Bremer Rockerklub
Nach eigenen Angaben hat sich der Bremer Rockerklub "Hells Angels" am 1. Juni 2012 selbst aufgelöst und sein Vereinslokal geschlossen. Möglicherweise wollten sie dadurch ein drohendes Verbot verhindern, sowie die Beschlagnahmung von Vereinsvermögen und die damit verbundenen Hausdurchsuchungen. Bislang ist es nur in Hamburg, Berlin und Schleswig-Holstein gelungen, die Hells Angels zu verbieten.
Video: Hells-Angels-Charter aufgelöst
Einstellungen, Infos und Kommentare
Von ihrem Klubhaus, dem "Angels Place", in der Nähe des Bremer Bahnhofs haben die Rocker alle Schilder abgebaut. Nichts weist mehr auf die Hells Angels hin. Damit sei für die Anwohner nun der "Spuk vorbei", sagte Innensenator Ulrich Mäurer (SPD) im Radio-Bremen-Interview, aber die Kriminalität sei damit noch nicht beseitigt. Weiter erklärte er: Alle Ermittlungsverfahren sollten weiter geführt werden. Außerdem soll im Baurecht eine andere Nutzung des bisherigen Klubheims vorgeschrieben werden. Wichtig sei nun, dafür zu sorgen, dass die Hells Angels nicht mehr zurückkehren. Die Null-Toleranz-Strategie der Polizei habe sich gelohnt, so Mäurer weiter.
Ein Totenkopf mit geflügeltem Helm kennzeichnet die Höllenengel.
Die Auflösung der Bremer Hells Angels gelte seit 1. Juni 2012, bestätigte Rudolf Triller, der Sprecher des Bremer Ablegers "MC Westside". Gründe für diesen Schritt nannte er auf Nachfrage nicht, er beklagte aber zunehmende Kontrollen durch die Polizei. Ob der MC Westside mit seiner Selbstauflösung einem Verbot zuvorkommen wollte, bleibt unklar. Mit den bundesweiten Razzien gegen Rockergruppierungen habe der Schritt nichts zu tun, stellte Rudolf Triller klar. Kurz zuvor hatte es vor allem in Berlin, Brandenburg, Schleswig-Holstein und Nordrhein-Westfalen Razzien bei verschiedenen Rockerklubs gegeben.
Bernd Carstensen vom Bund Deutscher Kriminalbeamter wundert sich nicht über die angebliche Hells-Angels-Auflösung. Die Rocker hätten sich lediglich gut juristisch beraten lassen. Denn, wenn der Verein nicht mehr existiert, kann weder dessen Vermögen beschlagnahmt werden noch die Räume durchsucht werden. Falls die Mitglieder sich aber mit den Vereinskutten erwischen lassen, kann die Polizei trotzdem tätig werden. Bremen strebt schon seit einiger Zeit ein Verbot der Hells Angels an. Dazu müssen den Rockern aber Straftaten nachwiesen werden. Wie etwa dem amtierenden Präsidenten Marcel S. der "Höllenengel", der im Herbst 2011 wegen räuberischer Erpressung festgenommen und angeklagt wurde.
Nach Schätzungen der Polizei sind zirka 100 Personen in Bremer Rockerklubs organisiert. Diese Anzahl ist in den letzten Jahren konstant geblieben. Zudem scheinen die Rocker ruhiger geworden zu sein. So sollen sie auf polizeiliche Anordnungen und Maßnahmen eingehen. Mehr noch: Sie führen gelegentlich sogar freundliche Gespräche mit den Beamten. So kam es auch kaum noch zu Ausfahrten in langen Kolonnen, da die Polizei nur kleine Gruppen zuließ. Wenn die Rocker mal eine Party machen wollen, wurden alle Gäste gefilzt und ihre Personalien festgestellt. Vorab gab es Belehrungen darüber, wie die Motorräder am Straßenrand geparkt werden dürfen und ab wie viel Uhr die Musik leiser gedreht werden muss. Die schweren Jungs hielten sich dann an alle Vorgaben, so wie zuletzt bei der Party der "Red Devils" am 18. März 2012.
Ein roter Teufelskopf mit Feuerschweif ist das Zeichen der roten Teufel.
Die roten Teufel gelten als Unterstützer der Hells Angels. Nachdem sich ihr Klub Ende 2011 quasi aufgelöst hat, wollten die neuen "Red Devils" ihre Rückkehr feiern. Aber ein Großaufgebot der Polizei verhinderte, das die Rocker ihr Domizil erreichten. Nach Angaben der Polizei gibt es baurechtliche Gründe, weshalb die ehemalige Werkstatt in der Eduard-Grunow-Straße nicht als Klubhaus weiter genutzt werden könne – und schon gar nicht für Partys. Deshalb fand die Neueröffnung bei den großen Brüdern um die Ecke statt: bei den Hells Angels. Das bekam die Polizei schnell mit und sperrte den "Angels Place" weiträumig ab. Sie kontrollierten mehr als 100 Personen, die in Rockerkluft erschienen waren. Dabei stellten die Beamten unter anderem Schlagstöcke und Messer sicher, zudem sprachen sie drei Platzverweise aus.
Rocker aus der türkischen Gemeinde in Gröpelingen gelten als Unterstützer der Red Devils.
