Haaranalysen in Bremerhaven
Nicht nur in Bremen sondern auch in Bremerhaven sind bei Kindern von Drogenabhängigen auffällig häufig Drogenspuren im Haar nachgewiesen worden. Jetzt wollte der Jugendhilfeausschuss es genauer wissen und hat sich die Analyse-Methoden von Professor Fritz Prags erläutern lassen.
Der Toxikologe Fritz Pragst von der Berliner Charité war extra nach Bremerhaven gekommen, um dem Ausschuss zu erklären, was die Haaranalyse leisten kann und wie die Werte interpretiert werden können. Dazu stellte er jeden einzelnen der untersuchten Fälle in Bremerhaven vor. Mit diesem Wissen seien die Sozialarbeiter besser auf die Gespräche mit den betroffenen Familien vorbereitet.
Professor Pragst ist überzeugt, dass ein positiver Befund ein eindeutiger Beweis dafür ist, dass in dieser Familie Drogen konsumiert werden. Er berichtet: "Wir haben in den Kinderhaaren deutlich das wiedergefunden, was später die Elternhaare auch gezeigt haben. Das heißt, wir haben einen Indikator dafür, was in diesen Haushalten los ist. Und einen Hinweis darauf, dass hier eine Gefährdung der Kinder vorliegt." Die Haaranalyse sei ein wertvolles Mittel, um den Drogenmissbrauch in den Familien zu charakterisieren.
Bremerhavens Sozialstadtrat Klaus Rosche (SPD) will Haaranalysen bei Kindern drogenabhängiger Eltern zur Pflicht machen. Das hat er am 8. Mai 2012 angekündigt, nachdem Professor Pragst die Untersuchung und deren Ergebnisse vorgestellt hatte. Dabei wurden die Haare von 25 Kindern untersucht, deren Eltern die Ersatzdroge Methadon bekommen. Bei 20 Kindern wurden Spuren von Methadon, Heroin oder Cannabis gefunden – bei acht sogar in gesundheitsgefährdender Menge. Diese Kinder leben inzwischen nicht mehr bei ihren Eltern.
Bisher sind rund 100 Kinder aus Bremen und Bremerhaven getestet worden. Die Annahme, dass es sich nur um Einzelfälle handele, sei nun widerlegt, stellt Fritz Pragst fest. Denn bei insgesamt 80 Prozent der Kinder konnten Drogen im Haar nachgewiesen werden, nur 20 Prozent waren drogenfrei. Er geht jetzt davon aus, dass bei etwa einem Drittel der untersuchten Fälle eine Kindeswohlgefährdung vorliegt.
Viele Bundesländer lehnen die Haaranalyse ab, weil das Verfahren mit rund 250 Euro relativ teuer ist. Und weitere Merhkosten kämen auf die Jugendämter zu, wenn die Testergebnisse zeigen, dass betroffene Familien dringend Hilfe brauchen. Dann müssten die Kinder im schlimmsten Fall in staatliche Obhut genommen werden. Das heißt, sie würden in Pflegefamilien oder in Heimen untergebracht. Diese unberechenbaren Folgekosten scheinen viele Kommunen abzuschrecken.
Erneut Drogen in Kinderhaaren gefunden
Bremer Sozialsenatorin präsentiert Ergebnisse
Methadon-Programm auf dem Prüfstand
Debatte um Bremer Drogenpolitik
Fall einer süchtigen Mutter
Drogen an Kinder verabreicht
Berichte von Methadonmüttern
"Die Angst war groß - aber die Sucht war stärker"
Chronologie des Versagens
Das kurze Leben von Kevin K.
Streit um die Stadtautobahn 281
Seit fast 30 Jahren streiten Anwohner, Behördenvertreter und Politiker über den Weiterbau der Stadtautobahn 281. Hier eine Chronologie der jüngsten Ereignisse. Mehr...
Bremer Brechmittel-Prozess
Ein Bremer Arzt im Polizeidienst wurde zweimal für den zwangsweisen Brechmittel-Einsatz an einem mutmaßlichen Drogen-Dealer freigesprochen. Beide Urteile hat der Bundesgerichtshof kassiert. Jetzt befindet sich der Fall in der dritten Runde und könnte eingestellt werden. Mehr...
Streitfall Weservertiefung
Obwohl die Hafenwirtschaft entlang des Flusses schon lange ungeduldig auf die ersten Bagger wartet, konnten die Richter am Bundesverwaltungsgericht noch keine Entscheidung fällen. Wir haben zusammengefasst, was dafür und was dagegen spricht. Mehr...
Rocker-Dossier
Die Rocker im Nordwesten stellen aus Sicht der Polizei eine permanente Gefahr dar. Denn sie sind in der organisierten Kriminalität aktiv. Ob dagegen Verbote helfen, die Schließung von Klubhäusern oder Razzien – die Experten sind sich nicht einig. Mehr erfahren Sie hier. Mehr...
Ein Haushalt mit Risiken
Finanzprobleme hat Bremen genug. Trotz aller Anstrengungen wächst der Schuldenberg weiter. Sparen ist also "oberstes Gebot". Trozdem fordern Politiker mehr Geld für Schulen und Krankenhäuser. Wie groß ist der Schuldendruck also wirklich? Mehr...
Recherche-Redaktion
Wo stimmt etwas nicht? Auf welches Thema möchten Sie uns hinweisen? Wo sollen wir nachhaken? Schreiben Sie an unsere Recherche-Redaktion – oder rufen Sie uns an. Mehr...
Jetzt läuft
Streit ums Grundwasser in Holdorf
Die Brunnen der Gemeinde Holdorf liefern den größten Teil des Wasserbedarfs der Region Vechta. Nun sollen noch mehr Brunnen noch mehr Grundwasser abpumpen. Viele Anwohner beklagen aber schon jetzt, dass ihre Felder vertrocknen und der Wasserspiegel ihres Badesees sinkt. Welche Folgen hat es, wenn immer mehr Grundwasser aus dem Boden gepumpt wird? Wir diskutieren live vor Ort. Mehr...
29. Mai, 15:05 Uhr | Nordwestradio
Info: Die Rundschau
Sendezeit:
Mo. - Fr., 7, 8, 12, 16, 17 Uhr
Info: Nordwestradio Journal
Sendezeit:
Mo., - Fr.,
6:05 - 9 Uhr
12:08 - 13 Uhr
17:08 - 18:30 Uhr
Sa.,
8:05 - 9 Uhr
12:05 - 13 Uhr
Podcasts
Hier können Sie die neuesten Politik-Beiträge hören – wann und wo Sie wollen. Mit einem Download auch so oft Sie wollen. Mehr...
Soziale Netzwerke
Sie finden Radio-Bremen-Nachrichten nicht nur hier, sondern auch bei Twitter, Facebook, Google Plus und Youtube. Mehr...
radiobremen.de für unterwegs
Unter "m.radiobremen.de" sind wir nun auch mobil abrufbar. Damit kommen wir vielen Internetnutzern entgegen. Testen Sie es einfach mal aus! Mehr...
Jetzt auf radiobremen.de
Titanic sticht wieder in See: Australischer Milliardär will Megadampfer nachbauen
Krise der Gesundheit Nord: SPD fordert Finanzkonzept für städtische Kliniken
Werder Bremen: Sportdirektor plant mit Arnautovic und Elia
Neuer Trainer vorgestellt: Robin Dutt: "Werder ist Euphorie pur!"