Feier in Wilhelmshaven
Deutschlands erster Tiefwasserhafen hat am 21. September 2012 offiziell seinen Betrieb aufgenommen: Der Jade-Weser-Port in Wilhelmshaven ist ein Gemeinschaftsprojekt der Bundesländer Bremen und Niedersachsen.
Jens Böhrnsen, David McAllister und Philipp Rösler bei der Eröffnung des Hafens.
An der feierlichen Eröffnung nehmen die Regierungschefs beider Länder, Jens Böhrnsen (SPD) und David McAllister (CDU), teil. In einem Festzelt unweit der Kaimauer haben sich mehr als 1.000 Gäste versammelt, darunter auch bundespolitische Prominenz wie etwa Bundeswirtschaftsminister Philipp Rösler (FDP). Auf einer Großbildleinwand verfolgten die Gäste gemeinsam, wie die Ladung des Premierenschiffs – der "Maersk Laguna" – symbolisch gelöscht wurde.
Die "Maersk Laguna" war das erste reguläre Schiff, das an der Pier in Wilhelmshaven festmachte. Im Hintergrund die havarierte "MSC Flaminia".
Die Bauschäden an der Kaje des neuen Hafens spielten nur noch eine kleine Rolle bei der Festveranstaltung, stattdessen schauten fast alle Redner nach vorn: Niedersachsens Ministerpräsident McAllister sprach von einer "Punktlandung", der neue Hafen sei ein Jahrhundertprojekt, das neue "Tor zur Welt" und werde ein zentraler Dreh- und Angelpunkt für den internationalen Containerverkehr sein. Bremens Bürgermeister Böhrnsen nannte den Jade-Weser-Port einzigartig für ganz Deutschland. Niemals zuvor in der Hafengeschichte hätten sich zwei Bundesländer zusammengetan, um gemeinsam ein solches Projekt zu realisieren, so Böhrnsen weiter.
650 Millionen Euro investieren Bremen und Niedersachsen in ihren gemeinsamen Hafen. Im Jade-Weser-Port können Schiffe bis zu einem Tiefgang von 16,5 Metern tideunabhängig anlegen. Damit kommt der Hafenbetreiber, die Bremer Terminal- und Logistikgruppe "Eurogate", den Reedern entgegen – denn sie setzen auf immer größere Containerschiffe mit immer mehr Ladung. Massive Bauschäden an der Kaje hatten dazu geführt, dass die Eröffnung des neuen Hafens um sechs Wochen verschoben werden musste. Die Ursache für mehrere Hundert Risse in der Kaimauer wird immer noch gesucht.
Ideal ist der Zeitpunkt für die Inbetriebnahme nicht: Die Weltwirtschaft hat sich abgekühlt, die großen Reedereien transportieren weniger Güter über die Meere. Eurogate rechnet entsprechend konservativ. Verluste in den ersten Jahren sind einkalkuliert, mit einer Voll-Auslastung rechnet der Hafenbetreiber erst in zehn Jahren. Künftig sollen zunächst pro Woche jeweils zwei Schiffe aus Südamerika und Fernost in Wilhelmshaven abgefertigt werden.
Dramatische Inszenierung: Gegen die Wolkenberge wirken selbst die Containerbrücken klein.
Auch an den wichtigsten deutschen Nordseehäfen, Hamburg und Bremerhaven, verfolgt man den Start des Jade-Weser-Ports aufmerksam. Befürchtungen, Reedereien könnten Linien nach Wilhelmshaven abziehen, teilt Eurogate-Chef Emanuel Schiffer nicht. Der neue Hafen sei eine Ergänzung und keine "Konkurrenz" zu den anderen deutschen Containerhäfen.
Jade-Weser-Port eröffnet, [10:04]
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