Arbeitsgericht gibt Chefarzt Recht
Nach der tödlichen Infektionswelle auf der Bremer Frühgeborenen-Station hatte das Klinikum Bremen-Mitte dem langjährigen Chefarzt Huppertz fristlos gekündigt. Das Bremer Arbeitsgericht erklärte diese Entlassung nun für unwirksam.
Professor Hans-Iko Huppertz kann wieder in der Kinderklinik als Chefarzt arbeiten. So hat die zweite Kammer des Bremer Arbeitsgerichtes am 23. Mai 2012 entschieden. In einer mündlichen Verhandlung hörten die Richter beide Seiten. Erschienen waren als Kläger Hans-Iko Huppertz mit drei Anwälten und für das Klinikum Bremen-Mitte die pflegerische Geschäftsführerin Daniela Wendorff nebst Anwalt Lohfeld. Richter Böggemann wollten klären, in wie weit die Vorwürfe gegen Huppertz für seine Weiterbeschäftigung belastend sind. Dazu stand vor allem seine Tätigkeit als Chefarzt der Professor-Hess-Kinderklinik im Vordergrund. Demgegenüber hätte er von seinen anderen Aufgaben auch ohne Kündigung entbunden werden können. Damit sind seine Funktionen als stellvertretender Geschäftsführer, Hygienebeauftragter und Leiter der derzeit geschlossenen Frühgeborenen-Intensivstation gemeint. Hier genüge eine Änderung des Arbeitsvertrages. Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig.
Das Gericht ging die einzelnen Vorwürfe des Arbeitgebers durch und ließ sich die Abläufe in der Kinderklinik schildern. Professor Huppertz ist seit Juni 1999 als leitender Arzt in der Professor-Hess-Kinderklinik tätig. Er ist Facharzt für Kinderheilkunde und hat sich zudem auf den Gebieten der Rheumatologie und Infektiologie spezialisiert. Er leitete seit Februar 2007 neben der Kinderklinik mit zirka 99 Betten und der Intensivstation mit zwölf Betten (4028), dann auch noch die Frühgeborenenstation (4027) mit bis zu 16 Betten, die sich im Gebäude der Frauenklinik befand. Hier wurde der multiresistente Darmkeim am häufigsten nachgewiesen. Aber sowohl das Infektionsgesetz als auch der Hygieneplan konnten nicht eindeutig auf ein Fehlverhalten von Professor Huppertz schließen lassen. Auch konnte seine Rolle als Hygienebeauftragter nicht klar definiert werden. Sein Anwalt formuliert es so: "Er war in erster Linie Arzt.“ Und als solcher hoch geschätzt bei Kollegen und Patienten.
Die fristlose Kündigung hatte für Empörung in der Öffentlichkeit, bei Arztverbänden und vielen Klinikmitarbeitern gesorgt. Kritiker bemängelten, dass die Geno-Führung die Ergebnisse des Untersuchungsausschusses und des Robert-Koch-Institutes nicht abgewartet hatte. Die Deutsche Gesellschaft für Kinder- und Jugendmedizin sieht darin eine Vorverurteilung eines wissenschaftlich und klinisch exzellenten, erfahrenen Kinder- und Jugendarztes.
Fristlos gekündigt: Professor Huppertz
Chefarzt der Bremer Kinderklinik
Hygieneskandal in Bremer Klinik
![Keime [Quelle: Radio Bremen] Keime [Quelle: Radio Bremen]](/politik/dossiers/krankenhauskeime/keime100_v-mediateaser.jpg)
In diesem Online-Dossier werden wir Sie darüber informieren, welche Hygiene-Richtlinien in Bremer Krankenhäusern gelten und wie das Krankenhaus solche Infektionen melden muss.
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