Fünf Jahre nach Kevins Tod
Bremer Reporter berichten, wie sie vor fünf Jahren vor dem Wohnblock in Gröpelingen ankamen. Nach und nach wurde ihnen klar, welche politische Dimension der Fall bekommen würde.
Als die Polizei mit Kevins Tod an die Öffentlichkeit ging, hatten die meisten Journalisten noch nie zuvor vom Wohnblock in der Kulmerstraße gehört. Ihr Weg dorthin in den Stadtteil Gröpelingen führte sie zunächst an einer gepflegten Siedlung vorbei. Keiner konnte sich vorstellen, dass hier in der Nähe ein toter Junge im Kühlschrank gefunden wurde. Dann endete die Straße an einem Wendeplatz mit Wohnblöcken. Aus den Häusern schauten Menschen. Das Unglück war spürbar. Die Situation beklemmend. Die Bewohner wiesen wortlos nach oben: Schräg über dem Schild mit der Nummer 97 lebte Kevin mit seiner Familie. Hier wollte ihn sein Amtsvormund am 10. Oktober 2006 rausholen.
Wolfgang Wodtke war mit einem Fernseh-Team erschienen. Sein erster Eindruck war: "So viel Elend, so viel Grau habe ich noch nie gesehen.“ Und sein Hörfunk-Kollege René Möller ergänzt: "Alles war grau: die Augen, das Haus, die Gesichter, die Wände, die Luft…“ Hier war Bremen ganz unten. Wodtke sagt: "Das roch nach Sozialamt." Hier wohnten Menschen, die mit allem abgeschlossen hatten.
Die Reporter kamen mit vielen Nachbarn des Wohnblocks ins Gespräch. Die meisten kannten sich kaum und verloren kein gutes Wort übereinander. Anderseits genossen sie die Aufmerksamkeit der Medienvertreter. "Die waren im Grunde genommen erleichtert, dass ihnen mal jemand zuhörte", sagt René Möller. Teilnahmslos klagten sie über ihr Leid. Die meisten wussten gar nicht, dass Kevin in ihrem Haus lebte. Es war elf Uhr morgens, in der Luft stand eine Alkoholfahne und nebenbei lief immer ein Fernseher.
In den Monaten danach arbeiteten viele Kollegen bei Radio Bremen an dem Fall. Immer wieder kamen sie zu dem selben Ergebnis, dass Kevins Tod hätte vermieden werden können. Wodtke sagt: "Wenn nur einer etwas unternommen hätte, oder wenn die verschiedenen Stellen sich mal ausgetauscht hätten, würde er heute noch leben." Denn Kevin war nicht allein, meint auch die Journalistin Rose Gerdts-Schiffler. Viele hätten vom Leid des Jungen gewusst. So meldete beispielsweise eine Hebamme dem Jugendamt die Verletzungen, die sie bei Kevin entdeckt hatte. Sie weigerte sich, das Kind an den Ziehvater herauszugeben. Das Amt ging dem nicht nach und schickte Kevin immer wieder zurück zu den drogensüchtigen Eltern.
Es war unfassbar, wie viele Menschen von dem Fall wussten und wie viele Ärzte, Therapeuten, Hebammen, Polizisten, Heimleiter und Nachbarn das Jugendamt auf die Missstände hinwiesen, aber nichts passierte. Es war schockierend, dass sich keiner für Kevins Wohl verantwortlich fühlte. Die Gerichtsmediziner entdeckten bei Kevin über 30 Knochenbrüche. Das ganze Ausmaß der Qualen, die Kevin erleiden musste, steht im Obduktionsbericht. "Jeder wusste Bescheid und keiner hat etwas gemacht," ärgert sich auch Reporter Holger Bloethe. Das Kind schien lediglich ein therapeutisches Hilfsmittel für die Eltern zu sein.
Immer noch streiten die Kollegen in den Redaktionen darüber, ob Drogensucht und Elternschaft zusammen funktionieren. René Möller hat sich seit dem Fall Kevin festgelegt: Nein, das habe nichts miteinander zu tun. Das Argument, ein Kind zu haben, weil dies förderlich sei für die drogenabhängigen Eltern, bezeichnet Möller als zynisch.
Das kurze Leben von Kevin K.
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