Bremer Schaffermahlzeit 2013
Der Weg zum Rathaus führte durchs Frauen-Spalier: Schaffer, Kaufleute und Kapitäne mussten an etwa 500 Demonstrantinnen vorbei, um zur Schaffermahlzeit zu kommen. Bei dem Traditionsessen werden Netzwerke geknüpft und Geschäfte angebahnt – das meinen jedenfalls die, die draußen bleiben müssen. Drinnen hielt Sachsens Ministerpräsident Stanislaw Tillich (CDU) eine Rede für die Herrenrunde.
Video: Frauen wollen zur Schaffermahlzeit
Einstellungen, Infos und Kommentare
Ehrengast Tillich stellte in seiner Rede klar, dass Politik mehr Zeit benötige, damit sie zu guten Entscheidungen komme. Dabei gehe es nicht ums Aussitzen oder um Politik in Zeitlupe. "Die Politik muss sich diese Zeit nehmen, sie muss ihr aber auch gewährt werden. Ich wünsche mir deshalb, dass die geschätzten Vertreter der Medien gelegentlich mehr Langsamkeit zulassen", sagte der sächsische Regierungschef. Das helfe gegen Politikverdrossenheit, weil die Ergebnisse besser seien. "Wie ein guter Schmorbraten", fügte er in Anspielung auf die Schaffermahlzeit hinzu. Zuvor hatte Tillich die wirtschaftlichen Leistungen seines Bundeslandes herausgestellt: einen ausgeglichenen Haushalt sowie den ersten Platz beim Bildungsmonitor.
Live aus dem Bremer Rathaus: Mitschnitt anhören, [50:28]
Bernd Klose kommentierte für das Nordwestradio.
Meilensteine der Frauengeschichte: Jede hätte eine Einladung verdient.
Audio: Ulrike Hauffe zum geplanten Frauen-Protest bei der Schaffermahlzeit
Einstellungen, Infos und Kommentare
Wer bei Schaffermahlzeit dabei sein will, der muss vor allem eins sein: ein Mann. So etwas gehört nicht, sagen nicht nur Frauen. Wenn Bremens Wirtschaft sich zeigen will, dann gehören selbstverständlich auch die Frauen dazu, sagt Bremens Frauenbeauftragte Ulrike Hauffe. Schwarze Jacke, weißes Hemd, manche im Frack: Etwa 500 Frauen hatten sich ähnlich wie die Teilnehmer der Schaffermahlzeit gekleidet. Einzig eine knallrosa Fliege unterschied die Demonstrantinnen von den Gästen des Banketts. Auf zahlreichen Transparenten wiesen sie auf Meilensteine der Frauengeschichte in den vergangenen Jahrzehnten hin, während die männlichen Gäste der Schaffermahlzeit auf ihrem Weg ins Rathaus durch das Spalier laufen mussten.
Dass die Schaffermahlzeit von Protesten begleitet wird, ist nicht neu. Radio-Bremen-Reporter Bernd Klose mit Kritik an Bremens ältester Traditionsveranstaltung und ihren Teilnehmern:
Rückblick: Proteste und die Frauen-Frage, [3:45]
Es sei prinzipiell möglich, Frauen zum Schaffermahl einzuladen. Keiner der dazu Berechtigten habe aber dies bisher gefordert, hieß es auf einer Pressekonferenz der Organisatoren. Lediglich zwei Frauen nahmen bisher an der Tafel Platz: eine Kapitänin und die Bundeskanzlerin Angela Merkel als Ehrengast. Einer der diesjährigen Schaffer, der Bauunternehmer Kurt Zech, kann nachvollziehen, dass die Stiftung "Haus Seefahrt" ihre langjährige Tradition nicht ändern will. Die Frauenfrage werde in seinen Augen viel zu hoch gehängt. Nichts desto trotz stellt er nicht in Abrede, dass es in Bremen viele erfolgreiche Unternehmerinnen gibt.
Kurt Zech zur Frauen-Frage, [1:50]
Ein minuziöser Zeitplan bestimmt den Ablauf des fünfstündigen Menüs aus Seemannsspeisen wie Stockfisch, Braunkohl und Kalbsbraten. Seit 1545 veranstaltet die Stiftung "Haus Seefahrt" das Festmahl, um vor allem auch Spenden für in Not geratene Seeleute und deren Familien zu sammeln. Stolz schwebt über dieser Veranstaltung – so wie die vier gewaltigen hölzernen Modelle alter Kriegsschiffe von der Decke der Oberen Rathaushalle herab, die über den Köpfen der Teilnehmer zu schweben scheinen. Stolz, es in den erlesenen Kreis der 300 Teilnehmer geschafft zu haben. Stolz auf die uralte Tradition – und Stolz auf die Ehrengäste: Staatslenker, Minister, Diplomaten, Hohe Militärs, Schriftsteller und Philosophen folgtet dem Ruf der Schaffer nach Bremen. Radio-Bremen-Reporter Bernd Klose blickt in die Geschichte zurück:
Ein Blick in die Geschichte der Schaffermahlzeit, [3:45]
Ausrichter der Schaffermahlzeit 2013: Dr. Martin Harren, Bernd Schmielau und Kurt Zech.
Ausrichter und Gastgeber der 469. Schaffermahlzeit waren die Kaufleute:
Bremer Schaffermahlzeit
![Teilnehmer der Schaffermahlzeit [Quelle: Radio Bremen] Teilnehmer der Schaffermahlzeit [Quelle: Radio Bremen]](/politik/dossiers/schaffermahlzeit/bild2650_v-mediateaser.jpg)
Das älteste Brudermahl der Welt hat in Bremen eine lange Tradition. In unserem Online-Dossier haben wir alle Informationen zusammengefasst.
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