Aussage der Klinik-Chefin
Die Klinik macht ihn zum Hauptverantwortlichen für die Infektionswelle mit drei Todesfällen und kündigt Chefarzt Huppertz fristlos. Doch er wehrt sich vor dem Arbeitsgericht und bekommt Recht. Das Gericht sieht keinen Grund für eine fristlose Kündigung. Geht die Klinik nun in Berufung? Stellt sie ihn wieder ein?
Daniela Wendorff hat Huppertz' Kündigung unterschrieben. Stellt sie ihn nun wieder ein?
Zeugen am 21. Juni 2012
Das Klinikum Bremen-Mitte will spätestens Ende Juni entscheiden, wie es mit dem Chefarzt der Frühchenstation Hans Iko Huppertz weitergehen soll. Das erklärte die pflegerische Geschäftsführerin Daniela Wendorff am 21. Juni 2012 vor dem parlamentarischen Untersuchungsausschuss. Nach einer Infektionswelle auf der Frühchenstation mit drei toten Babys hatte die Klinik den Chefarzt fristlos entlassen. Dagegen wehrte sich Huppertz mit Erfolg vor dem Bremer Arbeitsgericht. Es gäbe keinen Grund für eine fristlose Kündigung, so das Gericht.
Erst kürzlich hatte es die ausführliche schriftliche Urteilsbegründung vorgelegt. Daraufhin fordert nun der Fraktionsvorsitzende der CDU in der Bremischen Bürgerschaft Thomas Röwekamp die Bremer Gesundheitssenatorin zum Handeln auf. Renate Jürgens-Pieper (SPD) ist Vorsitzende des Aufsichtsrates des Klinikverbundes Gesundheit Nord. Sie hatte sich bislang nicht aktiv gegen die Kündigung gewährt. In einem Brief des CDU-Fraktionschefs, der Radio Bremen vorliegt, fordert Röwekamp Jürgens-Pieper nun zum Handeln auf. Sie soll der Geschäftsführung anweisen, dass Huppertz wieder beschäftigt werden soll. "Auf Grund der von Kinderärzten bescheinigten fachlichen Expertise von Prof. Dr. Huppertz und vor dem Hintergrund des Ausgangs des arbeitsgerichtlichen Verfahrens, kann ich für die CDU-Bürgerschaftsfraktion keinen Grund erkennen, warum Herr Prof. Huppertz nicht wieder bei der Gesundheit Nord (Geno) tätig werden kann".
Die Gesundheitsbehörde will den Brief nicht kommentieren. Auch bei der Gesundheit Nord will man den Vorgang erst prüfen. Die Kündigung unterschrieben hatte die Klinik-Geschäftsführerin Wendorff, räumte sie vor dem Ausschuss ein. Allerdings hat sie auf Anweisung des damaligen Geno-Chefes Diethelm Hansen gehandelt. Er hatte, ohne vorher mit Wendorff zu sprechen, die fristlose Kündigung per Dienstanweisung "befohlen".
Vor der Klinik-Geschäftsführerin hat der Ausschuss einen Mitarbeiter der technischen Abteilung des Klinikum Mitte als Zeuge angehört. Michael Mitteneder ist für die Prüfung der Desinfektions-Mittel-Maschine zuständig. Wie berichtet, hatte ein Hygiene-Experte in einem Wasserschlauch dieser Maschine einen Biofilm und DNA-Spuren eines Keimes gefunden. Ob es sich um den identischen Keimstamm handelt, wird zurzeit noch geprüft. Dieser Fund gilt als die bislang erste heiße Spur auf der Suche nach der Keimquelle. Dabei bleibt aber immer noch offen, wie der Keim in den Wasserschlauch kommt und wie später an die Haut der Frühgeborenen gelangen konnte. Denn mit der Maschine wird Reinigungsflüssigkeit hergestellt, mit der unter anderem Fußböden und andere Oberflächen gereinigt werden. Mitteneder erklärte dem Ausschuss, dass er nur für die Überwachung der technischen Wartung des Gerätes zuständig sei. Die konkreten Arbeiten am Gerät würden die Mitarbeiter einer beauftragten Firma durchführen. Einmal im Jahr werde das Gerät kontrolliert. Dabei sei eine umfassende Überprüfung des Wasserschlauches kein Bestandteil der Wartungsanforderung. Der Schlauch würde nur getestet, ob er dicht sei. Probleme mit der rund 15 Jahre alten Maschine habe es in der Vergangenheit nicht gegeben. Zudem würde das fertig gemischte Desinfektionsmittel regelmäßig vom Labor auf Keime getestet. Auch hier habe es keine Auffälligkeiten gegeben.
Die Klinik-Geschäftsführerin Wendorff berichtet dem Ausschuss, dass es im Jahr 2011 Probleme mit einem Mitarbeiter gegeben habe. Auf die Frage der Ausschuss-Vorsitzenden Antje Grotheer (SPD), ob es "Hygiene-Ferkel" auf der Station gegeben habe, die sich nicht an Regeln gehalten haben, antwortete Wendorf mit einem "Ja". Es hätte eine Situation gegeben, wo sie aufmerksam gemacht wurde. Um welche Person es sich gehandelt hat, wollte sie nicht preisgeben. Es sei eine Person, die nicht auf der Frühchenstation direkt gearbeitet hat, aber in "übergeordneter Verantwortung" tätig sei. Wendorff wird erneut vor dem Ausschuss als Zeugin antreten müssen. Bei der Sitzung am 21. Juni reichte die Zeit nicht aus, um alle Fragen der Obleute zu beantworten.
Frau Wendorff wird aus diesem Grund bei der Sitzung am Freitag, dem 29. Juni, noch einmal aussagen. Die Anhörung beginnt um 13:30 Uhr. Für 15 Uhr ist der nächste Zeuge eingeplant, dessen Aussage mit Spannung erwartet wird. Martin Exner vom Institut für Hygiene und öffentliche Gesundheit Bonn. Er hatte sich im Auftrag des Klinikverbundes auf die Suche nach einer Keimquelle gemacht und war auf den Wasserschlauch in der Desinfektionsmittel-Maschine gestoßen. Exner wird dem Ausschuss seine Erkenntnisse mitteilen und erklären, ob das die Keimquelle sein könnte. Dieser Theorie widerspricht ein anderer Experte: Klaus Dieter Zastrow von der Deutschen Gesellschaft für Krankenhaushygiene. Er wurde nun offiziell als Sachverständiger erneut in den Ausschuss geladen, und soll am Freitag, 13. Juli aussagen. Dadurch verschiebt sich die gesamte Zeugenanhörung nach hinten, so dass die Bremer Gesundheitssenatorin erst am 17. Juli gehört werden kann.
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Mögliche Keimquelle entdeckt
Die "heiße" Spur der Forscher vom Hygiene-Institut aus Bonn
Kündigung unwirksam
Arbeitsgericht gibt Chefarzt Recht
Hygieneskandal in Bremer Klinik
![Keime [Quelle: Radio Bremen] Keime [Quelle: Radio Bremen]](/politik/dossiers/krankenhauskeime/keime100_v-mediateaser.jpg)
In diesem Online-Dossier werden wir Sie darüber informieren, welche Hygiene-Richtlinien in Bremer Krankenhäusern gelten und wie das Krankenhaus solche Infektionen melden muss.
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