Besuch des Seefahrtshofs in Grohn
Wenn zur 469. Ausgabe der Bremer Schaffermahlzeit die Kapitäne, Kaufleute und ihre Gäste ein Fünf-Gänge-Menü mit schwerer Hausmannskost und Schafferbier beendet haben, gehen um genau 17.08 Uhr Sammelbüchsen durch die Reihen in der Oberen Rathaushalle. Die Stiftung "Haus Seefahrt“ bittet um Spenden. Radio-Bremen-Reporter Bernd Klose hat das nach eigenen Angaben älteste Soziale Netzwerk der Welt im Bremer Stadtteil Grohn besucht.
Die Stiftung "Haus Seefahrt" ist die älteste soziale Einrichtung der Welt. Sie unterstützt in Not geratene seemännische Mitglieder und unterhält in Bremen-Grohn den Seefahrtshof. Hier wohnen Kapitäne und ihre Familien, mittlerweile aber auch Studenten. Allein 80 Prozent der Unterhaltskosten für die inzwischen vier Seefahrtshöfe werden bei der Schaffermahlzeit eingenommen. Wenn die silbernen Sammeldosen durch die Reihen in der Oberen Rathaushalle gehen, geben die Gäste statt Bargeld einfach auch ihre Visitenkarte ab, auf der sie ihre Spendensumme notiert haben. Großzügigkeit ist hier angesagt.
Uralt ist das steinerne Renaissance-Portal des Hauses Seefahrt - und es hat schwere Zeiten überstanden. Der Verwaltende Kapitän Holger Janssen zeigt auf Granatsplitter aus dem zweiten Weltkrieg, die noch im Tor stecken. Sie erinnern an ein Stück Geschichte. Das alte "Haus Seefahrt" wurde im Krieg zerstört - das barocke Prunktor von 1665 blieb erhalten. Seit den 50er Jahren steht es nun hier. Kapitän, Steuermann und der Meeresgott Neptun blicken auf den Besucher herab, darunter der Anker - das Zeichen des Hauses Seefahrt. Wer durch das gusseiserne Tor tritt, blickt auf schlichte Backstein-Gebäude, die eine Rasenfläche umrahmen. Insgesamt gibt es hier acht Häuser. Zurzeit wohnen hier zwölf Ehepaare, acht alleinstehende Damen, vier alleinstehende Herren und fünf Studenten, wovon eine Studentin ist, zählt Kapitän Janssen auf.
Bescheiden geht es hier zu. Es gibt Ein-, Zwei- oder Dreizimmerwohnungen, 64 Quadratmeter hat die größte. Im Verwaltungsgebäude gibt es ein Gästezimmer. Hier können nur Mitglieder des Hauses Seefahrt wohnen. Aber Janssen räumt ein, dass sie auch bedürftige Seeleute aufnehmen. Die gibt es, seit sich Schiffe auf die Meere wagen. Stürme, Krankheiten, Schiffbruch und Piraten setzten den Männern zu. Die Kirche half immer wieder in Notlagen, bis die Wirren der Reformation einsetzten und die Hilfe zunehmend in Vergessenheit geriet. Im Jahr 1545 gründeten Bremer Reeder und Kaufleute dann eine Stiftung und legten damit den Grundstein für den wohl ältesten noch bestehenden Sozial-Fonds in Europa. Holger Janssen holt einen Bilderrahmen aus dem Schrank. Darin stecken zwei vergilbte Blätter: Es ist die originale, gesiegelte Urkunde der Stiftung, die damals noch "Die Arme Seefahrt" hieß. Darin steht geschrieben, "dass Seeleute, die in Not geraten sind, unterhalten und versorgt werden, damit sie nicht nötig haben, zur Verkleinerung der Schifffahrt auf der Straße zu liegen oder vor den Türen zu betteln und um Almosen zu bitten."
Es ist schon der vierte Seefahrtshof, der hier in Bremen-Grohn erbaut wurde. Die Warteliste ist lang. Kapitän Gerd Schwertfechter lebt seit 2002 hier. 47 Jahre ist er zur See gefahren. Alle Meere hat er gesehen. Seine Handgelenke sind breit - seine Augen sehen müde aus. Warum er hier ist? Er wartet lange mit der Antwort, dann erzählt, dass er nach der Trennung von seiner Frau erstmals hierher kam. Sehr schnell war er sich aber sicher, dass er eine richtige Entscheidung getroffen hatte. Denn er hat hier eine neue Heimat gefunden. "Also ich fühle mich hier aufgehoben, betreut, und fühle mich sehr wohl hier. Ich möchte nirgendwo anders sein. Es ist fast wie eine Fortsetzung der Seefahrt.", stellt Gerd Schwertfechter lächelnd fest.
Haus Seefahrt - ein Heim für bedürftige Seeleute, [3:20]
Von Bernd Klose
Bremer Schaffermahlzeit
![Teilnehmer der Schaffermahlzeit [Quelle: Radio Bremen] Teilnehmer der Schaffermahlzeit [Quelle: Radio Bremen]](/politik/dossiers/schaffermahlzeit/bild2650_v-mediateaser.jpg)
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