Kliniken müssen schließen
In Bremen und Umgebung werden immer mehr Geburtshilfe-Stationen geschlossen. In Bassum, im Klinikum Bremen-Mitte und nun wird auch in Delmenhorst geprüft, die Entbindungs-Station zu schließen. Damit müssen Schwangere weitere Wege in Kauf nehmen, wenn sie im Krankenhaus entbinden wollen. Engpässe sehen die anderen Kliniken im Nordwesten bislang aber nicht.
Sollen Frauen im Landkreis Diepholz demnächst auf der Straße entbinden?
Mitte Dezember 2011 machte in Bassum die Geburtshilfe-Station dicht, die letzte im Landkreis Diepholz. "Trotz intensiver Bemühungen ist es nicht gelungen, die notwendige Anzahl von mindestens sechs Fachärzten zu gewinnen", sagt der Landrat. Die Bürgerinitiative glaubt dagegen, dass sich die Station wirtschaftlich nicht mehr gelohnt habe. Zuletzt wurden in Bassum nur noch etwa 400 Babys pro Jahr geboren.
Nur ein Viertel der Frauen vor Ort hatte sich für das Krankenhaus in Bassum entschieden. Die meisten Frauen bevorzugen offenbar Kliniken, die auch Erfahrungen mit schwierigen Fällen haben – und im Zweifel über eine Kinderintensivstation verfügen. Sicherheit ist also wichtiger als kurze Wege. Die meisten Schwangeren hatten sich deshalb schon vorher nach Vechta, Bremen, Verden oder Nienburg orientiert. Einige müssen nun bis zu 40 Kilometer weit fahren, wenn sie ihr Kind in einem Krankenhaus zur Welt bringen wollen.
Ende Februar 2012 wurde auch die Geburtshilfe-Station für Frühgeborene im größten Bremer Krankenhaus, dem Klinikum Bremen-Mitte (KBM), geschlossen. Seit Monaten kämpft das Haus mit gefährlichen Darm-Keimen auf der Frühchenstation. Im Februar sind die Keime trotz der Sanierung wieder auf der Station aufgetaucht. Bremens Gesundheits-Senatorin Renate Jürgens-Pieper (SPD) zog deshalb erstmal einen Schlussstrich. Die Zukunft der Station ist nach wie vor völlig offen.
Für Risikoschwangerschaften bietet sich das Klinikum Oldenburg an. Die Frauenklinik könne jederzeit Risikoschwangere aus der Umgebung aufnehmen, sagt eine Sprecherin. Oldenburg zählt mit 35 Betten zu den größeren Entbindungs-Stationen der Region. Auffällige Zuwächse gebe es bislang aber nicht.
In Bremen stehen Schwangeren noch vier Krankenhäuser zur Verfügung: das Klinikum Links der Weser, Klinikum Bremen-Nord, Diako und der St. Joseph-Stift. AUch dort gibt es bislang keinen großen Anstieg bei Entbindungen. Im Kreiskrankenhaus Osterholz schließt man aber nicht aus, dass sich die eine oder andere Frau aus Mitte nun umentschieden hat. Bislang sind in Mitte pro Tag vier bis fünf Kinder auf die Welt gekommen.
| 2007 | 2008 | 2009 | |
|---|---|---|---|
| Klinikum Bremen-Mitte | 1.401 | 1.510 | 1.284 |
| Klinikum Bremen-Nord | 1.400 | 1.353 | 1.263 |
| Klinikum Links der Weser | 1.620 | 1.942 | 1.858 |
| Diakonie-Krankenhaus | 653 | 568 | 579 |
| St-Joseph-Stift | 1.352 | 1.342 | 1.456 |
| Klinikum Bremerhaven-Reinkenheide | 782 | 720 | 788 |
| St.-Joseph-Hospital Bremerhaven | 725 | 528 | 668 |
Auch das Klinikum Delmenhorst prüft, ob eine der beiden Entbindungs-Stationen geschlossen werden soll – aus wirtschaftlichen Gründen. Denn für Geburten müssen Fachpersonal und Ausstattung rund um die Uhr zur Verfügung stehen. Bislang sei die Konkurrenz in Bremen oder Oldenburg aber zu groß gewesen, hieß es. Nach eigenen Angaben bräuchte die Klinik 700 Geburten pro Jahr um kostendeckend zu arbeiten, es sei aber nur die Hälfte.
Nach Auskunft der Niedersächsischen Landeskrankenhaus-Gesellschaft sind Bassum und Delmenhorst die einzigen Standorte, die schließen oder geschlossen werden könnten. Ansonsten sei die Zahl der Entbindungs-Stationen in Niedersachsen seit zwölf Jahren konstant: Derzeit sind es 87. Künftig müssen Schwangere im Nordwesten aber zum Teil weitere Wege in Kauf nehmen, wenn sie im Krankenhaus entbinden wollen.
Geburtshilfe in Bremen und umzu
Hygieneskandal in Bremer Klinik
![Keime [Quelle: Radio Bremen] Keime [Quelle: Radio Bremen]](/politik/dossiers/krankenhauskeime/keime100_v-mediateaser.jpg)
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