Treffen zum Ferienende
Vor den Sommerferien ging es an den Bremer Schulen hoch her. Die Bildungssenatorin Renate Jürgens-Pieper (SPD) hatte angekündigt, dass sie nicht alle Lehrer einstellen kann, die die Schulen brauchen. Dann hat der rotgrüne Senat zwar noch mal Geld nachgeschossen. Aber nicht genug, wie Eltern und Lehrer lautstark beklagten. Immerhin versprach die Senatorin noch Lehrer einzustellen. In der letzten Ferienwoche hat sie sich deshalb mit allen Bremer Schulleitern getroffen – wohl auch um die Gemüter zu beruhigen.
Video: Fernsehbericht: Schulleitertreffen vor dem Schulstart
Einstellungen, Infos und Kommentare
Normalerweise haben Schulleiter ihre Stundenpläne schon vor den Sommerferien fertig. Doch dann kam das große Haushaltsloch im Bildungsetat: Fünf Millionen Euro fehlten der Senatorin in ihrem Topf. Die rotgrüne Regierung hatte nach langem Ringen ein Einsehen und stellte einen Kredit. Der muss zwar bis Ende nächsten Jahres zurückgezahlt werden. Aber zumindest für den Beginn dieses Schuljahres konnte die Senatorin nun Entwarnung geben. Der größte Teil der geforderten 110 Stellen sei inzwischen besetzt. Insgesamt fehlen nun an allen allgemeinbildenden Schulen nur noch zehn Lehrkräfte. Dadurch werden zwar Wahlmöglichkeiten eingeschränkt, räumt die Senatorin ein, aber für die Unterrichtsversorgung reiche es in jedem Fall.
Doch während die Senatorin sich zufrieden gibt, hält der Unmut in den Schulen an. Denn sie hatten mehr als die 110 Stellen gefordert. Nun müssen sie streichen, wo sie nur können. Die Anzahl der Unterrichtsstunden in den Kernfächern Mathe, Deutsch und Naturwissenschaften sind von der Behörde festgelegt. Also können die Schulen nur bei den so genannten weichen Fächern wie zum Beispiel Musik, Kunst oder Sport kürzen.
Am beruflichen Schulzentrum Neustadt verbrachte Stephan Feuerböther Stunden vor dem Computer. Er schob die genehmigten Lehrerstunden hin und her, bis es einigermaßen passte. Fazit: Kunst und Musik fällt dieses Schuljahr für die 11. Klasse aus, die Computer-Kurse legte er kurzerhand zusammen. Auch wenn das nicht wirklich Sinn macht, sagt er, denn nun müssen sich zwei Schüler an einem Rechner teilen. Jetzt hofft er, dass niemand erkrankt. Denn die Schule hat keine Vertretungskapazitäten und müsste die Lerngruppen dann aufteilen oder einfach die Stunden ausfallen lassen.
Schulleiter und Lehrer ahnen aber, dass der Sparkurs weitergehen wird. Mit viel Mühe haben sie in den vergangenen Jahren Nebenfächer zu Schwerpunkten ausgebaut. Die Politik hatte das unter anderen gefordert, um Kinder und Jugendliche auch in musischen und technischen Fächern stärker zu fördern. Das machte vor allem Schulen in sozialen Brennpunkten attraktiver. Musik- und Sportprofile entstanden, und sogar ein Gymnasium mit dem Schwerpunkt "Luft und Raumfahrt". Der Sprecher der Schulleiter der Gymnasien, Peter Haase, befürchtet, dass solche Angebote schon bald nicht mehr zu halten sind.
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