Interview mit Kriminalisten
Nach eigenen Angaben hat sich der Bremer Rockerclub Hells Angels selbstaufgelöst. Für den stellvertretenden Vorsitzenden des Bundes Deutscher Kriminalbeamter, Bernd Carstensen, ist dies nicht verwunderlich. Im Interview mit Radio Bremen erklärt er, warum die Zeit jetzt dafür gekommen sei und wie die Rocker so das Vereinsvermögen retten wollen.
Bernd Carstensen, stellv. Bundesvorsitzender des Bund Deutscher Kriminalbeamter
Radio Bremen: Herr Carstensen, ist es für Sie eine Überraschung, dass der Bremer Rockerclub Hells Angels sich – nach eigenen Angaben – selbst aufgelöst hat?
Bernd Carstensen: Überraschend war es nicht. Es ist so, dass jetzt die ganzen bundesweiten Rocker nach den stattgefundenen Durchsuchungsmaßnahmen, sich Gedanken machen, inwieweit sie selbst von Verboten oder anderen Durchsuchungsmaßnahmen betroffen sind. Und sie sind so zu der Einschätzung gekommen – auch juristisch beraten, dass es besser ist den Verein zu schließen beziehungsweise bekanntzugeben, dass er nicht mehr existiert.
Radio Bremen: Warum haben sich die Hells Angels aufgelöst?
Bernd Carstensen: Ich gehe mal davon, dass sie dahingehend beraten worden sind, dass, wenn ein Verein nicht mehr existiert, dann kann man auch das Vereinsvermögen nicht mehr beschlagnahmen. Das ist der ganz zentrale Punkt dahinter. Denn Verbots-Maßnahmen richten sich ja gegen den Verein und wenn der Verein nicht mehr existiert, dann gibt es auch keine Verantwortlichen für Durchsuchungsmaßnahmen mehr.
Radio Bremen: Aber aufgelöst hat sich damit ja die Vereinigung an sich. Die – dann ehemaligen – Mitglieder können doch ungestört weitermachen?
Bernd Carstensen: Das ist genau richtig. Aber dann bedeutet das für die Polizei zu ermitteln, ob es sich um eine tatsächliche Auflösung handelt. Das heißt, die Mitglieder tragen keine Vereinskleidung und Erkennungszeichen mehr. Wenn aber die Recherche ergeben, das hier nur gesagt worden ist "Der Verein ist aufgelöst", dann kann die Polizei trotzdem tätig werden.
Radio Bremen: Würden Sie denn nach den Durchsuchungen der letzten Tagen – und auch den jetzigen Ereignissen – so weit gehen, dass Sie sagen, auch ein bundesweites Verbot hätte Erfolg?
Bernd Carstensen: Ich bin nicht in alle Ermittlungsverfahren involviert, aber ich kann mir sehr gut vorstellen, dass man ermittelt, ob es eine bundesweite Struktur gibt. Sprich einen Verein "Hells Angels Bundesrepublik Deutschland".
Rocker-Szene
![Polizisten beobachten Hells Angels auf Motorrädern [Quelle: Radio Bremen] Polizisten beobachten Hells Angels auf Motorrädern [Quelle: Radio Bremen]](/nachrichten/polizeikontrolle102_v-mediateaser.jpg)
Die Rocker im Nordwesten stellen aus Sicht der Polizei eine permanente Gefahr dar. Denn sie sind in der organisierten Kriminalität aktiv. Ob dagegen Verbote helfen, die Schließung von Klubhäusern oder Razzien – die Experten sind sich nicht einig. Mehr erfahren Sie hier in unserem Rocker-Dossier.
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