Streit ums Reinigungsgutachten
Im Untersuchungsausschuss ging es mal wieder um die Frage, wie die Bremer Kliniken gereinigt werden. Hier stellt jedes Haus wohl seine eigenen Pläne auf. So benutzten bisher nicht alle Einweghandschuhe. Zudem nahm die Geschäftsführerin der Geno-Dienstleistungsgesellschaft Stellung zu dem Reinigungsgutachten der Freiburger Hygiene-Experten.
Im Klinikum Links der Weser kommen schon seit dem Jahr 2006 Einmalhandschuhe bei der Reinigung der Patientenzimmer zum Einsatz. Das erklärte Arndt Böhle am 15. Juni 2012 vor dem Untersuchungsausschuss. Er leitet im Krankenhaus "Links der Weser“ (LdW) die Klinik für Allgemein- und Unfallchirurgie. Wegen der Abberufung von Frau Dr. Kuss ist er seit Kurzem kommissarisch auch ärztlicher Direktor im Klinikum Bremen-Mitte (KBM), bis dort eine neue Vollzeitkraft für diese Aufgabe gefunden ist.
Welche Handschuhe zum Einsatz kommen, würden die Kliniken selbst entscheiden, so der Chirurg. Außerdem gelten hauseigene Reinigungspläne. Das erklärte auch Judith Rüssmann, die Geschäftsführerin der Gesundheit Nord Dienstleistungsgesellschaft (GND). Die GND ist eine Tochtergesellschaft, die komplett dem Klinikverbund „Gesundheit Nord“ (Geno) gehört. Sie sorgt für die Reinigung in allen vier kommunalen Geno-Kliniken in Bremen. Rüssmann sagte dem Ausschuss, dass zum Beispiel im Klinikum Bremen-Ost Einmalhandschuhe schon seit zehn Jahren zum Einsatz kommen.
Zeugen am 15. Juni 2012
Hintergrund der Befragung ist ein Gutachten über die Reinigung im Klinikum Bremen-Mitte. Wie bereits berichtet, hatte die Freiburger Hygiene-Experten darin kritisiert, dass bei der Reinigung von Patientenzimmern Haushaltshandschuhe eingesetzt werden. Damit würden Toiletten geputzt und direkt im Anschluss Türklinken angefasst. Unhygienisch – so ein Experte. Somit könnten Keime und Verunreinigungen von der Toilette an Türklinken übertragen werden, die später wiederum von Patienten angefasst werden. Diesen Mangel hat die Geno bereits eingeräumt und lässt nun überall mit Einweghandschuhen reinigen.
In seinem Bereich im Klinikum "Links der Weser" seien bislang keine ESBL-Klebsiellen aufgetaucht, erklärte Böhle. Allerdings sei es grundsätzlich normal, dass andere Antibiotika-resistente Keime vorkämen, wie zum Beispiel MRSA-Keime. Entscheidend sei, dass so etwas schnell erkannt und entsprechend reagiert werde, so der Mediziner. Die Reinigungspläne für das Klinikum "Links der Weser" würden sich außerdem zu anderen Geno-Kliniken unterscheiden. Das bestätigte auch die Chefin der Reinigungsgesellschaft den Ausschussmitgliedern. Denn jedes einzelne Haus habe eine eigene Hygiene-Kommission, die ganz eigene Vorgaben bei der Reinigung machen würden. Dass im Zusammenhang mit Sparmaßnahmen weniger geputzt werde, kann die Betriebswirtschaftlerin nicht erkennen. Im Jahr 2011 seien die Reinigungskräfte in allen Geno-Kliniken fast 620.000 Stunden im Einsatz gewesen. In den ersten fünf Monaten des Jahres 2012 rund 260.000 Stunden. Somit habe im direkten Vergleich die Arbeitszeit für die Reinigung zugenommen. Nach Bekanntwerden der Infektionswelle auf der Frühgeborenen-Station im November 2011 seien alle Reinigungskräfte nochmals intensiv geschult worden.
