Neues Gutachten zu Frühchentod
Die Bremer Staatsanwaltschaft hat im Zusammenhang mit dem Tod mehrerer Frühgeborener im Klinikum Mitte einen eigenen Gutachter beauftragt. Das vertrauliche Papier liegt Radio Bremen vor. Darin wird heftige Kritik gegen den Dachverband Gesundheit Nord (Geno) und SPD-Gesundheitssenatorin Renate Jürgens-Pieper geübt. Die CDU fordert den Untersuchungsausschuss jetzt auf, die Senatorin und den Gutachter noch einmal vorzuladen.
Video: Neues Gutachten zum Keimausbruch
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Das Gutachten im Auftrag der Bremer Staatsanwaltschaft sieht schwere Defizite im Skandal um tote Frühchen. Viele Fehler in vielen Bereichen haben nach Meinung des Krankenhaus-Hygienikers Prof. Walter Popp zum Tod von mindestens drei Frühchen im Klinikum Bremen-Mitte geführt. Aus seiner Sicht wurden die Erkrankungen und der Tod der Kinder durch Fahrlässigkeit verursacht. Zu den konkreten Vorwürfen nimmt Staatsanwalt Frank Passade derzeit keine Stellung. Gleichwohl weist er darauf hin, dass erst die Staatsanwaltschaft nach Prüfung des Gutachtens entscheidet, ob eine Handlung fahrlässig gewesen ist oder nicht. Der Sachverständige Popp sollte die Gesamtumstände aufklären, die letztlich zum Keimausbruch geführt haben, und ob die nachfolgenden Maßnahmen wirksam waren.
Heftige Kritik übt der Gutachter an der Klinik-Geschäftsführung. So sei der erneute Keimausbruch auf der wiedereröffneten Station vermeidbar gewesen. Denn insbesondere auf der Station 4027 sei zu wenig Pflegepersonal beschäftigt gewesen. Zudem sei die Reinigung "ungenügend organisiert, bekannte Probleme wurden offensichtlich nicht abgestellt", heißt es in dem 250 Seiten langen Gutachten. Krankenhaus-Hygieniker Popp hält das Ausbruchmanagement für nicht qualifiziert. Dem damaligen Chefarzt Hans-Iko Huppertz wirft er vor, die schlechte fachliche und personelle Ausstattung seiner Station zu lange toleriert zu haben.
In dem Gutachten steht, dass in der Behörde viel über die Schuldfrage diskutiert worden sei, aber nicht darüber, wie der Keimausbruch gestoppt werden könnte. Die Bremer Gesundheitssenatorin Renate Jürgens-Pieper (SPD) habe ihre Sorgfaltspflicht grob vernachlässigt. Es sei ihr mehr um Schadensbegrenzung als um eine nachhaltige Verbesserung in der Klinik gegangen. Die Senatorin, die zugleich auch Vorsitzende des Klinikverbund-Aufsichtsrates ist, hätte dafür sorgen müssen, dass die Klinik mehr Hygienefachkräfte und einen ausreichend qualifizierten Hygieniker hat. Jürgens-Pieper wollte zu den neuen Vorwürfen im Zusammenhang mit der tödlichen Infektionswelle nicht öffentlich Stellung nehmen. In einem Radio-Bremen-Interview sagte die Senatorin lediglich, dass sie die gegen sie erhobenen Vorwürfe zurückweist. Allerdings werde sie sich schriftlich gegenüber dem Untersuchungsausschuss erklären. Der wird aller Voraussicht nach nun seine bereits abgeschlossene Beweisaufnahme wiedereröffnen. Neben der Gesundheitssenatorin soll dann auch der Gutachter der Staatsanwaltschaft gehört werden.
Hygieneskandal in Bremer Klinik
![Keime [Quelle: Radio Bremen] Keime [Quelle: Radio Bremen]](/politik/dossiers/krankenhauskeime/keime100_v-mediateaser.jpg)
In diesem Online-Dossier werden wir Sie darüber informieren, welche Hygiene-Richtlinien in Bremer Krankenhäusern gelten und wie das Krankenhaus solche Infektionen melden muss.
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