anhören:
"Sommergäste" mit Katrin Sass, [3:48]
Das ganze Gespräch zum Anhören:
Sommergäste 2012: Katrin Sass, [49:22]
Ein Nachbericht zum Anhören:
Sommergast Katrin Sass, [3:51]
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Veranstaltungszeit/Sendezeit
Veranstaltungszeit:
Sa., 11 – 13 Uhr
Sendezeit:
11:05 – 12 Uhr
Wiederholung:
Di., 15:05 – 16 Uhr
Info: Horst-Janssen-Museum
![Das Horst-Janssen-Museum in Oldenburg [Quelle: Radio Bremen] Das Horst-Janssen-Museum in Oldenburg [Quelle: Radio Bremen]](/kultur/nachrichten/janssenmuseumoldenburg100_v-mediateaser.jpg)
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