Nicht genug Schiffe für alle Häfen?
Wenn der neue Tiefwasserhafen im August 2012 an den Start geht, wird sich die Weltwirtschaft wohl noch immer nicht so weit erholt haben, dass die bestehenden Häfen an ihre Kapazitätsgrenzen stoßen. Jedes Schiff, das Wilhelmshaven anläuft, könnte dann beispielsweise an der Kaje in Bremerhaven fehlen. Ob und wenn ja, inwieweit wird der Überseeverkehr durch den Jade-Weser-Port verändert?
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Einstellungen, Infos und Kommentare
Hamburg und Bremen/Bremerhaven sind die wichtigsten deutschen Nordseehäfen. Sie sind Universalhäfen, weil hier sämtliche Waren umgeschlagen werden können. Sie sind geprägt vom Überseeverkehr, hier insbesondere mit Containerfrachtern. Wilhelmshaven ist der wichtigste Umschlagsplatz für Rohöl in Deutschland. Das Management des Jade-Weser-Ports hatte Anfang Februar angekündigt, zum Start bis zu 70 Prozent Rabatt auf die Liegeplatzgebühren zu gewähren. Das traf auch in Bremen auf unterschiedliche Reaktionen.
Nach Ansicht des Bremer Logistikkonzerns BLG gefährdet der Tiefwasserhafen nicht die Häfen in Bremen und Bremerhaven. "Ob ein Reeder einen Containerdienst in einen anderen Hafen verlagert, hängt nicht von der Hafengebühr ab", sagte ein BLG-Sprecher. Der Jade-Weser-Port sei nach wie vor eine Ergänzung zu den beiden anderen deutschen Containerhäfen in Bremerhaven und Hamburg, heißt es bei der BLG.
Das sieht Burkhard Lemper vom Bremer Institut für Seeverkehrswirtschaft und Logistik anders. Wilhelmshaven tritt seiner Ansicht nach ungeplant als Konkurrent auf. Die beiden anderen Häfen seien nach der Wirtschaftskrise noch nicht wieder ausgelastet. Deshalb hält Lemper es für möglich, dass Reedereien Linien von Bremerhaven oder Hamburg nach Wilhelmshaven verlagern. Bestätigungen dafür gibt es aber noch nicht.
Die weltweit größte Containerschiff-Reederei Maersk hat sich unterdessen kritisch über die vom Jade-Weser-Port angekündigten hohen Rabatte geäußert. Es sei fragwürdig, ob diese für nachhaltige Aufträge sorgten, so ein Sprecher. Diese Aufträge seien für den Erfolg Wilhelmshavens aber nötig. Der Hafen gehe noch ein bisschen zu früh an den Start, so die Reederei. Denn das größte Potenzial liege in den Linien nach Asien. Ab 2013 sollen auf diesen Routen auch die größten Schiffe der Welt eingesetzt werden. Der neue Hafen werde aber schon am 5. August 2012 eröffnet. Maersk warnt davor, von Anfang an zu viel vom Jade-Weser-Port zu erwarten. Ein solches Hafenprojekt rechne sich erst langfristig, sagte der Sprecher. Die Reederei sei jedoch sicher, dass sich Wilhelmshaven, Bremerhaven und Hamburg gut ergänzen werden. Man sei überzeugt vom Konzept. Maersk alleine werde den Jade-Weser-Port jedoch nicht auslasten können. Etwa ein Drittel des Volumens werde auf die dänische Reederei entfallen, so der Sprecher. Über langfristige Aufträge stehe Maersk noch in Verhandlungen mit dem Jade-Weser-Port.
Norddeutsche Hafenumschläge in Millionen Tonnen
Die größten deutschen Seehäfen Hamburg und Bremerhaven zählen in Europa zur so genannten Nordrange und stehen im Wettbewerb mit den anderen Häfen dieses Gebiets, insbesondere mit Rotterdam und Antwerpen. Nordrange ist eine Bezeichnung für die wichtigen kontinentaleuropäischen Häfen an der Nordsee. Hier werden etwa 80 Prozent des europäischen Im- und Exports abgewickelt.
| Hafen | Gesamtumschlag in Millionen Tonnen | Hauptumschlagsgüter |
|---|---|---|
| Rotterdam (Niederlande) | 433,4 | Erdöl, Massengut, Container |
| Antwerpen (Belgien) | 186,4 | Container |
| Hamburg | 121,0 | Container |
| Bremen/Bremerhaven | 68,9 | Container, Autos |
| Le Havre (Frankreich) | 68,5 | Erdöl, Container |
| Zeebrugge (Niederlande) | 47,0 | Autos, Container |
| Wilhelmshaven | 22,9 | Erdöl |
Der Hafen Hamburg ist der größte deutsche Seehafen. An einer Vielzahl von Terminals bietet Hamburg über 300 Liegeplätze für Frachter, davon 38 für Großschiffe. Der Hafen umfasst eine Landfläche von ca. 3.400 Hektar. Von hier fahren Schiffe nach Nord-, Mittel- und Osteuropa und nach Übersee. Hamburg ist wichtiger Überseehafen für Skandinavien. Im Containerverkehr nimmt der Güteraustausch mit Nord- und Südostasien eine wichtige Stellung ein.
Der Seehafen Bremerhaven ist mit Abstand der weltweit größte Umschlagplatz für Automobile. Hier werden vor allem auch Container umgeschlagen. Im Hinterland, in den Bremer Binnenhäfen, werden hauptsächlich Massengüter, darunter Erze und Kohle, verladen.
Der Hafen Wilhelmshaven ist der wichtigste deutsche Öl-Importhafen. Auch bei der Ausfuhr überwiegen Raffinerieprodukte: 60 Prozent der hier umgeschlagenen Güter werden per Pipeline ins Hinterland transportiert. Wichtigste Herkunftsgebiete sind Großbritannien, Skandinavien und Russland.
Dossier: Hafen mit Tiefgang
![Visualisierung des Jade Weser Ports mit Jahreszahlen daneben [Quelle: JadeWeserPort / Montage Radio Bremen] Visualisierung des Jade Weser Ports mit Jahreszahlen daneben [Quelle: JadeWeserPort / Montage Radio Bremen]](/nachrichten/jadeweserport128_v-mediateaser.jpg)
Bremen und Niedersachen bauen in Wilhelmshaven ein riesges Container-Terminal, das Anfang August 2012 eröffnet wird. Wozu braucht Bremen den Jade-Weser-Port? Ob Jobmaschine oder teures Prestigeprojekt, erfahren Sie in diesem Online-Dossier.
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