Erleichterung im Klinikum Bremen-Mitte
Die Quelle für den tödlichen Keim auf der Frühgeborenen-Station ist möglicherweise gefunden. Wie ein externer Sachverständige mitteilte, wurde die DNA des Erregers in einer Dosieranlage für Desinfektionsmittel entdeckt. Im Auftrag des Klinikverbunds "Gesundheit Nord" durchsuchte der Wissenschaftler zwei Monate lang gründlich die stillgelegte Station.
Video: Keime im Desinfektionsgerät?
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Der Direktor des Instituts für Hygiene an der Universität Bonn, Martin Exner, teilte am 8. Juni 2012 in Bremen mit, wie er auf die Keimquelle gestoßen ist. Nachdem er mit seinem Team alle Systeme für Leitungswasser, Abwasser, Luft sowie Kontaktflächen untersucht hatte, entdeckten die Forscher in einem Schlauch eines Desinfektionsautomaten einen Biofilm, in dem sie Reste des Klebsiella-pneumonia-Stamms nachweisen konnten. Mit diesem Gerät mischen die Reinigungs- und Pflegekräfte das konzentrierte Desinfektionsmittel mit Leitungswasser im gewünschten Verhältnis. Die Anlage war seit einem Monat nicht mehr in Betrieb. Deshalb konnten die Forscher auch keine frischen Kulturen finden. Erst ein DNA-Test kann den Verdacht bestätigen. Die Wissenschaftler vermuten hier aber eine Ursache, warum sich der Keim so lange auf der Station halten konnte.
Auf der Frühchenstation im Bremer Klinikum Mitte waren mehrere Babys nach einer Bakterieninfektion gestorben. Er heißt Klebsiella pneumonia. Besonders Patienten mit einem geschwächten Immunsystem können sich nicht dagegen wehren. Auch nicht mit Hilfe von Medikamenten: So ist der Klebsiellen-Stamm in Bremen beispielsweise gegen drei Antibiotika-Typen resistent, erklärt Professor Exner. Die Forscher haben alle bisherigen Untersuchungen ausgewertet und kommen zu dem Schluss, dass der Keim, der zuvor noch nie in Deutschland aufgetreten war, wahrscheinlich von einem ausländischen Kind auf die Station gebracht wurde und sich seit 2009 dort aufhält. Bisher gingen die Wissenschaftler davon aus, dass die Ursache beim Personal zu suchen sei. Aber alle Testergebnisse blieben negativ. Anschließend wurde die Station aufwendig saniert und im Januar wiedereröffnet. Anfang Februar wurde der Keim wieder entdeckt. Zwei besiedelte Babys starben. Die Infektion könnte ursächlich gewesen sein.
Dosiergeräte für Desinfektionsmittel, wie sie in Bremen verwendet werden, gibt es in allen deutschen Krankenhäusern. In der regelmäßigen Wartung dieser Automaten ist ein Austausch der Schläuche bisher nicht vorgesehen. Jetzt prüft der Klinkverbund, ob sie in Betrieb bleiben können. Derzeit ist ihr Einsatz noch alternativlos.
Hygieneskandal in Bremer Klinik
![Keime [Quelle: Radio Bremen] Keime [Quelle: Radio Bremen]](/politik/dossiers/krankenhauskeime/keime100_v-mediateaser.jpg)
In diesem Online-Dossier werden wir Sie darüber informieren, welche Hygiene-Richtlinien in Bremer Krankenhäusern gelten und wie das Krankenhaus solche Infektionen melden muss.
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