Mit Blick auf das Gutachten, das die Reinigung im Klinikum-Mitte kritisiert, äußerte Rüssmann deutlich ihr Missmut. Nachdem ihr das Gutachten zugestellt wurde, hätte sie ihre Kollegen um eine Stellungnahme zu den Vorwürfen gebeten. Seitenlang hätten sie das Gutachten wiederum kritisiert. Es sei teilweise nicht korrekt. Zudem habe sich der Hygiene-Experte kein einziges Patientenzimmer angeschaut und wie dort geputzt wird. Der Experte habe sich lediglich die Reinigungspläne angeschaut und mit dem Reinigungspersonal gesprochen.
Der Ausschuss setzt in der kommenden Woche seine Arbeit fort. Am Dienstag, 19. Juni sind die Geschäftsführer des Klinikums Bremen-Mitte erneut als Zeugen geladen. Daniela Wendorff (Pflegerische Geschäftsführung) und Robert Pfeiffer (kaufmännischer Geschäftsführer) werden ab 14:30 Uhr befragt. Sie werden zum erneuten Auftreten des Keimes in der Kinderklinik befragt. Außerdem könnte das Desinfektionsmittel-Gerät auf der Frühgeborenen-Station thematisiert werden. Es gilt bislang als erste heiße Spur im Zusammenhang mit der Infektionswelle. Wie berichtet, hatte ein Hygiene-Experte einen auffälligen Biofilm in einem Wasserschlauch des Gerätes gefunden. Jetzt wird geprüft, ob die Keimspuren in diesem Biofilm auch gentechnisch den gleichen "Fingerabdruck haben".
Radio Bremen recherchiert für Sie und bleibt am Thema. Falls Sie mit unserem Reporter in Kontakt treten wollen, schreiben Sie an cengiz.tarhan@radiobremen.de!
Mögliche Keimquelle entdeckt
Die "heiße" Spur der Forscher vom Hygiene-Institut aus Bonn
Auditierung des Reinigungsdienstes [PDF, 3.151 Kb]
Gutachten vom Deutschen Beratungszentrum für Hygiene in Freiburg
Hygieneskandal in Bremer Klinik
![Keime [Quelle: Radio Bremen] Keime [Quelle: Radio Bremen]](/politik/dossiers/krankenhauskeime/keime100_v-mediateaser.jpg)
In diesem Online-Dossier werden wir Sie darüber informieren, welche Hygiene-Richtlinien in Bremer Krankenhäusern gelten und wie das Krankenhaus solche Infektionen melden muss.
Ausschuss-Tagebuch
Parlamentsausschuss
Abgeordnete der Bremischen Bürgerschaft haben den Keimausbruch untersucht. Mehr...
Vorbild Holland
Die Zahl der Infektionen ist dort deutlich niedriger als bei uns. Was machen die Niederländer anders? Mehr...
Um welchen Keim geht es?
Warum können Darmkeime gerade für Säuglinge so gefährlich sein? Was passiert bei einer Infektion mit Klebsiella pneumoniae? Mehr...
Beiträge zum Hygiene-Skandal
Jetzt läuft
ARD-Feature: Die Spur der Keime
Vor einem Jahr starben im Klinikum Bremen-Mitte drei Frühgeborene an einer Bakterien-Infektion. Die Rundfunkjournalistin Gaby Mayr zieht in einer Radio-Bremen-Produktion für das ARD-Radiofeature eine Bilanz des Klinikskandals. Mehr...
Radio-Diskussion: Auf der Intensivstation
Über die Diagnose des Patienten besteht Einigkeit: Mehrere kommunale Kliniken in Bremen haben wirtschaftliche Probleme, ihnen geht es schlecht und damit auch der gemeinsamen Krankenhausdachgesellschaft, der Gesundheit Nord (Geno). Darüber diskutieren Politiker, Ärzte und Krankenkassenvertreter. Mehr...
Jetzt auf radiobremen.de
Transport nach Kanada: Tonnenschwerer Koloss im Neustädter Hafen verschifft
Tote Frau im Pflegeheim: Bremer Sozialsenatorin will tägliche Kontakte
VBN-Jahresbilanz: Fahrgastzahlen und Einnahmen gestiegen
Neuer Trainer vorgestellt: Robin Dutt: "Werder ist Euphorie pur!"