Tote Frühgeborene im Klinikum Bremen-Mitte
Genug! Es ist genug! Erst die Horrornachricht der vergangenen Woche, dass zwei Babys auf der Frühchenstation im Klinikum Bremen-Mitte an resistenten Krankenhauskeimen gestorben sind, dann stirbt ein drittes Baby. Angeblicher Beginn der Infektionskette: Ende Juli. Heute dann die schlimme, die zutiefst beunruhigende Nachricht: Den ersten Infektionsfall gab es bereits am 30. April – vor mehr als einem halben Jahr.
23 Fälle, fünf mehr, als bisher angenommen. Darunter war auch ein infiziertes Kind, das unterdessen verstorben ist. Wohl nicht an den Keimen – heißt es jetzt. Drei tote Kinder also, die zu früh geboren ohnehin um ihr kleines Leben kämpfen mussten, gegen diesen Keim aber keine Chance hatten. Drei Elternpaare, Freunde, Verwandte, die allesamt sicher waren, dass die Babys gut aufgehoben sind in einem Bremer Krankenhaus. Und wie viele, die jetzt noch hoffen und bangen, dass es gut geht – trotzdem.
Seit dem 30. April geht das so. Seit dem 8. September ist das Bremer Gesundheitsamt informiert. Erst am 27. Oktober ziehen Klinik und Gesundheitsamt die Experten vom Robert-Koch-Institut zu Rate. Da ist gerade das dritte Baby gestorben. So verlief ein halbes Jahr Lebensgefahr für Frühchen in einem Bremer Krankenhaus. Ein halbes Jahr organisierte Unverantwortlichkeit.
Halten wir kurz inne und fragen: Was bloß ist innerhalb diesen halben Jahres in den Köpfen der Ärzte und der Verantwortlichen im Klinikum Mitte vorgegangen? Und was bei denen beim Gesundheitsamt? Wie viele Menschen wussten um diese tödliche Gefahr? Und wie viele haben es nicht fertig gebracht, zum Telefonhörer zu greifen, um mal am treudeutschen Dienstweg vorbei Alarm zu schlagen, um das Leben von Babys zu retten?
Es wäre so einfach gewesen! Der erste bittere, unendlich traurige Befund dieses Falles heißt: Niemand hat es getan. Und dann fragen wir weiter: Es gibt doch Regeln, wann solche Infektionen gemeldet werden müssen. Warum bloß wurden die nicht eingehalten? "Man hätte früher informieren müssen", sagt der Chef des Klinikverbundes. Und: "Wir geben öffentlich bekannt, dass wir Fehler gemacht haben." Das ist so wahr - und klingt heute, ein halbes Jahr danach, so sehr wie Hohn.
Drei tote Babys - braucht man mehr Beweise für den Satz: Sie können's nicht!? Sie können's nicht in der Klinik, nicht beim Klinikverbund, nicht im Bremer Gesundheitsamt. Und offenbar haben wir's mit einer Gesundheitssenatorin und einem Staatsrat zu tun, in deren Verantwortungsbereich im Wortsinne tödliches Chaos herrscht.
Wer, bitteschön, lässt unter diesen Umständen sein Baby guten Gewissens in dieser Klinik versorgen? Im Krankenhaus geht's zuallererst um Vertrauen. Das ist gerade nicht mehr existent. Ohne einen radikalen und glaubwürdigen organisatorischen Neuanfang kommt dieses Vertrauen nicht zurück. Und so ein Neuanfang geht nur mit anderem Leitungspersonal.
Kurzum: Ich will die da nicht mehr sehen. Die Verantwortlichen im Klinikum Mitte nicht, nicht die im Klinikverbund, die im Gesundheitsamt nicht und auch nicht die an der Spitze des Gesundheitsressorts. Um Vertrauen zurückzugewinnen und - ja - auch aus Gründen des politischen Anstandes: Frau Senatorin Jürgens-Pieper, gehen Sie! Genug! Es ist genug!
Hygieneskandal in Bremer Klinik
![Keime [Quelle: Radio Bremen] Keime [Quelle: Radio Bremen]](/politik/dossiers/krankenhauskeime/keime100_v-mediateaser.jpg)
In diesem Online-Dossier werden wir Sie darüber informieren, welche Hygiene-Richtlinien in Bremer Krankenhäusern gelten und wie das Krankenhaus solche Infektionen melden muss.
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