Offshore-Terminal-Bremerhaven
Martkforscher kritisieren die Bremer Landesregierung wegen der gescheiterten Suche nach Investoren für den Schwerlasthafen. Dirk Briese, Geschäftsführer des Marktforschungsinstituts "Windresearch", fordert die Politiker jetzt auf, dringend in die Gänge zu kommen. Für rund 250 Millionen soll ein Offshore Terminal in Bremerhaven (OTB) gebaut werden. Das Land Bremen wollte selbst kein Geld dafür in die Hand nehmen.
Radio Bremen: Wie wichtig ist der Bau des Offshore Terminals Bremerhaven für die dortige Windenergie-Industrie?
Dirk Briese: Sehr wichtig. Um die geplanten Windparks in der Nordsee kosteneffizient errichten zu können, benötigt der Standort Bremerhaven diesen Offshore-Hafen. Für die Hersteller, ob Re-Power, Areva, Weserwind, Powerblades und auch neue Ansiedlungen, ist eine direkte Anbindung ans Meer notwendig. Momentan kommen teure Zwischenlösungen zum Einsatz, bei welchen die Bauteile zum Beispiel durch mehrere Schleusen manövriert werden müssen.
Radio Bremen: Die Finanzierung durch private Investoren ist gescheitert, obwohl das doch als Industrie der Zukunft gesehen wird. Warum hält sich das Interesse am OTB in Grenzen?
Dirk Briese: Es bestehen seit längerer Zeit Bedenken, ob solch ein Projekt privatwirtschaftlich zu finanzieren ist. Das Risiko für Investoren ist nach wie vor hoch und wenige unterschreiben in dieser Situation einen langfristigen Vertrag. Wenn der Ausbau der Offshore-Windenergie zügig voranschreitet, wird der Hafen ausgelastet sein. Aber ob dies gelingt, ist vor allem eine politische Frage der Rahmenbedingungen. Es gibt momentan einfach noch zu viele Unsicherheiten. Deshalb halten sich Privatinvestoren zurück. Diese Einsicht hätte die Bremer Politik schon früher haben und viel Zeit sparen können.
Radio Bremen: Nun verschiebt sich die Realisierung weiter nach hinten. Welche Konsequenzen kann das für den Windenergie-Standort Bremerhaven haben?
Dirk Briese: Das ist schwer zu sagen. Vielleicht hätte eine schnelle Realisierung des Terminals auch neue Unternehmen angezogen, zum Beispiel die Dillinger Hütte, die Marktführer bei der Produktion von Stahlblechen für Offshore-Fundamente ist. Für Zulieferer ist eine unkomplizierte Anbindung an einen Offshore-Hafen enorm bedeutsam und deshalb errichtet dieses Unternehmen ein neues Werk derzeit in Nordenham.
Windresearch
Windresearch zählt nach eigenen Angaben zu den führenden deutschen Marktforschungsinstituten in der Energiewirtschaft. In Bremerhaven erstellen die Marktforscher Studien und Analysen zum wachsenden Windenergie-Markt.
Radio Bremen: Ist die Einschätzung richtig, dass man sich in Emden und in Cuxhaven, also an den anderen Standorten, jetzt die Hände reibt?
Dirk Briese: Die anderen Häfen haben vor allem Zeit gewonnen. Diese Zeit können sie nutzen, um einen Vorsprung gegenüber Bremerhaven aufzubauen. Wenn aber der Ausbau der Offshore-Windenergie in den kommenden Jahren reibungsloser funktioniert, ist sicherlich Bedarf für mehrere Häfen. Trotzdem: Bremerhaven muss jetzt dringend in die Gänge kommen und auf der Basis einer nachvollziehbaren und belastbaren Marktprognose die entsprechenden Investitionen tätigen.
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