Bericht des Robert-Koch-Instituts
Eine Woche lang waren die Experten vom Robert-Koch-Institut (RKI) im Klinikum Bremen-Mitte und haben den gehäuften Ausbruch durch Klebsiella-Keime untersucht. Ihren Bericht stellten Senatorin Renate Jürgens-Pieper (SPD) und der Chef des Klinkverbundes Gesundheit-Nord (Geno) Diethelm Hansen auf einer Sondersitzung der Deputation am 1. Dezember 2011 vor.
Video: Bericht von Dirk Blumenthal und Christian Dohle.
Einstellungen, Infos und Kommentare
Die gute Nachricht war, dass seit dem 14. November keine neuen Fälle entdeckt wurden. Daher geht das RKI davon aus, dass "der Ausbruch derzeit unterbrochen ist.“ Aber die Wissenschaftler fanden leider nicht heraus, wie der Keim auf die Frühchen-Station gelangt war. Ungeklärt bleibt auch, wie er sich ausgebreitet hat. Es sei aber sehr wahrscheinlich, dass der Keim von Mensch zu Mensch übertragen wurde. Für dieses Ergebnis werteten sie 348 so genannte Umgebungsuntersuchungen aus. Dabei handelt es sich um routinemäßige Abstriche aus den Stationsräumen und von den Mitarbeitern bzw. deren Kleidung. Die Keime waren nachweislich an einer Windelwaage, einem Schnuller, einem Behälter für gebrauchte Kanülen und an Händen eines Mitarbeiters.
Keimnachweis von Klebsiella pneumoniae auf der Fühchenstation sowie der Kinder-Intensivstation im Klinikum Bremen-Mitte. Im Jahr 2011 traten bisher 25 Fälle auf.
Das Robert-Koch-Institut (RKI) rechnet dem Keimausbruch 25 Fälle zu: Sieben sind bestätigt, bei zwölf stehen die Laborergebnisse noch aus und sechs Fälle gehören wahrscheinlich dazu, aber eine genaue Typisierung konnte nicht mehr ermittelt werden. Vier Frühchen starben während dieser Zeitspanne an einer Sepsis (Blutvergiftung) infolge der Keim-Infektion. Ein Todesfall führe auf eine Gehirnblutung zurück, erklärte Gesundheitssenatorin Jürgens-Pieper. Im Zuge der Ermittlungen gegen den Chefarzt Hans-Iko Huppertz nannte die Staatsanwaltschaft zwar zwei weitere Fälle, dafür sei der Keimausbruch aber nicht die Ursache gewesen, so berichtete die Senatorin weiter.
RKI-Bericht
Dieser Zwischenbericht berücksichtigt die Daten bis 18. November und zeigt somit nur einen vorläufigen Stand der Dinge. Die Senatorin vermutet aber, dass in dem noch ausstehenden Abschlussbericht keine wesentlich neuen Erkenntnisse stehen werden.
Die Wissenschaftler untersuchten auch die Personalsituation und stellten fest, dass die Personalstärke keinen Einfluss auf den Keim-Ausbruch hatte. Dies empfindet Geno-Chef Hansen beruhigend für alle. In der Zeit von Juli bis November versorgte hier eine Pflegekraft durchschnittlich für rund 4,5 Patienten. Das entspräche überwiegend den Empfehlungen der Fachverbände. Eine Mindestbesetzung sei aber gesetzlich nicht festgelegt, so Hansen weiter. In diesem Jahr seien die 16 Betten auf der Frühchenstation zu 70 Prozent belegt gewesen. Dies entspricht etwa zehn bis elf Patienten, für die dann drei bis vier Pfleger zuständig waren. Problematisch seien nach Einschätzung des Geno-Chefs die "unvorhersehbaren Spitzen“ aufzufangen, wie sie beispielsweise bei Notfällen eintreten. Hansen bestätigt in seinem mündlichen Bericht, dass der entlassene Chefarzt der Kinderklinik Huppertz mehr Personal von ihm gefordert habe. In Zeiten knapper Kassenlage stünden aber solche Diskussionen auf der Tagesordnung. Schuld sei der bundesweite Finanzierungsrahmen, der die Krankenhäuser zu immer weiteren Sparmaßnahmen zwinge.
Das Robert-Koch-Institut hat dem Klinikum Bremen-Mitte Empfehlungen für die Frühchen-Station ausgesprochen, unter anderem soll umgebaut werden. Die betroffene Station im Klinikum Bremen-Mitte ist derzeit noch geschlossen, wird gereinigt und neu eingerichtet. Sie soll aber noch vor Weihnachten wiedereröffnet werden, sagte der Geno-Chef Diethelm Hansen. Außerdem soll für die Leitung der Frühchen-Station ein eigener Chefarzt eingesetzt werden. Bisher hatte der Leiter der Kinderklinik auch die Frühchen-Station betreut. Zunächst soll eine kommissarische Leitung eingesetzt werden, so Hansen. Er werde sich aber bemühen, so rasch wie möglich eine endgültige Lösung zu finden.
Hygieneskandal in Bremer Klinik
![Keime [Quelle: Radio Bremen] Keime [Quelle: Radio Bremen]](/politik/dossiers/krankenhauskeime/keime100_v-mediateaser.jpg)
In diesem Online-Dossier werden wir Sie darüber informieren, welche Hygiene-Richtlinien in Bremer Krankenhäusern gelten und wie das Krankenhaus solche Infektionen melden muss.
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