Klinikum Bremen-Mitte
Im Klinikum Bremen-Mitte hat es 2011 neben dem schon bekannten Keimausbruch auch gefährliche Bakterien im Trinkwasser gegeben. Auf der Frühgeborenen-Station war das Leitungswasser mit so genannten Pseudomonaden verunreinigt. Das bestätigte der Klinikverbund auf Anfrage von Radio Bremen. Ein Zusammenhang zu den gefährlichen Darmkeimen sei aber ausgeschlossen.
Video: Wieder Keime im Klinikum Mitte
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Entdeckt wurden die Bakterien bei einer Routinekontrolle durch das Klinikum selbst. Im September 2011 wurde auf der Frühchenstation und in der Professor-Hess-Kinderklinik Proben genommen, die auffällig waren. So wurde auf der Frühchenstation das Bakterium im Leitungswasser nachgewiesen. Auf der Kinderintensivstation fanden sich die Pseudomonaden auf einem Beatmungsgerät. Offenbar wurde es mit bakterienverseuchtem Wasser gereinigt. Eine Sprecherin des Klinikverbundes erklärte, die Bakterien seien allerdings nur einmal in einer kritischen Menge festgestellt worden. Es gebe also kein grundsätzliches Problem mit Bakterien im Leitungswasser. Wie sie ins Wasser gelangen konnte, ist unklar.
Bei dem Bakterium handelt es sich um Pseudomonas. Sie können bei Menschen mit geschwächtem Immunsystem Infektionen auslösen. Krankenhäuser testen deshalb regelmäßig das Wasser. Solche Tests finden aber bei Wasserversorgungswerken nicht immer statt. In Bremen ist das Unternehmen „SWB“ für die Frischwasserversorgung zuständig. Sie sucht nach 150 Erregern im Wasser – aber nicht nach Pseudomonaden. „Die im Leitungswasser des Klinikums gefundenen Pseudomonaden (Bakterien) gehören nicht zu den gemäß Trinkwasserverordnung routinemäßig zu untersuchenden 150 Kenngrößen, auf die SWB gezielt prüft.“ Auch die Bremer Gesundheitsbehörde lässt in über 50 Einrichten wie Krankenhäusern und Altenheimen das Wasser testen. Eine Behördensprecherin erklärte Radio Bremen, dass „bislang Pseudomonaden nicht untersucht werden, weil die selten im Wasser sind, sie sind eher in Lebensmitteln“.
Bekannt wurde das Bakterien-Problem im Klinikum-Mitte erst spät. Ein Experte hatte in einem bislang vertraulichen Gutachten für die Bremer Staatsanwaltschaft auf das Bakterien-Problem aufmerksam gemacht. In dem Gutachten, dass Radio Bremen vorliegt, kritisiert der Experte das renommierte Robert-Koch-Institut. Das Institut versucht seit November die Ursachen für den Keimausbruch auf der Frühchenstation zu finden. Es wusste von den Bakterien im Wasser und hat diese in einem offiziellen Bericht nur im Anhang erwähnt, aber nicht weiter Stellung dazu genommen. Der Gutachter der Staatsanwaltschaft wirft die Frage auf, warum das Robert-Koch-Institut damit so umgegangen ist. Das Institut wollte zum Vorwurf keine Stellung nehmen. Dagegen hat der Klinikverbund Gesundheit Nord Fehler im Umgang mit dem Bakterienfund eingeräumt. Es sei unglücklich, dass diese Informationen erst auf diesem Weg öffentlich bekannt wurden, so eine Sprecherin.
Gesundheitspolitiker von CDU und Linken in Bremen haben kritisiert, dass erst heute bekannt wurde, dass im vergangenen Jahr im Trinkwasser des Klinikum Mitte gefährliche Bakterien nachgewiesen wurden. Der gesundheitspolitische Sprecher der CDU Rainer Bensch bezeichnete die Nachricht über verunreinigtes Trinkwasser in dem Bremer Klinikum als "erneuten Skandal im Skandal". Durch eine solch mangelhafte Kommunikation könne nicht das verlorengegangene Vertrauen zurückgewinnen, sagte der Christdemokrat. Der Klinikverbund hatte den Bakterienfund zuvor als einmaligen Fall bezeichnet. Es gebe kein grundsätzliches Problem. Die Partei "Die Linke" bezweifelt das. "Weil die Bakterien zufällig gefunden wurden, könne man gar nicht wissen, dass es ein einmaliger Vorfall sei", sagte die Politikerin Claudia Bernhard am Rande einer Sitzung des Untersuchungsausschusses zur Infektionswelle.
Geno-Chefin Jutta Dernedde will das Bakterien-Problem aufklären. Große Hoffnungen setzt sie in den neuen Leiter des Hygiene-Institutes.
Zeugen am 31. Mai 2012
Bei der Sitzung des Untersuchungsausschusses am 31. Mai 2012 war auch die Chefin des Klinikverbundes Gesundheit Nord (Geno) als Zeugin geladen. Sie sagte vor dem Ausschuss, dass die Bakterienfunde im Trinkwasser geklärt werden müssten. Bislang kann die Geno den Bakterienfund nicht erklären. Relativ häufig entstehen sie in feuchten Milieus, zum Beispiel wenn bei Bauarbeiten Wasser in den Rohren steht, so Geno-Chefin Dernedde. Der Bremer Mikrobiologe Johann-Wolfgang Wittke schließt aus, dass sich die Bakterien schon im Trinkwasser der Bremer Wasserwerke befunden haben. Auch er vermutet stattdessen auf Reparaturarbeiten an Wasserrohren als Quelle. Häufig seien Werkzeuge oder Materialen kontaminiert und könnten so weit nach den Wasserwerken ins Trinkwasser gelangen.
In der kommenden Woche wird der Untersuchungsausschuss seine Zeugenbefragung fortsetzen. Hintergrund für die Ausweitung der Befragungen ist die Infektionswelle im Klinikum-Mitte, die immer noch nicht gestoppt ist. Wie bereits berichtet, kam Mitte Mai erneut ein Frühgeborenes mit dem gefährlichen Darmkeim in Kontakt. Dazu wollen die Ausschussmitglieder neben dem Bremer Gesundheitsamt auch die Hygiene-Experten des Robert-Koch-Institutes erneut einladen. Aus Kreisen des Untersuchungsausschusses war zu erfahren, dass die Experten auch zu den nun bekannt gewordenen Vorwürfen um den Bakterienfund befragt werden sollen. Warum haben sie den Bakterienfund in ihrem Zwischenbericht nur am Rande erwähnt, aber nicht weiter beleuchtet? Am Donnerstag, 14. Juni wird sich Tim Eckmanns aller Voraussicht nach dieser Frage stellen müssen. Zunächst werden jedoch am Dienstag, 12. Juni Mitarbeiter des Bremer Gesundheitsamtes angehört.
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Hygieneskandal in Bremer Klinik
![Keime [Quelle: Radio Bremen] Keime [Quelle: Radio Bremen]](/politik/dossiers/krankenhauskeime/keime100_v-mediateaser.jpg)
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