Ratlosigkeit nach weiteren Todesfälle
Niemand mag mehr diese Geschichten hören: Wieder zwei tote Babys auf der Frühchenstation im Klinikum Bremen Mitte! Viele in Bremen haben gehofft, dass nach dem Tod von Frühchen im vergangenen Jahr, nach der Beratung durch die besten Hygienespezialisten der Welt, nach dem Umbau und der Desinfektion der Station, nach der Einführung schärfster Hygienerichtlinien nun die keimfreiste Station des Universums entstanden wäre. Bremen hat Lob für diese Maßnahmen bekommen. Aber nun: Wieder dieselben Keime, wieder sind Frühchen betroffen. Ob die toten Babys aus dieser Woche an genau diesem Keim gestorben sind – man weiß es noch nicht. Wie überhaupt: Es herrscht Ratlosigkeit. Sowohl bei der Frage nach dem Woher, als auch bei was nun.
Das ist der erste, sehr beunruhigende, Befund in dieser Woche hektischster Betriebsamkeit in der Klinik selbst und bei der Bremer Gesundheitssenatorin: Sie sind ratlos. Nun soll die Station geschlossen werden. Eine andere Klinik soll die Frühchen versorgen. Aber weil niemand weiß, woher der Keim eigentlich kommt, kann eben auch niemand mit Sicherheit sagen, ob diese Schließung mehr ist, als hohler Aktionismus.
Was das Stichwort für den zweiten Befund des Tages ist: Aktionismus ist nämlich gerade nicht Aufklärung, nach der man dann sinnvolle Maßnahmen ergreifen kann. Aktionismus gaukelt Sicherheit nur vor. Vier Monate lang haben Gesundheitssenatorin Jürgens-Pieper und der Chef der Klinik-Holding Hansen brutalstmögliche Aufklärung versprochen. Die Staatsanwaltschaft ermittelt, seit Dezember kümmert sich ein parlamentarischer Untersuchungsausschuss um die Sache – und jetzt, ganz plötzlich taucht eine Probe aus dem Jahr 2009 auf, die beweist, dass der tödliche Keim damals schon in der Klinik wütete. Plötzlich werden Akten über Keimbefall in den vergangenen Jahren gefunden, von denen der Untersuchungsausschuss bis heute nicht wusste. Die Senatorin auch nicht.
Kleine Erinnerung: Im Fall der Keime auf der Frühchenstation geht es um nichts weniger als um Leben und Tod. Bei den Kindern, die betroffen waren – vor allem aber bei den Kindern, die Betroffen werden können. Wer nicht sagen kann, woher der Keim kommt, kann nicht verhindern, dass er wiederkommt. Kann es wahr sein, dass dann vier Monate nach dem Tod von Kindern relevante Laborergebnisse und relevante Akten noch immer nicht ausgewertet sind? Es ist wahr, leider. Ist das verantwortungsvolles Krisenmanagement? Ach was! Hinter der Fassade des Aktionismus ist die alte Schlamperei fröhlich weitergegangen.
Was aber wäre das jetzt? Verantwortungsvolles Handeln?
Nun hat die Senatorin den Chef der Klinikholding und den Klinik-Hygieniker entlassen. Reicht das aus? Wer hat dieses Krisenmanagement betrieben? Wer hat entschieden, bis auf den Chef der Kinderklinik selbst all diejenigen nun zu Ermittlern und Aufklärern zu machen, die zuvor so furchtbar versagt haben? Wer hat zu verantworten, dass der Ruf der Klinik jetzt bis auf Weiteres ruiniert ist? Es drohen Millionenverluste, die die gesamte Bremer Klinikholding existenziell bedrohen. Wer also trägt Verantwortung?
Hygieneskandal in Bremer Klinik
![Keime [Quelle: Radio Bremen] Keime [Quelle: Radio Bremen]](/politik/dossiers/krankenhauskeime/keime100_v-mediateaser.jpg)
In diesem Online-Dossier werden wir Sie darüber informieren, welche Hygiene-Richtlinien in Bremer Krankenhäusern gelten und wie das Krankenhaus solche Infektionen melden muss.
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