Interview mit Guido Gulbins
Die Bundesförderung für die Schulsozialarbeiter an Bremens Schulen läuft Ende des Jahres aus. Die Schulen wollen die Mitarbeiter unbedingt behalten. Von der Bundesregierung sind wohl vor der Bundestagswahl kaum Zusagen zu erwarten. Guido Gulbins koordiniert für die Bildungssenatorin die 50 Sozialarbeiter der Stadt Bremen. Er hält die Sozialarbeit für erfolgreich.
Radio Bremen: Wie ist die Schulsozialarbeit in Bremen aufgestellt?
Guido Gulbins: Es ist ein Modell, das nur befristet finanziert wird. Das läuft über zwei Jahre und dann muss man hoffen, dass es weiterläuft. Alle Schul-Sozialarbeiter haben eine befristete Stelle inne. Die Sozialarbeiter sind bei freien Trägern angestellt. Ich bin das Bindeglied und dafür zuständig, das Ganze zu vernetzen. Außerdem vermittle ich den Sozialarbeitern das nötige Know-How, um gut aufgestellt zu sein.
Radio Bremen: An welchen Stellen ist denn der Bedarf besonders hoch?
Guido Gulbins: Da hat man Sozialindikatoren als Grundlage genommen und geschaut, an welchen Schulen und in welchen Stadtteilen der höchste Bedarf an Sozialarbeit ist und eben entsprechend auch an Schulsozialarbeit. Dann hat man dort 50 Schulen mit Sozialarbeitern ausgestattet. Wohlwissend, dass gerade an diesen Schulen der Anteil an bildungsfernen und benachteiligten Familien größer ist als woanders. Gegenden mit vermehrter Jugendarbeitslosigkeit oder einem hohen Integrationsanteil. Das kann man natürlich nicht pauschalisieren, aber es ist schon auffällig, dass zu den 50 Schulen nicht etwa das altehrwürdige Gymnasium in Bremen Mitte gehört.
Radio Bremen: Was ist die zentrale Aufgabe der Schul-Sozialarbeit?
Guido Gulbins: Individuelle Hilfe, Betreuung und Erziehung nach individuellen Problemlagen anbieten. Die Sozialarbeiter arbeiten im Gegensatz zu den Sozialpädagogen nicht in Klassenverbänden, sondern mit einzelnen Schülern. Sie beraten und suchen Lösungswege. Und auch außerhalb der Schule bauen sie Netzwerke auf, suchen nach Kooperationen und Partnern. Mit einem passgenauen Hilfeplan werden die Schüler möglichst langfristig begleitet, damit sie sich in der Schule wohler fühlen.
Radio Bremen: Mit Erfolg?
Guido Gulbins: Mit sehr großem Erfolg. Ich evaluiere das Ganze. Ich messe die Zahlen und zähle die Fälle. Das ist ein Modell, das in kurzer Zeit sehr erfolgreich geworden ist. Das muss einfach weitergehen. Es ist Erfolgsmodell. Das steht außer Frage.
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