Behörde bestätigt Keime in Klinik
Im Klinikum Bremen-Mitte sind drei Säuglinge ums Leben gekommen. Entsprechende Radio-Bremen-Berichte haben die Behörden am Mittwoch bestätigt. Grund ist ein Hygiene-Problem mit resistenten ESBL-Darmkeimen. Experten des Robert-Koch-Institutes untersuchen die Situation. Für die Intensivstation für Frühgeborene wurde ein Aufnahmestopp verhängt.
Ein Todesfall ereignete sich demnach erst vor Kurzem: Bei einem Kind waren nach Radio-Bremen-Informationen gefährliche Keime nachgewiesen worden, ob es aber daran gestorben ist, konnte bisher nicht geklärt werden. Zwei weitere Säuglinge starben bereits vor mehreren Wochen. Bei den Todesfällen handelt es sich um zwei Jungen und ein Mädchen. Zwei der Kinder stammen aus Bremen und eines aus Niedersachsen.
Die Staatsanwaltschaft ermittelt inzwischen in dem Fall und hat Ärzte als Zeugen verhört. Sie wurde erst durch Medienberichte auf das Thema aufmerksam. Ein Polizeisprecher sagte zu Radio-Bremen-Reportern: "Eigentlich hätten wir vorher informiert werden müssen."
Der Staatsrat in der Gesundheitsbehörde, Joachim Schuster, erklärte, die Fälle seien zwischen August und Oktober aufgetreten. Es handele sich um den sogenannten ESBL-Keim. "Wo der Keim herkommt, ist noch unbekannt", sagte der Gesundheitsstaatsrat. "Wir kennen leider nicht die Quelle der Infektion." Das Klinikum hatte von einem "schweren hygienischen Zwischenfall" gesprochen. Erste Berichte, nach denen Nährlösungen verunreinigt waren, bestätigten sich nicht.
ESBL
Es handele sich um ein Darmbakterium, das gegen Antibiotika resistent ist. Jedenfalls hat Antibiotikum bei den meisten nicht gegriffen. Besonders anfällig sind Patienten mit geschwächter Abwehr – wie Frühgeborene.
Der Geschäftsführer der Krankenhausgesellschaft Gesundheit Nord, Diethelm Hansen, erklärte, dass weltweit regelmäßig Menschen an Krankenhauskeimen sterben. "Die Vorstellung, man könne das verhindern, ist illusorisch“, sagte Hansen. Zugleich sprach er aber von einer extrem belastenden Situation für Angehörige und Mitarbeiter. Insgesamt sei der Keim bisher bei 15 Frühgeborenen nachgewiesen worden. Acht von ihnen seien nicht erkrankt. Bei sieben Säuglingen brach die Krankheit aus, so die Information vom Mittwoch. Drei von ihnen sind gestorben.
Das Gesundheitsressort zeigte sich "erstaunt“ über die Informationspolitik der Klinik. Hansen begründete sie damit, dass zunächst nur einzelne Todesfälle aufgetreten waren. Dies sei aber auf einer Frühchen-Station normal. Nach der ersten Welle dachte die Klinik, das Problem im Griff zu haben. Dies sei aber ein Irrtum gewesen.
Die Pflegerische Geschäftsführung im Klinikum Bremen-Mitte, Daniela Wendorff, erklärte, dass ihre Mitarbeiter jetzt Schuldgefühle haben, da jeder von Ihnen den Keim übertragen haben könnte. "Jeder Mitarbeiter hat das Gefühl, er könnte Schuld sein", sagte sie. Aus ihrer Sicht habe die Klinik alles getan, was in ihrer Möglichkeit stand. "Wir sind mit unserem Latein am Ende gewesen. Wir haben die Quelle nicht gefunden.“
Frühchen
Die ärztliche Geschäftsführerin des Klinikums Bremen-Mitte, Brigitte Kuss, berichtet, dass die Frühchen auf der Station nicht mehr als 1.000 Gramm wiegen. Weniger als die Hälfte hat eine Überlebenschance.
In der Gesundheitsdeputation der Bremischen Bürgerschaft ließ auch Senatorin Renate Jürgens-Pieper (SPD) anklingen, dass sie möglicherweise zu spät vom Klinikum über den Fall informiert worden sei. Denn erst am Dienstag dieser Woche wurde dem Ressort die Situation mitgeteilt. Wenn die akute Gefährdung beseitigt sei, müsse geprüft werden, ob die Informationspolitik des Klinikums angemessen gewesen sei. Dass der Fall im August und September noch als "nicht meldepflichtig" eingeschätzt wurde, sei wohl nachvollziehbar und in Ordnung. Aber spätestens im Oktober hätte das Ressort schon eingeschaltet werden müssen, so die Senatorin.
Betroffen und schockiert zeigt sich der gesundheitspolitische Sprecher der CDU-Fraktion, Rainer Bensch. Er fordert für die Sitzung der Gesundheitsdeputation umfassende Aufklärung über die Ursachen und erwartet von der zuständigen Senatorin eine transparente Informationspolitik. In Mainz hatte es im Sommer vergangenen Jahres einen ähnlichen Vorfall gegeben. Dort hatten insgesamt elf Kinder eine Infusion erhalten, die mit Darmbakterien verseucht war. Zwei Säuglinge waren daran gestorben. Damals waren die Bakterien über eine defekte Infusionsflasche in die Lösung geraten.
Zum Nachlesen:
Informationen direkt von der Pressekonferenz
Hygieneskandal in Bremer Klinik
![Keime [Quelle: Radio Bremen] Keime [Quelle: Radio Bremen]](/politik/dossiers/krankenhauskeime/keime100_v-mediateaser.jpg)
In diesem Online-Dossier werden wir Sie darüber informieren, welche Hygiene-Richtlinien in Bremer Krankenhäusern gelten und wie das Krankenhaus solche Infektionen melden muss.
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