Klinikum Bremen-Mitte
Der erneut bei einem Kleinkind im Klinikum Bremen-Mitte gefundene Keim ist sehr wahrscheinlich derselbe Erreger, der bereits im vergangenen Jahr grassierte. Das haben die weiteren Untersuchungen des Keims erbracht. Damals waren drei Frühchen an diesem Darmkeim gestorben.
Mit 95-prozentiger Wahrscheinlichkeit handelt es sich um den altbekannten Erreger. Das teilte das Medizinische Labor Bremen Radio Bremen mit. Ein eindeutiges Ergebnis, ob der jetzt gefundene Keim genetisch mit dem gefährlichen Erreger übereinstimmt, könne erst die Untersuchung in einem Bochumer Labor bringen, sagte Michael Huesmann von der Bremer Gesundheitsbehörde. Das Ergebnis werde in zwei bis drei Wochen vorliegen. Bei dem Jungen war nach der Operation routinemäßig ein Abstrich vorgenommen worden. Das Kind werde jetzt isoliert betreut. Bislang ist unklar, wie der Säugling mit dem Keim in Kontakt kommen konnte.
Nach Angaben von Rolf Schlüter, eines Sprechers des Klinikverbundes, handelt es sich bei dem betroffenen Kind um einen zehn Wochen alten Säugling. Er war Ende Februar 2012 als Frühchen im Klinikum "Links der Weser" geboren und dann für eine Operation ins Klinikum Mitte verlegt worden. Der Zeitraum, in dem die resistenten Darmbakterien auf den Jungen übertragen worden seien, habe eingegrenzt werden können, sagte der Sprecher. Alle Mitarbeiter, die in der Zeit auf der Station gearbeitet hätten, würden getestet.
Der Säugling ist aber nicht erkrankt. Er wurde wegen eines Leistenbruchs operiert. Alle Abstriche die in beiden Kliniken gemacht wurden, seien negativ gewesen. "Also kam das Kind im Klinikum Bremen-Mitte mit dem Keim in Kontakt", so Schlüter. Das Kind zeige keine Anzeichen einer Infektion, sei aber isoliert worden. Dennoch bedeutet der neue Fund, dass die Ansteckungsgefahr im Klinikum Mitte nicht gebannt ist. Das Bremer Gesundheitsamt und das Berliner Robert-Koch-Institut seien eingeschaltet.
Im Radio-Bremen-Interview spricht die Geno-Chefin, Jutta Dernedde, von zwei weiteren Fällen. Sie stammen aber noch von der letzten Ausbruchsserie. Die Babys seien zwar "besiedelt", aber nicht an dem Erreger erkrankt. Dass nun ein weiteres Neugeborenes mit dem Keim in Konzakt gekommen ist, bedauert die Geno-Chefin. Natürlich liege jetzt die Vermutung nahe, dass der Keim durch das Klinik-Personal übertragen wurde. Jutta Dernedde schließt diese Möglichkeit jedoch aus. Denn das betreffende Kind werde isoliert in einem Einzelzimmer von gesonderten Pflegepersonal versorgt. Die Klinik versucht nun aufzuklären, wie es trotzdem dazu kommen konnte. In einer Krisensitzung beschloss die Geno, alle rund 70 Mitarbeiter zu testen, die mit dem Kind Kontakt hatten. In der Frühchenstation im Klinikum Bremen-Mitte starb trotz aufwändiger Sanierung der Räume im Februar ein weiteres Frühchen. Die Station ist seither geschlossen.
Hygieneskandal in Bremer Klinik
![Keime [Quelle: Radio Bremen] Keime [Quelle: Radio Bremen]](/politik/dossiers/krankenhauskeime/keime100_v-mediateaser.jpg)
In diesem Online-Dossier werden wir Sie darüber informieren, welche Hygiene-Richtlinien in Bremer Krankenhäusern gelten und wie das Krankenhaus solche Infektionen melden muss.
Ausschuss-Tagebuch
Parlamentsausschuss
Abgeordnete der Bremischen Bürgerschaft haben den Keimausbruch untersucht. Mehr...
Vorbild Holland
Die Zahl der Infektionen ist dort deutlich niedriger als bei uns. Was machen die Niederländer anders? Mehr...
Um welchen Keim geht es?
Warum können Darmkeime gerade für Säuglinge so gefährlich sein? Was passiert bei einer Infektion mit Klebsiella pneumoniae? Mehr...
Beiträge zum Hygiene-Skandal
Jetzt läuft
ARD-Feature: Die Spur der Keime
Vor einem Jahr starben im Klinikum Bremen-Mitte drei Frühgeborene an einer Bakterien-Infektion. Die Rundfunkjournalistin Gaby Mayr zieht in einer Radio-Bremen-Produktion für das ARD-Radiofeature eine Bilanz des Klinikskandals. Mehr...
Radio-Diskussion: Auf der Intensivstation
Über die Diagnose des Patienten besteht Einigkeit: Mehrere kommunale Kliniken in Bremen haben wirtschaftliche Probleme, ihnen geht es schlecht und damit auch der gemeinsamen Krankenhausdachgesellschaft, der Gesundheit Nord (Geno). Darüber diskutieren Politiker, Ärzte und Krankenkassenvertreter. Mehr...
Jetzt auf radiobremen.de
Transport nach Kanada: Tonnenschwerer Koloss im Neustädter Hafen verschifft
Tote Frau im Pflegeheim: Bremer Sozialsenatorin will tägliche Kontakte
VBN-Jahresbilanz: Fahrgastzahlen und Einnahmen gestiegen
Neuer Trainer vorgestellt: Robin Dutt: "Werder ist Euphorie pur!"