Keimskandal im Bremer Klinikum
Die Todesfälle auf der Frühgeborenen-Station im Klinikum Bremen-Mitte werden keine strafrechtlichen Verfahren nach sich ziehen. So hat die Staatsanwaltschaft das Ermittlungsverfahren gegen den Chefarzt der Kinderklinik Hans-Iko Huppertz eingestellt. Was den Keimausbruch verursacht hat, bleibt trotz intensiver Suche weiter unbekannt.
Video: Ermittlungen gegen Chefarzt eingestellt
Einstellungen, Infos und Kommentare
Seit dem Keimskandal im Spätherbst 2011 hatte der damalige und mittlerweile wieder eingestellte Chefarzt Hans-Iko Huppertz einiges auszustehen: Erst verlor es fristlos seinen Job und dann ermittelte die Staatsanwaltschaft gegen ihn. Sie warf ihm fahrlässige Tötung von mindestens drei Frühgeborenen vor. Nun ist das Strafverfahren vom Tisch. Gegen den Chefarzt gebe es keinen hinreichenden Tatverdacht, so der Sprecher der Staatsanwaltschaft, Frank Passade. Zu diesem Ergebnis kam es, nachdem Zeugen und Sachverständige angehört wurden. Weder Chefarzt Huppertz noch einem anderen Mitarbeiter konnte nachgewiesen werden, dass sie etwas getan oder unterlassen hatten, das direkt zum Tod der Frühchen führte. Somit stellte die Staatsanwaltschaft das Verfahren ein und erhob keine Anklage. Huppertz' Anwalt Wolf Martin Nentwig bezeichnete diese Entscheidung als "Freispruch erster Klasse" für seinen Klienten.
Für ein direktes Statement war Chefarzt Huppertz nicht erreichbar, da er außerhalb von Bremen unterwegs ist. Aber sein Anwalt Nentwig berichtet, dass sein Mandat nun sehr erleichtert sei über die Einstellung des Verfahrens. Er dankt im Namen des Chefarztes allen, die ihn in dieser schweren Zeit unterstützt haben; wie etwa die Mitarbeiter im Klinikum Mitte und sehr viele niedergelassene Kinderärzte in Bremen und umzu, sowie Ärzteverbände aus ganz Deutschland. Die ganze Geschichte habe Huppertz persönlich sehr belastet. Jetzt soll endlich ein Schlussstrich gezogen werden, damit auch die Klinik endlich aus den Schlagzeilen kommt und er sich wieder mit voller Kraft um das Wohl der kranken Kinder kümmern kann.
Schon im Mai 2012 hatte Huppertz vor dem Bremer Arbeitsgericht gewonnen. Sein Arbeitgeber, der Klinikverbund "Gesundheit Nord" (Geno), musste die Kündigung zurücknehmen. Die Schuld für den Keimausbruch konnte ihm auch in diesem Verfahren nicht nachgewiesen werden.
Mit dem Freispruch endet auch die strafrechtliche Aufarbeitung des Keimskandals, bestätigt die Bremer Staatsanwaltschaft. Mit Zivilklagen von Eltern, deren Kinder gestorben sind oder verletzt wurden, rechnet der Anwalt nicht. Am Ende kann aber niemand für den Ausbruch der multiresistenten Darmkeime persönlich verantwortlich gemacht werden. Dass die Hygiene auf der Station für Frühgeborene mangelhaft war, hatte die Geno allerdings eingeräumt.
Zum Nachhören:
Bremer Staatsanwaltschaft stellt Verfahren ein, [3:12]
Gespräch mit Reporter Cengiz Tarhan.
Abschlussbericht des Untersuchungsausschuss "Keime"
3. Dezember 2012
Arbeitsgericht gibt Chefarzt Recht
23. Mai 2012
Gutachter der Staatsanwaltschaft attestiert Defizite bei Klinik und Behörde
12. September 2012
Hygieneskandal in Bremer Klinik
![Keime [Quelle: Radio Bremen] Keime [Quelle: Radio Bremen]](/politik/dossiers/krankenhauskeime/keime100_v-mediateaser.jpg)
In diesem Online-Dossier werden wir Sie darüber informieren, welche Hygiene-Richtlinien in Bremer Krankenhäusern gelten und wie das Krankenhaus solche Infektionen melden muss.
Ausschuss-Tagebuch
Parlamentsausschuss
Abgeordnete der Bremischen Bürgerschaft haben den Keimausbruch untersucht. Mehr...
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Um welchen Keim geht es?
Warum können Darmkeime gerade für Säuglinge so gefährlich sein? Was passiert bei einer Infektion mit Klebsiella pneumoniae? Mehr...
Beiträge zum Hygiene-Skandal
Jetzt läuft
ARD-Feature: Die Spur der Keime
Vor einem Jahr starben im Klinikum Bremen-Mitte drei Frühgeborene an einer Bakterien-Infektion. Die Rundfunkjournalistin Gaby Mayr zieht in einer Radio-Bremen-Produktion für das ARD-Radiofeature eine Bilanz des Klinikskandals. Mehr...
Radio-Diskussion: Auf der Intensivstation
Über die Diagnose des Patienten besteht Einigkeit: Mehrere kommunale Kliniken in Bremen haben wirtschaftliche Probleme, ihnen geht es schlecht und damit auch der gemeinsamen Krankenhausdachgesellschaft, der Gesundheit Nord (Geno). Darüber diskutieren Politiker, Ärzte und Krankenkassenvertreter. Mehr...
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