Armut in Familien – ein Modellvergleich
Wie arm sind Bremens Familien? Und wer verdient in den Familien das Geld? Radio Bremen hat die gängigsten Familienmodelle verglichen und dabei besonders die finanzielle Lage der Frau in den Vordergrund gerückt. Hintergrund ist eine Studie der Arbeitnehmerkammer, die untersucht, wie sich die Armut in Bremen entwickelt hat und parallel dazu, wer in der Familie das Geld verdient.
Video: Papa als Alleinverdiener – ein Armutsrisiko?
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Es ist keineswegs ausgestorben – das klassische Ernährermodell. Der Mann arbeitet, während die Frau mit den Kindern zu Hause bleibt. Nun mag es sein, dass Kinder im althergebrachten Familienverbund behüteter aufwachsen, für die Frauen jedoch bedeutet es: Armutsgefahr. Kommt es zur Scheidung, ist sie es, die keinen Rentenanspruch erwerben konnte und nicht ins Berufsleben integriert ist. Doch auch ohne Scheidung ist in solchen Familien das Geld sehr knapp. Kein Wunder also, dass es in Bremen immer selterner wird. Nur in zwei von zehn Familien finden sich Hausfrauen im traditionellen Sinne. Höchstens in den ersten Jahren nach der Geburt eines Kindes bleiben Frauen zu Hause, danach gehen sie meist einem Teilzeit- oder Minijob nach. In der Soziologie spricht man dann vom Zuverdienermodell.
Wenn Frauen jedoch gar nicht arbeiten möchten, sollen sie in Zukunft Betreuungsgeld beantragen können. Mit zusätzlich 100 Euro im Monat möchte die Bundesregierung so die klassische Hausfrau unterstützen. "Das Betreuungsgeld schubst die Frauen ins Armutsrisiko zurück", befürchtet Elke Heyduck. Sie ist Geschäftsführerin der Arbeitnehmerkammer Bremen. Ihr Institut hat vor Kurzem eine Studie veröffentlicht, die untersucht, wie sich Armut in Bremen entwickelt hat und parallel dazu, wer in der Familie das Geld verdient. In Familien, in denen der Mann eine Vollzeitbeschäftigung hat, gehen Frauen mehr und mehr zusätzlich jobben. Sie tun dies schlichtweg, um nicht in die Armut abzugleiten. Da jedoch Teilzeit- und Minijobs nicht existenzsichernd sind, bleibt auch nach dem Zuverdienermodell die Frau im Falle einer Scheidung auf sich allein gestellt. Während der Mann in den Ehejahren durch seine Vollzeitbeschäftigung einen auskömmlichen Rentenanspruch erwerben konnte, reicht es bei der dann meist alleinerziehenden Frau oft nicht mal für das Nötigste.
Heyduck möchte daher Frauen dazu motivieren, mit ihrem Partner eine ganz andere Arbeitsteilung auszuhandeln. "Frauen müssen mehr Arbeitsverhältnisse haben, die existenzsichernd sind." Die Realität auf dem Arbeitsmarkt macht es jedoch oft sehr schwierig für Mütter, selbst einer Vollzeitbeschäftigung nachzugehen. Vollzeitjobs werden immer rarer, noch immer sehen sich Mütter auf dem Arbeitsmarkt benachteiligt und Kita-Plätze fehlen sowieso. Kein Wunder also, dass die Zahl der Familien mit Doppelversorgermodell rückläufig ist. In Bremen sind halb so viele Frauen wie Männer vollzeitbeschäftigt. Um daran etwas zu ändern, wäre die Politik gefragt. Ganztagsschulen und eine die Abschaffung von Minijobs – das hält Heyduck für eine gute Idee.
Dossier: Armenhaus Bremen
![Ein heruntergekommener Plattenbau in Bremen [Quelle: Radio Bremen] Ein heruntergekommener Plattenbau in Bremen [Quelle: Radio Bremen]](/politik/dossiers/armut/tenever100_v-mediateaser.jpg)
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