Sozialsenatorin präsentiert Ergebnisse
Die Bremer Sozialbehörde hat in den Haaren von weiteren Bremer Kindern Drogen gefunden. Wieder fanden die Gutachter der Berliner Charité in den Proben Rückstände von Heroin, Kokain, Cannabis und Methadon.
Testergebnis der Haaranalysen vom 31. Mai 2011.
Auch ältere Kinder aus so genannten Methadon-Familien sind mit Drogen in Kontakt gekommen. Zu diesem Ergebnis kommt der Toxikologe Fritz Pragst von der Berliner Charité. Er hat die Haare von sieben- bis zehnjährigen Kindern analysiert. Sein Ergebnis stellte Pragst am 3. November 2011 in der Bremer Sozialdeputation vor. Von 14 Kindern waren drei drogenfrei. In elf Fällen fand er Rückstände von Canabis, Methadon, Heroin oder Kokain.
Die Bremer Sozialsenatorin Anja Stahmann schätzt das Ergebnis der Haaranalysen als besorgniserregend ein. In jedem Fall solle nun sichergestellt werden, dass das Kindeswohl nicht gefährdet ist. Dazu müssten in Zukunft die Sozialarbeiter, Ärzte und Therapeuten enger zusammenarbeiten.
Erst Ende Mai wurden die Haare aller vier- bis sechsjährigen Kinder untersucht, deren Eltern an einem Methadonprogramm teilnehmen oder von leichten Drogen – wie etwa Cannabis – abhängig sind. Damit soll kontrolliert werden, ob Kinder mit Drogen ruhig gestellt werden.
Haaranalyse
Neben regelmäßigen Urinproben, die von vielen Süchtigen leicht manipulierbar sind, liefern Haaranalysen genauere Ergebnisse über den Drogenkonsum. Eine Untersuchung kostet 250 Euro. Bremen lässt die Proben in der Berliner Charité analysieren.
In der Hälfte der 30 Proben fanden die Gutachter dabei nur geringe Rückstände, in sechs Haarproben eine relativ hohe Konzentration verschiedener Drogen. Bei drei dieser Proben deutet sich außerdem an, dass die Kinder Drogen über den Mund aufgenommen haben müssten. Nur neun Haarproben der meist vier- bis sechsjährigen Kinder waren völlig drogenfrei. Ob den Kindern von ihren Eltern Drogen gezielt verabreicht wurden, lasse sich durch die Analyse aber nicht feststellen.
Die Bremer Sozialsenatorin Anja Stahmann (Grüne) sei zwar erleichtert, dass nicht alle untersuchten Kinder "mit Drogen belastet sind". Aber sie sei sehr besorgt, denn: "Drogen gehören nicht in Kinderkörper." Seit Beginn der Tests im März 2011 hat das Ressort insgesamt 64 Kinder und auch viele ihrer Eltern auf Drogen testen lassen. 13 Kinder wurden daraufhin aus ihren Familien genommen. Kinder, bei denen Drogen nachgewiesen werden, generell aus ihren Familien zu nehmen, lehnt das Sozialressort ab. Es will stattdessen jeden Einzelfall anschauen.
Aufgrund dieser Ergebnisse wurden weitere Kinder aus den Familien herausgenommen. Außerdem sind in sechs Fällen erweiterte Haarproben genommen worden, in fünf Fällen wurde der Einsatz eines so genannten Kriseninterventionsdienstes veranlasst. Anja Stahmann berichtet, dass Sozialarbeiter mit den betroffenen Familien gesprochen haben. Meist seien die Eltern erleichtert über die angebotene Hilfe gewesen. Von 18 Eltern wurden ebenfalls Haaranalysen gemacht – mit dem Ergebnis, dass acht Proben drogenfrei waren, vier Proben wenige Spuren von Rauschmitteln enthielten, aber in sechs Fällen gleich mehrere Drogen in hoher Konzentration im Spiel waren.
Das Bremer Sozialressort überlegt, ob in Zukunft anlassbezogene Haarproben ausreichen oder ob es Reihenuntersuchungen geben sollte. Dazu sagt Staatsrat Horst Frehe (Grüne): "Es wäre schön, wenn man mit chemischen Analysen Sozialpolitik ersetzen könnte." Leider seien die Haaranalysen aber erstmal nur Indizien, die dazu führten, dass die Sozialarbeiter noch mal prüfen, wie die Familiensituation ist, ob Kinder gefährdet sind und ob die Eltern ihr Sorgerecht vernünftig wahrnehmen können. Frehe warnt davor, Kinder voreilig aus den Familien zu nehmen. Eine Inobhutnahme sollte immer der letzte Schritt sein.
Zudem können nicht alle unter Generalverdacht gestellt werden, sagte die Sozialsenatorin. Denn immerhin waren von 30 Fällen neun Kinder und deren Eltern "clean".
| Bericht | Alter | Proben | Ergebnis |
|---|---|---|---|
| Frühjahr 2011 | 1 - 3 | 28 | 5 ohne Drogen 5 Cannabis 11 harte Drogen 7 mit hoher Konzentration |
| Sommer 2011 | 4 - 6 | 30 | 9 ohne Drogen 15 mit geringen Mengen 6 mit hoher Konzentration |
| Herbst 2011 | 7 - 10 | 14 | 3 ohne Drogen 11 mit geringen Mengen |
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