Wenn die eigenen Kinder kiffen
Mal einen Joint zu rauchen, gilt unter Jugendlichen als normal. Doch was ist, wenn die Kinder häufig Cannabis konsumieren und sogar in der Schule bekifft auftauchen? Wenn sie ihren Alltag nicht mehr auf die Reihe kriegen und ihre Familien beklauen, um Drogen kaufen zu können? Zwei Mütter erzählen von ihren kiffenden 15-jährigen Söhnen, von ihren Ängsten und von den Konflikten mit der Schule, die ihrer Meinung nach nicht rigoros genug durchgreift.
Hier können Sie Erfahrungen und Meinungen zu diesem Thema in unserem Gästebuch nachlesen:
Gästebuch: Wenn Kinder und Schüler kiffen
Noch bevor der Beitrag ausgestrahlt wurde, haben buten un binnen Zuschriften erreicht. Tenor: Die Diskussion über dieses Thema schadet unserer Schule. Im Sinne einer offenen Debatte dokumentieren wir die Zuschriften. Natürlich geht es nicht darum eine Schule zu diskreditieren. Es geht darum, über ein Problem zu berichten, dass offenbar an vielen Bremer Schulen besteht. Also ganz im Sinne von buten un binnen: Ein "heißes Eisen“ aufgreifen und darüber eine möglichst breite und offene Debatte führen.
Stellungnahmen von Schülern der GSM [PDF, 433 Kb]
Hier vier Fax-Kopien nachlesen
"Kinderzeit adios" notierte Svenja B. in ihrem Tagebuch, als sie im September 2010 herausfand, dass ihr Sohn kifft. Beunruhigt war die Mutter des 15-Jährigen damals aber noch nicht. Erst einige Monate später habe sie gemerkt, "dass er jeden Tag ein irgendwie verändertes Verhalten hat". Die Augen wurden rot, er lachte dauernd. Schließlich zog er sich immer mehr zurück, "man kam gar nicht mehr an ihn heran".
Viele Jugendliche probieren Marihuana aus, doch für den Sohn von Svenja B. wurde der Joint zum täglichen Begleiter. Bisher hatten Mutter und Sohn ein gutes und freundschaftliches Verhältnis zueinander. Doch die neue Angewohnheit veränderte alles. "Er hat uns dann auch massiv Geld geklaut", berichtet die Mutter, "es waren mehrere hundert Euro." Auch in der Schule begannen die Probleme. Der Sohn schwänzte immer häufiger den Unterricht, er brachte keine Leistung mehr.
An Schulen bildeten sich regelrechte Kiffer-Cliquen.
Der Einzige war er damit aber nicht. Mehrere seiner Kumpel in der Gesamtschule Bremen-Mitte kifften fleißig mit, sie bildeten eine richtige Clique. Die Eltern eines anderen betroffenen 15-Jährigen sind sauer auf die Schule. "Von schulischer Seite wurde uns Eltern ein pädagogisches Versagen suggeriert", sagt die Mutter Jutta R. Es seien Äußerungen gefallen wie "Glückliche Kinder brauchen keine Drogen". Solche Sätze haben die betroffenen Eltern zusätzlich verunsichert. Doch sie wünschen sich für das Verhalten ihrer Kinder durchaus auch härtere Strafen.
Die Eltern kritisieren außerdem, die Schulen würden nicht einheitlich handeln, wenn ein Schüler erwischt wird. Mal rufe ein Lehrer die Eltern an, um das Kind abzuholen – ein anderes Mal wieder nicht. Offiziell gibt es in Bremen aber ein für alle Schulen festgelegtes Konzept. Danach müssen Schüler bei einem entsprechenden Verdacht zum Beispiel zwei Stunden lang ausnüchtern.
Das Nachhaken der Eltern hat offenbar etwas bewirkt. "Seitens der Behörde wurde gehandelt", betont Karla Götz, Sprecherin des Bildungsressorts. "Die Eltern waren eingeladen, mit ihnen wurden Gespräche geführt". Außerdem hätten die betroffenen Schulen Auflagen bekommen. Die Aufsichten seien verstärkt worden, die betroffenen Schüler sollten im Blick behalten werden, so Karla Götz. "Und es ht auch noch einmal eine Kontrolle und Absprache gegeben, was das Präventionskonzept der Schule angeht".
Dabei hilft Jockel Guba, Sozialarbeiter von der Suchtambulanz "Escape". Guba versucht, den Jugendlichen zu vermitteln, wie gefährlich ihr vermeintlich "weicher" Drogenkonsum sein kann. "Schwierig wird es, wenn der Cannabis-Konsum der zentrale Lebensmittelpunkt der Jugendlichen wird", erklärt Guba. "Wenn sie nicht mehr regelmäßig zur Schule gehen, wenn sie andere soziale Interessen vernachlässigen und nur noch Kontakt zu anderen Jugendlichen haben, die dasselbe machen, dann ist die Gefahr, dass eine psychische Abhängigkeit entsteht, groß. Und diese kann dann auch zu einer körperlichen Abhängigkeit führen", so der Suchtxperte von "Escape".
Doch wann hört pubertäre Neugier auf, wann fängt die Sucht an? Jutta R. und Svenja B. haben sich professionelle Hilfe geholt und kämpfen – nicht zuletzt, weil sie fürchten, dass ihre Söhne selber dealen könnten, um ihre Sucht zu finanzieren. Sie hoffen, dass sich die Jugendlichen wieder fangen werden. "Ich habe immer geglaubt, dass ein gutes und sicheres Verhältnis zu meinem Sohn besteht", sagt Jutta R. Momentan sehe sie aber, dass dieses Verhältnis wackelig geworden sei. "Doch ich vertraue darauf, dass er sich daran zurückerinnert, was er in seinen ersten Jahren mitbekommen hat und daraus Stärke zieht."
Hoffnung macht den beiden Müttern, dass ihre Söhne ihre eigene Zukunft immer noch im Blick haben. Die Schule zu schmeißen – das kommt für beide nicht in Frage.
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