Hygiene-Experte sagen aus
Mit jeder Sitzung des Untersuchungsausschusses zu den Krankenhauskeimen scheint die Transparenz weniger zu werden. Diesen Eindruck bekommen die Ausschussmitglieder auch nach der Sitzung am 14. Juni 2012. Denn wieder hat das Gesundheitsressort offenbar mehr gewusst als es bekannt gegeben hat.
Video: Ärger für die Gesundheitssenatorin
Einstellungen, Infos und Kommentare
Zeugen am 14. Juni 2012
Schon zu Beginn der Sitzung wurde klar: Ein wichtiges Thema ist die Informationspolitik, denn hier gibt es Kritik in vielen Punkten. Dr. Tim Eckmanns vom Robert-Koch-Institut (RKI) erfuhr nach eigenen Angaben erst durch die Medien davon, dass es ein Reinigungs-Gutachten gibt. Auf seine Anfrage hin wurde es ihm zugeschickt. "Ich hätte erwartet, dass wir es vorher bekommen hätten", sagte Eckmanns dazu. Immerhin fehlte dem RKI dadurch eine wichtige Erkenntnis: Das Reinigungspersonal hat laut Gutachten unzureichend gearbeitet. Für den Abschlussbericht, an dem das RKI maßgeblich beteiligt ist, kann diese Information wesentlich sein.
Eine weitere Information musste Dr. Tim Eckmanns der Presse entnehmen: Die neue mögliche Keimquelle, ein Schlauch einer Desinfektionsanlage. "Unsere Untersuchungen haben das bisher nicht ergeben", so Eckmanns zu diesem noch nicht vollständig geklärten Fund des Bonner Sachverständigen, Prof. Martin Exner. Das RKI hatte selbst schon im November 2011 eine mögliche Ursache durch das Desinfektionsmittel untersucht und keine Nachweise dafür finden können. Die neuen Informationen stellen für Eckmanns die bisherigen Erkenntnisse möglicherweise in Frage. "Wenn sich die Aussagen von Prof. Exner über das Desinfektionsgerät bestätigen sollten verzögert das die Arbeit an dem Abschlussbericht erneut." Dafür will das Robert-Koch-Institut jetzt das Gutachten Exners abwarten.
Dem Referatsleiter des Gesundheitsressorts, Dr. Martin Götz, wurde von den Ausschussmitgliedern Unterschlagung von wichtigen Informationen vorgeworfen. Es stellte sich heraus, dass er schon vor seiner letzten Zeugenaussage von dem neuen Keimfall im Mai gewusst hatte. Dies hat er bei der Sitzung verschwiegen. "Der Untersuchungsausschuss ist keine Juxveranstaltung", kritisierte der stellvertretende Vorsitzende, Björn Fecker (Bündnis 90 / Die Grünen). Es sei "unglaublich", dass Götz den neuen Keimfall nicht erwähnt habe. Götz rechtfertigte sich damit, dass er keine endgültigen Fakten auf dem Tisch gehabt habe. "Solange wir den Sack nicht zumachen können, halte ich es nicht für notwendig, den Ausschuss zu informieren", so Götz. Es habe noch keine genauen Erkenntnisse über den Keim gegeben. Auch das Gesundheitsressort will einen Bericht von Prof. Martin Exner abwarten und dann das Robert-Koch-Institut mit einbeziehen. Nach Ansicht der Ausschussmitglieder gehört diese vorenthaltene Information zu einer Reihe von Fällen, in denen die Kommunikation zwischen Ausschuss und Gesundheitsbehörde nicht funktioniert hat, "Dieses Kommunikationschaos ist durch nichts zu entschuldigen", sagte CDU-Ausschussmitglied Rainer Bensch.
Das Reinigungs-Gutachten des BZH Freiburg wurde erneut intensiv diskutiert. Hierzu war Tomislav Gmajnic, Kaufmännischer Geschäftsführer der Gesundheit Nord, als Zeuge geladen. Er äußerte sich zu dem Vorwurf, die nicht-deutschsprachigen Reinigungskräfte können die Anweisungen nicht verstehen. "In unserer Einarbeitungsphase erklären wir nicht nur verbal, sondern wir zeigen auch, welche Handgriffe zu tun sind", so Gmajnic. Dadurch sähe er die Sprach-Barriere als behoben an. Auch innerhalb der "Gesundheit Nord Dienstleistungen GmbH" (GND) wurde das Gutachten nach Aussagen von Gmajnic als nicht sonderlich brisant gewertet. Die Befragung des GND-Bereichsleiters Axel Tiemann ergab, dass bisher nur eine wesentliche Konsequenz aus dem Gutachten gezogen worden ist: die Verwendung von Einmal-Handschuhen. Wie viel mehr Zeit eine Reinigung dadurch in Anspruch nimmt, wird derzeit ausgewertet.
Der Untersuchungsausschuss wird am 15. Juni erneut zusammenkommen. Dann wird Judith Rüssmann, Leiterin des Servicebereiches Wirtschaftsbetriebe Geno und Geschäftsführerin der GND, ebenfalls zu den Reinigungs-Standards befragt werden. Auch Dr. Arndt Böhle, kommissarischer ärztlicher Direktor im Klinikum Bremen-Mitte, wird eingeladen. Das schriftliche Gutachten von Prof. Martin Exner wird in zwei Wochen erwartet.
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Mögliche Keimquelle entdeckt
Die "heiße" Spur der Forscher vom Hygiene-Institut aus Bonn
Auditierung des Reinigungsdienstes [PDF, 3.151 Kb]
Gutachten vom Deutschen Beratungszentrum für Hygiene in Freiburg
Hygieneskandal in Bremer Klinik
![Keime [Quelle: Radio Bremen] Keime [Quelle: Radio Bremen]](/politik/dossiers/krankenhauskeime/keime100_v-mediateaser.jpg)
In diesem Online-Dossier werden wir Sie darüber informieren, welche Hygiene-Richtlinien in Bremer Krankenhäusern gelten und wie das Krankenhaus solche Infektionen melden muss.
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