Immer da, wo Rocker zusammenkommen, ist auch die Polizei dabei. Die Beamten halten sich zwar zurück, aber ihre Ansagen schikanieren die Rocker, die ihren Ärger aber lieber runterschlucken, als ein Verbot zu riskieren. In Bremen stehen neben den "Hells Angels" und "Red Devils" auch der "MC Truva" unter Beobachtung, sowie der "MC Gremium" im Bremerhavener Rotlichtviertel. Diese Klubs gelten als kriminell, obwohl ihnen nur noch selten etwas nachgewiesen werden kann. Denn Täter, Opfer und Zeugen schweigen in der Regel.
Das Wappen der Bandidos ist der Taco-Mann mit riesigem Hut. Deshalb heißen sie in der Szene auch die "Hüte".
Beim Kampf um so genannte Gebietsansprüche geht es vor allem um Menschenhandel und Betäubungsmittel, aber auch um Waffen und Sicherheitsdienste. Dabei treten die Mitglieder der großen Rockergruppe gar nicht selbst in Erscheinung, sondern schicken ihre Anwärter vor, so genannte Hangarounds, Supporter und Prospects. Die müssen sich dann in jahrelanger "Sklaverei" ihre Mitgliedschaft verdienen. So beschreibt es ein Hells-Angel-Aussteiger in seinem Buch "Der Racheengel". Er war der Kronzeuge im Prozess gegen die Hells Angels, die im Jahr 2006 Mitglieder des verfeindeten Rockerklubs "Bandidos" überfallen hatten. Deren Klubhaus in Brinkum ist seitdem geschlossen. Die so genannten "Hüte" sind aus Bremen verschwunden.
Der Mongole auf einem Motorrad prangt auf den Kutten der Mongols.
2011 gab es dann mehrere Schlägereien zwischen den neugegründeten "Mongols" und den Höllenengeln. Der Streit endete mit einem Verbot der Monogols. Nach Ansicht der Behörden bestand deren Zweck einzig und allein darin, Straftaten zu begehen. In der Begründung heißt es: "Der Präsident und führende Mitglieder der Bremer Mongols seien hochgradig kriminell und gewaltbereit". Die Polizei hatte die Vereinsräume durchsucht und das vorhandene Vermögen beschlagnahmt, sowie das gerade eröffnete Klubhaus geschlossen. Das Tragen der Kutten mit den Vereins-Emblemen ist in Bremen seitdem verboten.
Rocker-Szene
![Polizisten beobachten Hells Angels auf Motorrädern [Quelle: Radio Bremen] Polizisten beobachten Hells Angels auf Motorrädern [Quelle: Radio Bremen]](/nachrichten/polizeikontrolle102_v-mediateaser.jpg)
Die Rocker im Nordwesten stellen aus Sicht der Polizei eine permanente Gefahr dar. Denn sie sind in der organisierten Kriminalität aktiv. Ob dagegen Verbote helfen, die Schließung von Klubhäusern oder Razzien – die Experten sind sich nicht einig. Mehr erfahren Sie hier in unserem Rocker-Dossier.
Meldungen zum Thema
Artikel zum Thema
Bremer Innensenator will keine Rocker im Stadtbild
Rocker-Verbote basieren oft nur auf Einzeltaten
"Zeit der Zurückhaltung in Bremen vorbei"
Audios und Videos zum Thema
Jetzt läuft
Streit ums Grundwasser in Holdorf
Die Brunnen der Gemeinde Holdorf liefern den größten Teil des Wasserbedarfs der Region Vechta. Nun sollen noch mehr Brunnen noch mehr Grundwasser abpumpen. Viele Anwohner beklagen aber schon jetzt, dass ihre Felder vertrocknen und der Wasserspiegel ihres Badesees sinkt. Welche Folgen hat es, wenn immer mehr Grundwasser aus dem Boden gepumpt wird? Wir diskutieren live vor Ort. Mehr...
29. Mai, 15:05 Uhr | Nordwestradio
Info: Die Rundschau
Sendezeit:
Mo. - Fr., 7, 8, 12, 16, 17 Uhr
Info: Nordwestradio Journal
Sendezeit:
Mo., - Fr.,
6:05 - 9 Uhr
12:08 - 13 Uhr
17:08 - 18:30 Uhr
Sa.,
8:05 - 9 Uhr
12:05 - 13 Uhr
Podcasts
Hier können Sie die neuesten Politik-Beiträge hören – wann und wo Sie wollen. Mit einem Download auch so oft Sie wollen. Mehr...
Soziale Netzwerke
Sie finden Radio-Bremen-Nachrichten nicht nur hier, sondern auch bei Twitter, Facebook, Google Plus und Youtube. Mehr...
radiobremen.de für unterwegs
Unter "m.radiobremen.de" sind wir nun auch mobil abrufbar. Damit kommen wir vielen Internetnutzern entgegen. Testen Sie es einfach mal aus! Mehr...
Jetzt auf radiobremen.de
Werder Bremen: Neuer Trainer Dutt wird heute vorgestellt
Streit um Beratungsstelle: SPD-Fraktionschef will Rat und Tat-Zentrum erhalten
Gesetzesinitiative aus Bremerhaven: Hauseigentümer müssen Schrottimmobilien abreißen
Böhrnsens Türkei-Reise: "Wichtig, sich mal sehen zu lassen"