Methadonmütter in Therapie
Durch zufällige Tests der Sozialbehörde kam heraus, dass viele Eltern, die im Methadonprogramm sind und als clean gelten, ihren Kindern Methadon und andere Drogen gegeben haben. Das ist das Resultat von Haaranalysen. Die positiv getesteten Kinder leben jetzt in Pflegefamilien. Ihre Eltern haben aber die Chance, sie wieder zu sich zu holen: Voraussetzung ist allerdings ein Entzug und eine Therapie. Aus unserer Region gehen die meisten Eltern, die sich für diesen Schritt entscheiden, nach Lüneburg. Dort gibt es das Therapiezentrum "Wilschenbruch". Radio-Bremen-Reporterin Hanna Möllers ist hingefahren und hat zwei Mütter getroffen, die seit mehren Jahren mit ihren Kindern dort leben und clean geworden sind.
Seit mehren Jahren leben Melanie und Lilly mit ihren Kindern in einer Drogen-Therapie-Einrichtung in Lüneburg. Jahrelang hingen die beiden Mütter an der Nadel und haben den Ausstieg auch nicht durch ein Methadonprogramm geschafft. Ihre Kinder sind süchtig auf die Welt gekommen und leiden noch heute unter den Folge. Ein Albtraum: "Die Angst war groß - aber die Sucht war stärker", sagt Melanie. Sie wollte ihre Kinder behalten, aber sie kam nicht los von ihrer Sucht. Während sie zugedröhnt war, konnte sie sich nicht um ihre Kinder kümmern. Mit gefälschten Urin-Proben und Lügen täuschten beide Frauen jahrelang Ärzte und Sozialämter – mit den üblichen Tricks in der Drogenszene. Im Regionalmagazin "buten un binnen" erzählen sie, wie sie es geschafft haben, den Teufelskreis zu durchbrechen.
Melanie kommt aus einer Alkoholikerfamilie. Von ihrer eigenen Mutter misshandelt, bekommt sie auch schon im Kindesalter die ersten Drogen. Als Teenager hängt Melanie an der Nadel. Vom Heroin und Kokain kommt sie auch während der Schwangerschaft nicht mehr weg. Sie war "nadelgeil", so beschreibt die 30-Jährige es rückblickend. Jahrelang hat der Betrug funktioniert: Sie bekam legal Methadon und nahm dazu noch andere Drogen, den so genannten "Beigebrauch". Bei Melanie musste erst ein Nachbar Alarm schlagen bis, das Jugendamt sie vor die Wahl stellte: Entzug oder Kinder weg. Sie entschied sich für die Therapie in Wilschenbruch, wo sie in einer Art Mutter-Kind-WG lebt.
Die Geschichte der 29-jährigen Lilly ähnelt sich: Auch sie war früh drogenabhängig, auch sie bekam zwei Kinder und konnte ihren Beigebrauch gut vertuschen. Ihre Kinder kommen als Junkies zur Welt. Fast regungslos liegen sie da, rote Augen. Immer wieder bekommen sie Krämpfe am ganzen Körper: epileptische Anfälle. Trotzdem wurden sie kurz nach der Entbindung wieder nach Hause geschickt. Sie hatten ja versprochen: Nie wieder Drogen zu nehmen. Und es gab ein Helfernetz, das aufpasste. Aber das System versagte auch hier - genauso wie im Fall Kevin. Der Zweijährige starb in der Obhut des gewalttätigen Ziehvaters, obwohl das Bremer Jugendamt die Vormundschaft übernommen hatte.
Seit rund fünf Jahren leben die Frauen mit ihren Kindern in der Lüneburger Einrichtung. Das bedeutet: Ruhe, feste Strukturen und Therapie. Heute reden sie offen darüber, denn sie wollen anderen Junkies Hoffnung machen. Ein Methadonprogramm ohne Therapie halten sie für Selbstbetrug: "Mit Methadon geht es nur langsamer bergab!". Melanie und Lilly haben es geschafft: Sie sind clean und sind stolz darauf, auch wenn sie wegen der Kinder ein Leben lang Schuldgefühle haben werden.
Therapeutische Gemeinschaft Wilschenbruch
Die Einrichtung befindet sich am Rande Lüneburgs. Hier können 21 drogenkranke Erwachsene und 32 Kinder an stationären Therapien teilnehmen.
Ruthard Stachowske leitet die Drogentherapie in Lüneburg und warnt schon seit Jahren vor der Situation, dass Kinder drogenkranker Eltern stark gefährdet sind. Das Methadon-Programm hilft hier nicht weiter. Die Kinder sind ihren süchtigen Eltern ausgeliefert und bekommen sogar Drogen verabreicht. Das Kontrollsystem des Sozialstaates versagt hier. Nach Meinung von Stachowske helfen diesen Familien nur langjährige Therapien weiter.
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