Debatte um Bremer Drogenpolitik
Alle, die in Bremen berufsmäßig mit Drogensüchtigen zu tun haben, wollen die Methadon-Therapie verbessern. Vor ein paar Monaten hat dazu ein Runder Tisch spezielle Arbeitsgruppen gegründet. Einer der hier mitwirkt ist Manfred Adryan von der AOK, der davon im Radio-Bremen-Interview berichtet.
Ginge es nach der CDU, dann würde die Drogenpolitik in Bremen ganz neu ausgerichtet. Eine Untersuchungs-Kommission aus Abgeordneten, Sachverständigen, Kriminologen und Psychologen wünscht sich die Opposition. Diese Runde soll erstmal einen Überblick über die Drogenszene geben. Danach soll überlegt werden, wie die Politik Kinder drogenabhängiger Eltern besser schützen kann. Grund für die Eile sind die Ergebnisse der Haaranalysen. Dabei waren bei vielen getesteten Kindern Drogenrückstände gefunden worden.
In der Sozialdeputation kam am 15. September 2011 wieder Kritik aus den Reihen der CDU: Das von Anja Stahmann (Grüne) geführte Sozialressort habe nichts aus dem Fall Kevin gelernt. Der sozialpolitischer Sprecher der CDU, Claas Rohmeyer, vermisst ein Gesamtkonzept, dass von allen Ressorts getragen wird. Es seien lediglich einzelne Maßnahmen durchgeführt worden.
Dass Bremen handeln muss, darin waren sich alle Abgeordnete und Vertreter sozialer Organisationen einig. Aber weder die Grünen noch die SPD halten etwas vom Vorschlag der Christdemokraten. Denn man wisse schon heute genau, wie das Hilfesystem verbessert werden könne, räumt der SPD-Bürgerschaftsabgeordnete Klaus Möhle ein. Er war Mitglied im Untersuchungsausschuss "Kindeswohl", der aufklären sollte, wie der zweijährige Kevin zu Tode gekommen war, obwohl alle Verantwortlichen den Fall kannten. Damals habe man auf jegliche parteipolitische Profilierung verzichtet. Möhle ärgert es, dass die CDU jetzt öffentlich im Alleingang eine solche Kommission fordert. Er ist sich mit Sozialsenatorin Stahmann darin einig, dass das dafür benötigte Geld lieber jetzt in Maßnahmen zum Wohle der Kinder ausgegeben werden sollte. "Erst forscht so eine Kommission ein paar Jahre und legt am Ende Gesetze vor, die es ja heute schon gibt", sagt Stahmann.
Derzeit überlegen Mitglieder der Kassenärztlichen Vereinigung und der Sozialbehörde, wie das Methadon-Programm verändert werden sollte. In fünf Arbeitsgruppen geht es um Kontrolle, Betreuung, Kindeswohl, ärztliche Verordnungen und Datenschutz. Hier wirkt auch Manfred Adryan von der AOK mit. Er prüft schon seit Jahren die Methadonvergabe in Bremen. Im Radio-Bremen-Interview kündigt er an, dass er erste Ergebnisse schon Anfang November vorstellen wird. Die vorgeschlagenen Maßnahmen könnten dann Anfang 2012 umgesetzt werden.
So sieht er eine Lösung darin, den so genannten Beikonsum von anderen Drogen neben Methadon anders zu kontrollieren. Derzeit geben Patienten lediglich Urinproben ab, die leicht manipulierbar sind. Für Manfred Adryan sind aber auch andere Kontrollen denkbar, die dann zwar mehr Geld kosten, aber dafür "sinnvollere Ergebnisse“ liefern würden.
Sein Arbeitskreis redet auch darüber, wie die Drogenabhängigen besser von Psychologen und Sozialarbeitern betreut werden können. Derzeit nutzt nach seinen Angaben gerade die Hälfte der substituierten Patienten eine psychosoziale Begleitung. Adryan fordert, dass jeder daran teilnehmen soll. "Wir werden das ganze Netz erheblich enger stricken", kündigt er an, denn so könne die Therapie erfolgreich verlaufen.
Methadonprogramm
In Bremen leben rund 150 Kinder in 90 Familien, deren Eltern mit der Ersatzdroge Methadon behandelt werden. Ein so genannter Beigebrauch, also die Einnahme von anderen Suchtmitteln wie zum Beipsiel Alkohol und Cannabis, ist streng verboten und muss vom substituierenden Arzt gemeldet werden.
Es sei ein riesiges Problem, dass es keine verlässlichen Zahlen darüber gibt, bei welchen drogenabhängigen Frauen oder Paaren überhaupt Kinder im Haushalt leben. Das liege daran, dass sich Ärzten, Krankenkasse und Sozialarbeitern bisher nicht über die Süchtigen austauschen können. Es sei aber dringend notwendig, dass all diesen Institutionen bestimmte Informationen vorliegen. So erfahre beispielsweise nicht einmal das Jugendamt davon, wenn eine Mutter an einem Methadonprogramm teilnimmt. Adryan beklagt zudem, dass Ärzte keine auffälligen Kinder melden dürfen. Deshalb will seine Arbeitsgruppe dafür eine für Bremen spezifische Lösung finden.
Bremer Sozialsenatorin präsentiert neue Ergebnisse:
Erneut Drogen in Kinderhaaren gefunden
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